Kloster Ágios Neófytos

Öffnungszeiten

  • April bis September
  • Täglich 9–13 & 14–18 Uhr

  • Oktober bis März
  • Täglich 9–16 Uhr


Kloster Ágios Neófytos Hier lebte einst der Einsiedler Neófytos, der den Anstoß zur Klostergründung gab. Neófytos wurde im Jahre 1134 n. Chr. im Dorf Káto Drys in der Nähe von Léfkara geboren. Seinem Elternhaus kehrte er jedoch den Rücken, als eine Heirat anstand. So zog er als 18-jähriger ins Kloster Ágios Chrysóstomos nahe der Burg Buffavento (heute türkisch besetztes Gebiet). Der Novize lernte dort Lesen und Schreiben. Zuhause, wo sieben andere Kinder lebten, war für diesen „Luxus“ kein Geld da. Danach besuchte er die heiligen Stätten in Jerusalem. Er beabsichtigte, dort zu bleiben, um an einem einsamen Ort mit einem Eremiten zu leben. Doch seine Erwartungen erfüllten sich nicht; er kehrte nach sechs Monaten wieder nach Zypern zurück und blieb für kurze Zeit in seinem Kloster.

Bald erhielt er vom Abt die Erlaubnis, dieses zu verlassen. Zu Fuß begab er sich auf den Weg nach Páfos, von wo aus er auf einem Schiff nach Latros, einem berühmten Mönchsstaat in Kleinasien, reisen wollte. Doch die Hafenwachen verhafteten ihn wegen zweier Münzen, mit denen er die Überfahrt hätte bezahlen müssen, aber nicht hatte: für 24 Stunden blieb er in Haft. Da er von nun an die Gegend nicht verlassen durfte, wanderte er in nördliche Richtung und fand eine Höhle an einem einsamen und friedvollen Ort – er beschloss, hier zu bleiben. Am 14. September 1159, drei Monate nach seiner Ankunft, begann er hier mit dem Bau der Einsiedelei, die er genau ein Jahr später fertiggestellt haben soll. Eigenhändig arbeitete er mit Axt und Spaten aus dem Gestein eine Kapelle und Zelle heraus. Einige der Fresken, die man heute an den Wänden und den Decken sieht, stammen noch aus dieser Zeit. Sogar sein späteres Grab grub er selbst aus und vermerkte: „Selbst wenn Du alles auf der Welt besessen hast, nicht mehr als dieses Grab wird deines sein.“

Neófytos war auch ein wacher Beobachter des politischen Geschehens. Seine Eindrücke legte er in Chroniken nieder. Heftige Kritik übte er an Richard Löwenherz und dem anschließenden Verkauf der Insel an die Lateiner. Neófytos starb im Jahre 1219 im Alter von 85 Jahren.

Erste Höhle – Kirchenraum

Die untere Hälfte der Westseite ist mit zwölf äußerst grimmig blickenden, lang und spitzbärtigen Heiligen (zwei davon sind nackte, behaarte Einsiedlermönche) bedeckt, die als Vorbild des Klosterlebens gelten. Die Aufschriften auf den Weihtüchern, die sie in den Händen halten, raten: demütig und gehorsam zu sein, zu fasten, zu beten, die Sünden zu bereuen und den Glauben an Gott über die Liebe zu den Eltern zu stellen. Auffallend ist der zwölfte Mönch ganz rechts in der Wandvertiefung, der wie beleidigt auf die anderen blickt. Es handelt sich um Stefanos den Jüngeren, der im 8. Jh. lebte (die anderen elf stammen aus dem 4. bis 6. Jh.) und als Anführer im Kampf gegen die Ikonenbekämpfer mit weiteren 300 Mönchen ins Gefängnis geworfen wurde. Nach 11-monatiger Haft wurde er von einer aufgebrachten Menge misshandelt, erschlagen und anschließend sein Leichnam geschändet. Unter dem Pantokrator sind weitere sieben Einsiedler mit ihren Lebensmaximen zu sehen. Eine lautet: „Nach der Lehre der Väter ist dies der rechte Weg zur Glückseligkeit: nur einmal am Tag zu essen“.

Zweite Höhle – Bema – (Altarraum)

Hier befindet sich ein kleiner steinerner Altar. Der Einsiedler ist zwischen den Erzengeln Michael und Gabriel dargestellt, die ihn an der Schulter fassen. Die Inschrift hierzu lautet übersetzt: „Ich bete inbrünstig, dass ich einmal durch die Tugend meiner Lebensführung in den Kreis der Engel aufgenommen werde“ – „Oh heiliges Paar, ich ersuche euch mit all meiner Kraft, dass diese Darstellung eines Tages Wirklichkeit werden möge“. Die Malerei gilt als zeitgenössische Darstellung des Neófytos. Übrigens: Die Darstellung des Pantokrators – des Herren – kann man nur (ehrfürchtig) liegend oder kniend genau betrachten.

Dritte Höhle – Wohnraum (Cella) des Neófytos

Hier verbrachte dieser außergewöhnliche Mensch vier Jahrzehnte seines Lebens und von hier aus schrieb er mit unvergleichlichem Scharfsinn über die dramatischen historischen Ereignisse seiner Zeit. Bett, Tisch und Stuhl sind alle aus Stein und auch sein schon zu Lebzeiten von ihm selbst errichtetes Grab befindet sich hier. Um dieses ranken sich allerlei Wundergeschichten, so auch die: Wer auch immer sich in das Grab des Heiligen legt, es wird sich ihm in der Körpergröße und -form nach anpassen. Auch sollen sich hier zu Lebzeiten des Heiligen die Gebeine seiner verstorbenen Anhänger befunden haben.

In den Vertiefungen und Nischen seiner Wohnhöhle bewahrte Neófytos seine Papiere und Schreibgeräte auf. Hier schrieb er einige Bücher, unter anderem „Die Widrigkeiten, die das Land Zypern bedrängen“, ein Werk, das von den Verhältnissen auf der Insel im 12. Jh. handelt. Auf einer Darstellung blickt Christus von der Decke aus auf das Grab des Neófytos. Links vom Grab erkennt man Neófytos als kleine, kauernde Gestalt vor Christus. Der schmale niedrige Eingang wurde nach Auffinden der Heiligengebeine 1756 geschaffen, so dass auch Frauen zum Grab des Heiligen gelangen konnten.

Schon zu Lebzeiten des Heiligen hatte seine Einsiedelei einen derartigen Zulauf von Mönchen, dass Ágios Neófytos oberhalb der Kapelle einen weiteren Raum in den Felsen schlug, der nur mit einer Strickleiter zu erreichen war. Von diesem Hagíasterion nahm er an den Gottesdiensten teil, deren Klänge er durch einen extra dafür angelegten Schacht hören konnte. Während er einen neuen Pfad zu der Höhle anlegen wollte, entging er nur knapp dem Tod, als sich ein riesiger Felsbrocken löste und ihn teilweise begrub.

Von der Einsiedelei schaut man zur Klosteranlage hinüber. Die der Muttergottes gewidmete Basilika ist wahrscheinlich im 15. Jh. entstanden und enthält wertvolle Ikonen. Vorn links in der Klosterkirche befindet sich auch der versilberte Schädel des Neófytos, der von den Gläubigen als eine besondere Reliquie verehrt wird. Er wird in einer silbernen, pyramidenförmigen Lade aufbewahrt.

Heute leben nur noch wenige Mönche hier. In der Osterwoche ziehen große Pilgerscharen um das Kloster, um an der österlichen Liturgie teilzunehmen. Die Teilnahme an den Osterfeierlichkeiten gerade hier soll Glück bringen.

Klostermuseum

Öffnungszeiten wie die des Klosters. Es besteht aus einer sakralen Abteilung mit Ikonen, liturgischen Geräten und Priestergewändern aus der Zeit vom 12. bis zum 19. Jh. (unter anderem einem Holzkreuz, das aus der Einsiedelei des Neófytos stammen soll) und einer nichtkirchlichen Abteilung mit Gefäßen hauptsächlich aus der geometrischen Periode sowie Landkarten Zyperns aus verschiedenen Jahrhunderten. Wenn man die Frankfurter Landkarte aus dem Jahr 1719 mit anderen Landkarten vergleicht, so stellt man fest, dass die Frankfurter Karte erheblich schlechter als viele frühere Landkarten war!



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