Kloster Agios Ioannis Lampadistis in Kalopanagiotis

Das Kloster Agios Ioannis Lampadistis liegt in Kalopanagiotis im Marathasa-Tal des Troodos-Gebirges und gehört zum UNESCO-Welterbe. Drei zusammengebaute Kirchen tragen Wandmalereien vom 11. bis ins 15. Jahrhundert: das Katholikon des heiligen Herakleidios, die Kapelle des Johannes Lampadistis und die Kapelle des Akathistos-Hymnos.

Schnellfakten Agios Ioannis Lampadistis

LageKalopanagiotis, Marathasa-Tal, Troodos-Gebirge, Bezirk Nikosia
StatusTeil des UNESCO-Welterbes „Bemalte Kirchen im Troodos-Gebirge“
HauptkircheKatholikon des heiligen Herakleidios, 11. Jahrhundert, Kreuzkuppelkirche
SeitenkapellenJohannes-Lampadistis-Kapelle und Kapelle des Akathistos-Hymnos (früher „Lateinische Kapelle“)
MalereiSchichten aus dem 13. und dem frühen 15. Jahrhundert, italienisch geprägte Bilder in der Akathistos-Kapelle
Klostergebäudezwei zweigeschossige Trakte, Inschrift von 1782 an Konsistorium und Priorat
In der Nähevenezianische Steinbrücke aus dem 16. Jahrhundert, Schwefelquellen, Wassermühle
Kloster Agios Ioannis Lampadistis in Kalopanagiotis mit steinernem Kirchendach

Kloster Agios Ioannis Lampadistis in Kalopanagiotis mit steinernem Kirchendach

Wo liegt das Kloster Agios Ioannis Lampadistis?

Das Kloster steht im Dorf Kalopanagiotis, im Marathasa-Tal des Bezirks Nikosia. Das Dorf liegt im Troodos-Gebirge und ist für seine Schwefelquellen, seine traditionelle Architektur und die Ausblicke über das Tal bekannt. Kopfsteingepflasterte Gassen und Fußwege führen zu alten Kapellen und Kirchen und weiter auf Naturpfade. Wer die Region Troodos abseits der großen Ziele erleben will, findet hier einen ruhigen Ort mitten im Grün.

Zum Kloster gehört eine kleine Steinbrücke über den Bach: die venezianische Brücke aus dem 16. Jahrhundert, gebaut aus Stein der Umgebung. Sie war lange der einzige Zugang zwischen Dorf und Kloster. Ganz in der Nähe steht außerdem die Wassermühle von Kykko, die von der Altertümerverwaltung zum Kulturdenkmal erklärt wurde und die vorindustrielle Baukunst der Gegend zeigt. Das Kloster ist Teil der zehn Kirchen, die die UNESCO unter dem Namen Bemalte Kirchen im Troodos-Gebirge als Welterbe führt.

Wie ist die Klosteranlage aufgebaut?

Das Kloster besteht aus zwei getrennten, zweigeschossigen Gebäuden. Die Räume im Erdgeschoss liegen halb unter der Erde, die beiden Flügel sind in verschiedenen Zeiten entstanden. Im Südflügel befanden sich der Backofen und die Vorratsräume des Klosters. Davor lag eine Vorhalle, die vor Regen und Sturm schützte. Der Haupteingang lag westlich der Bäckerei.

Im Ostflügel liegen vier Räume im Erdgeschoss. Einer davon war die Weinpresse, ein anderer die Ölpresse, und damit erzählt schon der Grundriss vom Alltag eines Klosters, das sich selbst versorgte. Im Obergeschoss lagen ein Schulraum, der Speisesaal, die Zellen der Mönche, das Konsistorium und das Priorat. Nur Konsistorium und Priorat sind durch eine Inschrift datiert: Sie tragen die Jahreszahl 1782. Die ältesten Bauteile bilden den Nordflügel, in dem die Kirche mit ihren beiden Kapellen steht.

Alle drei Kirchenräume liegen unter einem gemeinsamen zusätzlichen Holzdach mit flachen Ziegeln, das auf höherer Ebene über die Dächer der Hauptkirche und der beiden Kapellen gezogen ist. Solche Schutzdächer kennst du aus der Berggegend, in der Scheunendachkirchen verbreitet sind.

Steinbrücke über einen Bach im Marathasa-Tal bei Kalopanagiotis

Was macht das Katholikon des heiligen Herakleidios aus?

Die Hauptkirche, das Katholikon, ist dem heiligen Herakleidios geweiht und stammt aus dem 11. Jahrhundert. Sie ist eine Kreuzkuppelkirche, ein Bautyp, der auf Zypern im 11. und 12. Jahrhundert verbreitet war: Vier Pfeiler und die Wände tragen die Gewölbe, auf denen der Tambour der Kuppel ruht. Im Tambour der Kuppel ist Christus Pantokrator dargestellt.

Die Kirche hat im Lauf der Jahrhunderte ihre Gestalt verändert. Die Nordwand ist fast vollständig zerstört, an ihrer Stelle öffnet sich ein Bogen zu den Nachbarräumen. In die Südwand wurde später eine Tür gebrochen, wodurch der untere Teil eines dreipassförmigen Fensters verloren ging; das heutige Rechteckfenster ersetzt es. Ursprünglich hatte die Kirche drei Eingänge, einen im Süden, einen im Norden und einen im Westen. Der größte lag in der Mitte der Westwand und war der eigentliche Haupteingang. Die Hauptkirche wurde ohne Narthex gebaut; die Vorhalle kam später hinzu, als die Kapelle des Johannes Lampadistis wieder aufgebaut wurde.

Die Wandmalerei der Hauptkirche ging in ihrer ersten Fassung verloren. Nur ein sehr kleiner Teil im Bema, dem Altarraum, blieb erhalten: Er zeigt zwei Mönche, die kniend um Fürbitte bitten. Im 13. Jahrhundert wurden große Teile des Katholikons neu bemalt, und aus dieser Schicht ist noch einiges erhalten. Dazu gehören die Malereien im Tambour, in den Pendentifs, an den West- und Ostpfeilern, im West- und im Südgewölbe und im mittleren Teil der Westwand.

Welche Bilder zeigen die Malereien des 13. Jahrhunderts?

Rund um den Pantokrator im Tambour läuft ein Streifen mit der Bereitung des Thrones, dem Symbol des Jüngsten Gerichts, über dem Ostfenster. Über dem Westfenster ist ein Cherub zu sehen, dazu kommen acht betende Engel, die sich dem Thron nähern. Zwischen den Fenstern des Tambours stehen in Dreiergruppen zwölf Propheten: David, Salomo, Jeremia, Elias, Aaron, Habakuk, Elisa, Zacharias, Daniel, Hesekiel, Jona und Jesaja. In den vier Pendentifs sind die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes dargestellt.

Das Westgewölbe zeigt im südlichen Teil die Auferweckung des Lazarus und darunter das Opfer Abrahams, im nördlichen Teil den Einzug in Jerusalem. In der unteren Zone der Westwand folgt die Kreuzigung, darunter steht überlebensgroß der Erzengel Michael nördlich des Westeingangs. Das Südgewölbe trägt die Himmelfahrt Christi mit der Bereitung des Thrones. An den Pfeilern begegnest du einer ganzen Galerie von Heiligen, darunter Andronikos und Anastasia, Symeon der Stylit und der Namenspatron Herakleidios. Die Heilige Paraskevi ist mit einem Medaillon abgebildet, das die tiefe Erniedrigung Christi zeigt und den Karfreitag verkörpert. Die Heilige Kyriaki steht für den Ostersonntag.

Stilistisch verbinden diese Malereien Elemente der komnenischen Kunst mit volkstümlichen Zügen. Die Farben sind kräftig. So zeigt das Katholikon, dass die Ausstattung kleiner Dorfkirchen auf Zypern schon um 1200 beachtliche Qualität erreichte.

Was zeigen die Wandbilder aus dem frühen 15. Jahrhundert?

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde ein großer Teil des Katholikons erneut bemalt. Im Ostgewölbe stehen acht Szenen aus dem Leben Christi: die Verkündigung an Maria, die Geburt Christi, die Anbetung der Könige, die Darbringung im Tempel, die Jünger mit dem Esel, der Einzug in Jerusalem, Maria, die Schwester des Lazarus, die Christus begrüßt, und die Auferweckung des Lazarus. Die Taufe fehlt in dieser Reihe, obwohl sie sonst zu den wichtigen Szenen zählt.

Das Nordgewölbe zeigt den Passionszyklus mit acht Bildern: Christus vor Hannas und Kaiphas, vor Pilatus, die Verspottung, der Kreuzweg, die Kreuzigung, die Grablegung, die Auferstehung als Hadesfahrt und die drei Frauen am Grab. Im südwestlichen Gewölbefeld setzt sich die Passion fort, vom Abendmahl über die Fußwaschung, das Gebet in Gethsemane, den Verrat und die Verleugnung des Petrus bis zu Pilatus, der sich die Hände wäscht. Im nordwestlichen Feld erscheint Christus den Aposteln, dort ist auch der zweifelnde Thomas dargestellt, an der Westwand die Verklärung.

In der Apsis hält die Gottesmutter ein Medaillon mit dem Christuskind vor der Brust. Rechts und links stehen die Erzengel Gabriel und Michael, darunter sechs amtierende Kirchenväter. An den Bögen und Wänden des Ostraums sind insgesamt 70 Apostel und Bischöfe abgebildet. Die Nordseite bewahrt Reste der Entschlafung Mariens und einer Fürbitte. Wer die Bilder von unten nach oben liest, sieht eine ganze Bibel in Bildern, wie sie die Gläubigen der Gegend über Jahrhunderte vor Augen hatten.

Was erzählen Kapelle und Vorhalle?

An der Ostwand der Kapelle des Johannes Lampadistis blieben zwei Malschichten im Stil des 12. Jahrhunderts erhalten, die das Leben des Heiligen erzählen. Die Vorhalle zeigt Wandbilder, deren Maler nach einer Inschrift über der Südtür aus Konstantinopel kam. Auf der südlichen Hälfte der Ostwand ist das Jüngste Gericht dargestellt. Oben erscheinen der Stifter und seine Familie in einem eigenen Rahmen. Im Blindbogen über dem Eingang der Vorhalle steht der heilige Herakleidios, über dem Bogen sind das Schweißtuch und die Heilung des Blinden zu sehen.

Der nördliche Teil der Ostwand gliedert sich in drei Zonen. In den beiden oberen Zonen sind Wunder Christi dargestellt, etwa die Begegnung mit der Samariterin, die Heilung eines Gelähmten und eines Wassersüchtigen, in der mittleren Zone der Gang von Petrus und Johannes zum leeren Grab, Maria Magdalena, der zweifelnde Thomas und der wundersame Fischzug. Über der Südtür sind die drei Jünglinge im Feuerofen und Daniel in der Löwengrube zu sehen, die untere Zone zeigt Heilige wie Christophorus, der das Christuskind trägt, und Konstantin und Helena mit dem Kreuz. Die Nordwand zeigt die Hochzeit zu Kana, die Frauen am leeren Grab und die Auferstehungsbotschaft, darunter den heiligen Onufrios.

Gepflasterte Gasse mit Steinhäusern in einem Dorf im Troodos-Gebirge

Warum ist die Kapelle des Akathistos-Hymnos so besonders?

Die nördlichste Kapelle wurde ursprünglich Lateinische Kapelle genannt, später Kapelle des Akathistos-Hymnos, obwohl dieser Hymnus nie in die römisch-katholische Messe aufgenommen wurde. Ihr Wandschmuck folgt dem italienischen Stil des 15. Jahrhunderts, und die Maler versuchten, den Figuren eine dritte Dimension zu geben. Im Gewölbe stehen die zwölf Apostel in Vierpässen, im Ostteil Matthäus, Johannes, Simon, Jakobus, Lukas und Markus mit Cherubim im Hintergrund, im Westteil Petrus, Paulus, Philippus, Bartholomäus und Andreas. Auf den Bogen folgen Heilige in Medaillons und darunter das Schweißtuch und die Heilige Kachel.

Am oberen Teil der Ostwand ist die Gastfreundschaft Abrahams dargestellt, darunter die thronende Gottesmutter, an den Seiten zwei Szenen mit Mose. Die Westwand trägt die berühmte Wurzel Jesse. Die übrigen Malereien bestehen aus 24 Bildern, den Strophen des Akathistos-Hymnos, die vom Leben der Gottesmutter erzählen. Der Hymnus entstand im Jahr 626 n. Chr., nachdem Konstantinopel die Belagerung durch Awaren und Perser überstanden hatte. Sein Name bedeutet, dass die Gläubigen ihn im Stehen singen. In der griechisch-orthodoxen Liturgie wird er an den ersten vier Freitagen der vierzigtägigen Fastenzeit in je sechs Strophen gesungen, am fünften Freitag vollständig.

Welche Ikonen und Reliquien bewahrt das Kloster?

Die Ikonostase des Katholikons trägt Ikonen des heiligen Herakleidios mit dem Stifter am linken unteren Rand und des Erzengels Michael, umgeben von sechs weiteren Erzengeln. Die geschnitzte Holzikonostase der Johannes-Kapelle ist von einem Kreuz mit den Symbolen der Evangelisten bekrönt; darunter hängen Ikonen der Gottesmutter und des Evangelisten Johannes, in der oberen Reihe die Festtagsbilder des Dodekaorton von der Verkündigung bis zu Pfingsten. Auf den Königlichen Türen segnet Christus, darunter ist die Verkündigung abgebildet, daneben stehen Gregor der Theologe, Johannes Chrysostomos, Basilius und Nikolaus.

Auf einem Betpult steht die Ikone des heiligen Johannes Lampadistis aus dem 13. Jahrhundert. Im Rahmen des Originals sind Szenen aus seinem Leben gemalt. Oben in der Mitte ist die Dreifaltigkeit zu sehen, darunter die Gottesmutter und Johannes der Täufer, noch weiter unten die Stifter, an den Enden Spyridon und Epiphanios. Die Reliquien des Heiligen liegen in einem Schrein an der Stelle, an der die Johannes-Kapelle mit der Akathistos-Kapelle verbunden ist. Auf der Vorderseite ist Erzbischof Nikephoros von Zypern als Stifter des Reliquiars dargestellt. Im Raum der alten Schule, in einem getrennten Gebäude, hängen Ikonen aus dem 13. bis 18. Jahrhundert aus den Kirchen des Dorfes: Gottesmutter Hodegetria, Johannes Lampadistis, Christus Pantokrator, Gottesmutter Glykophilousa, Erzengel Michael, Stephanos und Epiphanios. Sehr gut erhalten sind außerdem Epistyle der Palaiologenzeit, was in der ganzen byzantinischen Welt selten ist.

Wie planst du den Besuch in Kalopanagiotis?

Plane für die drei Kirchenräume ruhig eine Stunde ein, denn die Bilder erschließen sich erst, wenn du sie Zone für Zone liest. Am bequemsten erreichst du das Marathasa-Tal mit dem Mietwagen. Im Dorf lohnt ein Spaziergang über die venezianische Brücke und zur Wassermühle. Wer mehr Kirchen im Gebirge sehen möchte, kombiniert den Besuch mit dem Kloster Kykko, der Panagia Chrysorrogiatissa oder den Dörfern Kakopetria und Omodos.

Öffnungszeiten ändern sich; erfrage sie vor der Fahrt bei der Gemeinde oder beim Fremdenverkehrsamt. Zwei weitere bemalte Kirchen der Region beschreiben wir auf eigenen Seiten: die Panagia tou Moutoulla mit dem genau datierten Bilderzyklus von 1280 und die Heilig-Kreuz-Kirche von Platanistasa aus dem Jahr 1494.

Häufige Fragen zum Kloster Agios Ioannis Lampadistis

Wo liegt das Kloster?

In Kalopanagiotis im Marathasa-Tal des Troodos-Gebirges, im Bezirk Nikosia.

Gehört das Kloster zum UNESCO-Welterbe?

Ja, es ist eine der zehn Kirchen der Bemalten Kirchen im Troodos-Gebirge.

Welche Kirchen gehören zum Kloster?

Das Katholikon des heiligen Herakleidios, die Kapelle des Johannes Lampadistis und die Kapelle des Akathistos-Hymnos.

Aus welcher Zeit stammt die Hauptkirche?

Aus dem 11. Jahrhundert; sie ist eine Kreuzkuppelkirche mit dem Pantokrator in der Kuppel.

Was zeigt die Akathistos-Kapelle?

24 Bilder zu den Strophen des Akathistos-Hymnos im italienisch geprägten Stil des 15. Jahrhunderts, dazu die Wurzel Jesse und die zwölf Apostel.

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