Heilig-Kreuz-Kirche von Platanistasa im Troodos

Die Heilig-Kreuz-Kirche von Agiasmati in Platanistasa gehört zum UNESCO-Welterbe der Bemalten Kirchen im Troodos-Gebirge. Der Maler Philippos Goul vollendete die Wandbilder im Jahr 1494. Sie verbinden byzantinische Kunst, volkstümliche Malerei und westliche Einflüsse, dazu kommt ein seltener Zyklus zur Auffindung und Erhöhung des Kreuzes.

Schnellfakten Heilig-Kreuz-Kirche Platanistasa

LagePlatanistasa, Troodos-Gebirge
Wandbilder1494, Maler Philippos Goul (Inschrift über dem Südeingang)
StatusTeil des UNESCO-Welterbes „Bemalte Kirchen im Troodos-Gebirge“
Bauformeinschiffig, Vorhalle auf allen vier Seiten, Doppeldach mit geschnitzten Balken
Eingängedrei: Nord, Süd, West
Seltenes ThemaAuffindung und Erhöhung des Heiligen Kreuzes in zehn Szenen
FrüherKirche eines Klosters zum Heiligen Kreuz, Reste der Zellen an der Südseite
Heilig-Kreuz-Kirche von Platanistasa mit Holzdach in den Bergen

Heilig-Kreuz-Kirche von Platanistasa mit Holzdach in den Bergen

Was ist die Heilig-Kreuz-Kirche von Platanistasa?

Die Kirche des Heiligen Kreuzes von Agiasmati steht im Dorf Platanistasa im Troodos-Gebirge und ist eine der zehn Kirchen des UNESCO-Welterbes Bemalte Kirchen im Troodos-Gebirge. Sie war früher Teil eines Klosters, das dem Heiligen Kreuz geweiht war; das geht aus einer Inschrift über dem Südeingang hervor. An der Südseite stehen noch die Ruinen der Klosterzellen. Wann das Kloster aufgegeben wurde, ist nicht überliefert.

Die Wandmalereien wurden 1494 vollendet. Die Inschrift über dem Südeingang verzeichnet den Maler Philippos Goul und die Namen der Stifter. Die Stifter sind auch im Bild zu sehen: Auf einem Gemälde an der Außenseite der Südwand bringen sie die von ihnen errichtete Kirche Christus dar. Die Bilder verbinden byzantinische Kunst mit volkstümlicher Malerei und zeigen viele Züge, die aus dem Westen kamen. Wer an der Kirche steht, erlebt damit einen Moment, in dem die Gebirgsmalerei Zyperns unter venezianischer Herrschaft neue Anregungen aufnahm.

Wie ist die Kirche gebaut?

Die Kirche hat nur ein Schiff und ist auf allen vier Seiten von einer Vorhalle umgeben. Es gibt drei Eingänge, einen im Norden, einen im Süden und einen im Westen. Im Hauptraum fällt das Licht nur durch vier Fenster: drei in der Apsis des Altarraums und eines an der Ostwand.

Das Dach besteht aus zwei Schichten, einem inneren und einem äußeren Dach. Die Innenseite des Daches ist reich verziert und geschnitzt, an den Stellen, an denen sich die Balken treffen, in Form von Kreuzen. Der Altar ist aus Holz geschnitzt und vergoldet, die Dachbalken tragen ebenfalls Schmuck. Wer die Kirche betritt, findet also nicht nur Bilder, sondern auch ein Stück Handwerkskunst. Mehr über diesen Kirchentyp erfährst du bei den Scheunendachkirchen im Gebirge.

Die Ikonostase aus Holz ist geschnitzt und vergoldet. Sie stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts und trägt Ikonen von Johannes dem Täufer, der Gottesmutter, Christus, die sich in Evrychou befindet, und Johannes dem Theologen, die im Byzantinischen Museum in Nikosia zu sehen ist. In der oberen Reihe sind elf Bischöfe in Medaillons gemalt. Auf den Königlichen Türen erscheinen Christus, die Verkündigung und drei Bischöfe. Mehr zu solchen Sammlungen findest du im Byzantinischen Ikonen-Museum.

Geschnitzte Holzbalken unter dem Dach einer Gebirgskirche

Was zeigt der Altarraum?

In der Apsis steht die Gottesmutter in ganzer Gestalt in einem Medaillon, mit dem segnenden Christus vor der Brust. Rechts und links sind die Erzengel Michael und Gabriel gemalt. Im oberen Teil der Apsis ist die Kommunion der Apostel dargestellt. In der Mitte thront Christus vor dem Altar, der mit einem Gewebe aus der Gegend gedeckt ist, von beiden Seiten nähern sich die Jünger. Darunter stehen acht zypriotische Bischöfe.

Im dreieckigen Giebel der Ostseite ist Christus als König der Herrlichkeit zu sehen, darunter die Verkündigung an Maria. Rechts und links der Apsis künden Propheten das Kommen Christi an. Links über der Prothesis siehst du den heiligen Stephanus und die tiefe Erniedrigung Christi in einer Nische. Im Bema selbst stehen in der oberen Zone der Nordwand Hymnendichter, darunter Jakobus, der Bischof Petrus von Alexandria mit Christus, das Opfer Abrahams und Andreas von Kreta. An der Südwand folgen Heilige und darunter zypriotische Bischöfe.

Wie erzählt das Schiff das Leben Marias und Christi?

Das Schiff ist in zwei Zonen gegliedert. Oben läuft das Bildprogramm von Gottesmutter und Christus, unten stehen Heilige, Soldatenheilige, Apostel und Mönche. Von Süd nach Nord schließt der Zyklus des Neuen Testaments mit den vier Evangelisten ab. An der Südwand folgen auf Matthäus und Lukas die Geburt Marias und ihre Darbringung im Tempel, bei der ihre Eltern sie begleiten und im Hintergrund Jerusalem zu sehen ist. Ein Engel bringt der jungen Maria Brot. Danach kommen die Geburt Christi, die Darbringung im Tempel, die Taufe, die Auferweckung des Lazarus, der Einzug in Jerusalem und die Verklärung. Bei der Verklärung fallen die Berglandschaft und die erdigen Farben auf.

Die Geburt Christi ist vollständig erhalten. Die Weisen tragen viele westliche Merkmale. Die flötespielenden Hirten sind das früheste Beispiel monumentaler byzantinischer Malerei, das an die westliche Kunst erinnert. Das Abendmahl ist mit Tiefe und Perspektive gemalt: Christus und die Jünger sitzen um einen runden Tisch, ihre Namen sind über den Köpfen eingeschrieben.

In der oberen Zone der Westwand folgen unter der Kreuzigung das Abendmahl, die Fußwaschung, das Gebet in Gethsemane, der Verrat und Christus vor den Hohepriestern, wo ein Diener die Hand zum Schlag erhebt. Beim Verrat drängen sich Jünger und Soldaten um Christus. Im Giebel der Westwand über dem Eingang vom Narthex ist die Kreuzigung zusammen mit der Dreifaltigkeit dargestellt. Sonne und Mond erscheinen in Medaillons, vier Engel um das Kreuz erinnern an Bilder der Renaissance, im Hintergrund erhebt sich die reich verzierte Mauer Jerusalems. Die Passion setzt sich an der Nordwand fort mit der Verleugnung des Petrus, Pilatus, der sich die Hände wäscht, und der Verspottung, einer Szene mit vielen Figuren, in der Menschen Instrumente spielen. Es folgen die Beweinung, der zweifelnde Thomas, die Himmelfahrt, Pfingsten und die Entschlafung Mariens.

Welche Soldatenheiligen und Mönche sind zu sehen?

In der Zone darunter reiten neben dem Westeingang zwei Soldatenheilige: Mamas auf einem Löwen und Georg auf einem Pferd. Mamas auf einem Löwen mit menschlichem Gesicht ist ein beliebtes Motiv der mittelalterlichen Malerei Zyperns. Daneben stehen auf beiden Seiten Heilige mit Schriftrollen, auf denen Gebete und fromme Inschriften stehen.

Die Entschlafung Mariens ist ebenfalls eine Szene mit vielen Personen: Christus hält die Seele seiner Mutter in den Händen, oben rechts weinen zwei Frauen auf einem gemalten Balkon, unten schlägt ein Engel die Hände eines Mannes ab, der die Bahre umstoßen wollte. An der Südwand beten Johannes der Täufer und die Gottesmutter einander gegenüber. Christus, die Gottesmutter und der Täufer sind nicht nebeneinander dargestellt, sondern auf drei Seiten der Kirche verteilt: Sie umgeben die Gläubigen während Messe und Gebet. Über dem Täufer sind Zacharias und Elisabeth gemalt, über der Gottesmutter Joachim und Anna.

Im Blindbogen der Südwand dominiert der mächtige Erzengel Michael. An den Rändern stehen Kosmas und Damian, im Inneren des Bogens die Märtyrer Artemios, Tryphon und Menas in Medaillons. Darunter ist Michael zweimal dargestellt: Er lenkt das Wasser eines Flusses von seiner Kirche ab, und er erscheint mit Josua. In den Zwickeln darunter stehen Maria von Ägypten und Abt Zosimas. In der unteren Zone gegenüber stehen Paulus und Petrus, neben dem Südeingang zwei Säulenheilige, die ihr Leben auf einer Säule verbrachten.

Auf der Südwand sind sieben Asketen und der Soldatenheilige Demetrios gemalt. Die Reihe beginnt östlich des Südeingangs mit Antonius, dem Begründer des Mönchtums in Ägypten, dann folgen Theodosios, Arsenios, Kyriakos, Onufrios und Hilarion. Auf den Seitenwänden des Westeingangs stehen die Mönche Sozomenos und Andronikos. Die untere Zone der Nordwand beginnt mit Theodor, der Demetrios gegenüberliegt, und setzt sich mit Stephanus, Johannes, Sabas und Euthymios fort. Neben dem Nordeingang stehen Nikolaus und die Apostel Andreas und Petrus.

Trockenmauer und Reste von Klosterzellen am Hang im Troodos-Gebirge

Warum ist der Kreuzzyklus so selten?

Im Blindbogen der Nordwand sind die Auffindung und die Erhöhung des Heiligen Kreuzes abgebildet, ein Thema, das aus dem Westen kam und in der byzantinischen Ikonographie selten ist. Unter dem Bogen erzählen zehn Bilder in drei Zonen, wie Helena das Kreuz fand. Sie kommt nach Jerusalem und sucht den Juden Judas, dessen Vorfahren den Ort des Kreuzes kannten. Sie verhört ihn, er verrät den Ort nicht und wird drei Tage in einen Brunnen geworfen. Nach seiner Freilassung betet er auf Golgatha. Dann werden die drei Kreuze ausgegraben, die Christi und die der beiden Räuber. Um das echte Kreuz zu erkennen, legt Judas es auf eine sterbende Frau, die sich erhebt. Judas wird Christ, zum Bischof von Jerusalem geweiht und heißt fortan Kyriakos.

Im oberen Teil des Bogens zeigen sechs Szenen die Erhöhung des Kreuzes: den Einzug Konstantins des Großen in Rom, seine Vision am Himmel mit den Worten „In diesem Zeichen siege“ und zuletzt die Erhöhung des Kreuzes in den Himmel durch zwei Engel. An den Rändern des inneren Bogens stehen Panteleimon und Johannes Lampadistis, dessen Kloster du in Kalopanagiotis besuchen kannst.

Was zeigen die Außenwände der Vorhalle?

Auch in der Vorhalle blieben Malereien an den Außenseiten der West- und Südwand erhalten, und auch sie stammen von Philippos Goul. Im Bogenfeld über dem Westeingang ist die Hadesfahrt dargestellt, im Inneren des Bogens sind verschiedene Apostel gemalt. In der unteren Zone stehen Barbara, Paraskevi und Marina. Neben dem Eingang sieht man die Gottesmutter, darunter Christus mit einem Evangelium, rechts Konstantin und Helena.

Das Jüngste Gericht in der oberen Zone ist eindrucksvoll. Christus ist von Cherubim und Seraphim umgeben, von der Gottesmutter und Johannes dem Täufer. Unter Christus steht die Bereitung des Thrones, darunter Apostel und Engel sowie die Auferstehung der Toten. Unten rechts sieht man Märtyrer, die in die Hölle gebracht werden. Gegenüber der Hölle liegt das Paradies, das Petrus bewacht. Im Blindbogen über dem Südeingang erscheint die Gottesmutter mit dem Christuskind, umgeben von Erzengeln und Propheten.

Wie fügt sich die Kirche in eine Troodos-Rundfahrt?

Platanistasa lässt sich gut mit anderen Welterbe-Kirchen verbinden. Die Panagia tou Moutoulla zeigt die genau datierte Malerei von 1280, das Kloster Agios Ioannis Lampadistis mehrere Malschichten vom 13. bis ins 15. Jahrhundert. Zusammen ergeben die drei Kirchen einen Überblick über mehr als zweihundert Jahre Gebirgsmalerei. Für die Fahrt durch das Gebirge empfiehlt sich der Mietwagen; Wanderer finden Anregungen bei den Wanderwegen im Troodos.

Wer sich vor dem Besuch einlesen will, schaut sich den Überblick zur Region Troodos an. Öffnungszeiten ändern sich; erfrage sie vor der Fahrt bei der Gemeinde oder beim Fremdenverkehrsamt.

Häufige Fragen zur Heilig-Kreuz-Kirche von Platanistasa

Wann entstanden die Wandbilder?

Sie wurden 1494 vollendet. Der Maler Philippos Goul steht in der Inschrift über dem Südeingang.

Gehört die Kirche zum UNESCO-Welterbe?

Ja, sie ist eine der zehn Bemalten Kirchen im Troodos-Gebirge.

Was ist das Besondere am Bildprogramm?

Der Zyklus zur Auffindung und Erhöhung des Heiligen Kreuzes in zehn Szenen, ein seltenes Thema der byzantinischen Kunst.

Gehörte die Kirche zu einem Kloster?

Ja, sie war Teil eines Klosters zum Heiligen Kreuz. An der Südseite stehen noch die Ruinen der Zellen.

Wo sind die Originalikonen der Ikonostase?

Die Ikone Johannes des Theologen ist im Byzantinischen Museum in Nikosia, die Christusikone in Evrychou.

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