Byzantinisches Ikonen-Museum

Das Byzantinische Museum – oft schlicht Ikonen-Museum genannt – in Nikosia bewahrt die bedeutendste Sammlung byzantinischer Ikonen Zyperns: über 100 Werke vom 8. bis 18. Jahrhundert sowie frühchristliche Mosaike. Es liegt im Erzbischöflichen Palast und erzählt zugleich die bewegte Geschichte der geteilten Insel.

Auf einen Blick

  • Lage: Seitentrakt des Erzbischöflichen Palasts, Altstadt von Nikosia (Lefkosia)
  • Sammlung: über 100 zyprische Ikonen (8.–18. Jh.) und sechs frühchristliche Mosaike (5./6. Jh.)
  • Highlight: die zurückgegebenen Kanakaria-Mosaike und eine seltene Ikone in enkaustischer Technik
  • Öffnungszeiten: i. d. R. Mo.–Fr. 8–16.30 Uhr, Sa. 9–13 Uhr (vorab prüfen)
  • Träger: Kulturstiftung des Erzbischofs Makarios III.
  • Dauer: etwa 1 bis 1,5 Stunden

Was ist das Byzantinische Museum in Nikosia?

Das Byzantinische Museum ist das bedeutendste Kunstmuseum Zyperns für sakrale byzantinische Kunst und in einem Seitenflügel des Erzbischöflichen Palasts in der Altstadt von Nikosia untergebracht. Getragen wird es von der Kulturstiftung des Erzbischofs Makarios III., die das geistliche und künstlerische Erbe der autokephalen orthodoxen Kirche Zyperns bewahrt. In mehreren Sälen sind über hundert Ikonen sowie eine kleine, aber herausragende Gruppe früher Mosaike ausgestellt – ein konzentrierter Überblick über mehr als tausend Jahre christlicher Kunst auf der Insel.

Für viele Besucher ist das Museum der ideale Einstieg, um die orthodoxe Bildwelt zu verstehen, bevor sie die zahlreichen Klöster und Bergkirchen des Landes erkunden. Wer sich für die religiöse Kunst Zyperns interessiert, findet hier den roten Faden – von den ältesten erhaltenen Tafeln bis zu den prächtigen, golden schimmernden Ikonen der osmanischen Zeit. Mehr zum Thema bündelt unsere Übersicht zu den zyprischen Ikonen.

Welche Ikonen und Mosaike sind zu sehen?

Den Kern der Sammlung bilden Ikonen vom 8. bis ins 18. Jahrhundert. Die älteste stammt aus dem 8. Jahrhundert und wurde in der seltenen enkaustischen Technik gemalt: Dabei dient erhitztes Bienenwachs als Bindemittel für die Farbpigmente, nicht das später übliche Eitempera. Diese Maltechnik reicht bis in die Antike zurück und macht die frühen Tafeln zu besonderen Zeugnissen, da nur wenige enkaustische Ikonen weltweit erhalten geblieben sind.

In den weiteren Sälen entfaltet sich die Entwicklung der Ikonenmalerei über die Jahrhunderte: strenge, frontale Heiligenbilder der mittelbyzantinischen Zeit, ausdrucksstarke Darstellungen von Christus Pantokrator und der Gottesmutter (Theotokos) sowie reich vergoldete Werke aus der Zeit unter venezianischer und osmanischer Herrschaft. Ergänzt wird die Schau durch liturgische Geräte, Gewänder und Handschriften. Ein eigener Saal ist den sechs frühchristlichen Mosaiken aus dem 5. bis 6. Jahrhundert gewidmet, die zu den kostbarsten Stücken des Hauses zählen.

Thematisch spannt die Sammlung einen weiten Bogen: Neben Christus- und Marienikonen finden sich Darstellungen vielverehrter Heiliger sowie großformatige Tafeln, die einst die Ikonostasen zyprischer Kirchen schmückten. Besonders aufschlussreich ist der direkte Vergleich der Epochen – wie sich Gesichter, Gewandfalten und Goldgründe über die Jahrhunderte wandelten, vom strengen byzantinischen Kanon bis zu Einflüssen der italienischen Malerei in venezianischer Zeit. Viele Stücke stammen aus Kirchen und Klöstern der ganzen Insel und wurden hier zusammengeführt, um sie dauerhaft zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Gebäude: der Erzbischöfliche Palast

Das Museum ist Teil eines repräsentativen Ensembles im Herzen der Altstadt. Der Erzbischöfliche Palast wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren im neobyzantinischen Stil errichtet und ist Sitz des Oberhaupts der orthodoxen Kirche Zyperns. Mit seinen Rundbögen, Loggien und dem warmen Sandstein wirkt er älter, als er ist – ein bewusstes Bekenntnis zur byzantinischen Tradition der Insel.

Auf dem Vorplatz erinnerte lange eine monumentale Statue von Erzbischof und Staatspräsident Makarios III. an die enge Verbindung von Kirche und jungem Staat; sie wurde später zum Kloster Kykkos versetzt und am Palast durch eine kleinere Büste ersetzt. Zum Komplex gehören neben dem Byzantinischen Museum auch die mit Fresken und einer kunstvoll geschnitzten Ikonostase reich ausgestattete Johanneskathedrale sowie ein Museum für Volkskunst im Alten Erzbistum. So lassen sich Kunst, Glaube und Geschichte Zyperns an einem einzigen Ort erleben.

Die Kanakaria-Mosaike: ein spektakulärer Kunstraub-Fall

Die Mosaike stammen ursprünglich aus der Kirche Panagia Kanakaria auf der Karpaz-Halbinsel im türkisch besetzten Norden der Insel. Nach der Teilung Zyperns 1974 wurden sie aus der Kirche herausgebrochen und außer Landes geschmuggelt. Jahre später tauchten Teile auf dem internationalen Kunstmarkt wieder auf, wo eine US-Kunsthändlerin sie erwarb und weiterverkaufen wollte.

Die Kirche Zyperns klagte vor einem amerikanischen Gericht auf Herausgabe – und gewann. Das Urteil gilt bis heute als wegweisender Präzedenzfall im internationalen Kulturgüterschutz: Es bekräftigte, dass im Krieg oder bei Besatzung geraubte Sakralkunst an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben ist. Die Mosaike kehrten nach Zypern zurück und sind heute im Byzantinischen Museum zu sehen – ein stiller, aber eindringlicher Beleg für die Folgen der türkischen Besetzung des Nordens.

Warum hat das Museum eine politische Bedeutung?

Das Byzantinische Museum ist mehr als eine Kunstsammlung. Es unterstreicht die byzantinische, griechisch-orthodoxe Tradition des zyprischen Griechentums und damit die kulturelle Kontinuität, die durch die Teilung der Insel bedroht ist. Viele der ausgestellten Werke wurden aus Kirchen im Norden gerettet oder nach Plünderungen zurückgeholt; zahllose weitere gelten bis heute als verschollen.

So wird ein Rundgang durch die Säle auch zu einer Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte Zyperns. Die Ikonen erzählen nicht nur von Glauben und Frömmigkeit, sondern auch vom Verlust kulturellen Erbes – und vom Bemühen, es zu bewahren und zurückzugewinnen. Diese Doppelbödigkeit macht den Besuch für viele Reisende besonders eindrücklich.

Wie liest man eine byzantinische Ikone?

Ikonen sind keine Gemälde im westlichen Sinn, sondern „Fenster zum Heiligen“. Ihre Bildsprache folgt festen Regeln: Der Goldgrund steht für das göttliche, zeitlose Licht; Figuren werden frontal und ohne realistische Räumlichkeit dargestellt, damit der Betrachter ihnen direkt begegnet. Farben sind symbolisch – Rot für das Göttliche und das Königliche, Blau für das Menschliche, Weiß für Reinheit und Auferstehung.

Wiederkehrende Bildtypen helfen beim Erkennen: Christus als Pantokrator (Allherrscher) mit Buch und Segensgestus, die Gottesmutter mit dem Christuskind in verschiedenen Typen (etwa Hodegetria oder Eleousa) sowie Heilige mit ihren typischen Attributen. Wer diese Grundzüge kennt, entdeckt im Museum schnell die feinen Unterschiede zwischen den Epochen – von der strengen Frühzeit bis zur verspielten Pracht späterer Jahrhunderte.

Wo liegt das Museum und wie besucht man es?

Das Museum befindet sich im Erzbischöflichen Palast am Rand der Altstadt von Nikosia, nur wenige Schritte von der Kathedrale des Heiligen Johannes (Agios Ioannis) entfernt, deren Innenraum vollständig mit Fresken ausgemalt ist – ein lohnender Kombibesuch. Geöffnet ist in der Regel montags bis freitags von 8 bis 16.30 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr; da sich Zeiten und Eintrittspreise ändern können, lohnt ein Blick auf die aktuellen Angaben vor dem Besuch.

Die Altstadt innerhalb der venezianischen Stadtmauern lässt sich gut zu Fuß erkunden, sodass sich der Museumsbesuch bequem mit einem Bummel durch die Gassen, dem Cyprus Museum oder einem Abstecher zur Grünen Linie verbinden lässt. Wer mehr über die Hauptstadt erfahren möchte, findet alles Wichtige auf unserer Seite zu Nikosia, und eine Übersicht weiterer Höhepunkte bietet unsere Seite zu den Sehenswürdigkeiten Zyperns. Offizielle Hintergrundinfos zu Kultur und Religion der Insel liefert zudem die Tourismusbehörde der Republik Zypern.

Häufige Fragen zum Ikonen-Museum in Nikosia

Was kostet der Eintritt ins Byzantinische Museum?

Es wird ein moderater Eintritt erhoben, der gelegentlich angepasst wird. Da das Museum zur Kulturstiftung des Erzbischofs gehört, gelten teils eigene Tarife und Öffnungszeiten – prüfen Sie diese am besten kurz vor dem Besuch.

Wie lange sollte man für den Besuch einplanen?

Für die beiden Hauptsäle mit Ikonen und Mosaiken genügen etwa ein bis anderthalb Stunden. Wer die benachbarte Johanneskathedrale mit ihren Fresken einbezieht, sollte etwas mehr Zeit einplanen.

Darf man im Museum fotografieren?

In vielen orthodoxen Sammlungen ist das Fotografieren eingeschränkt oder untersagt, um die empfindlichen Werke zu schützen. Achten Sie auf die Hinweise vor Ort und fragen Sie im Zweifel beim Personal nach.

Lohnt sich das Museum auch ohne Vorkenntnisse?

Ja. Die Werke wirken auch ohne kunsthistorisches Wissen durch ihre Farbigkeit und Ausstrahlung. Mit ein paar Grundkenntnissen zur Bildsprache der Ikonen – Goldgrund, Frontalität, Symbolfarben – wird der Rundgang aber deutlich spannender.

Worin unterscheidet es sich vom Cyprus Museum?

Die beiden wichtigsten Museen Nikosias ergänzen sich: Das Cyprus Museum zeigt die Archäologie der Insel von der Steinzeit bis in die Römerzeit, während das Byzantinische Museum die christlich-byzantinische Kunst – vor allem Ikonen und Mosaike – bewahrt. Wer Zeit hat, besucht beide und erlebt so den Bogen von der Antike bis zum orthodoxen Erbe.

Gibt es ähnliche Ikonensammlungen anderswo auf Zypern?

Ja. Bedeutende Ikonen und Wandmalereien finden sich auch in den Bergklöstern und den Scheunendachkirchen der Troodos-Region sowie im Kloster Kykkos mit seinem eigenen Museum. Das Byzantinische Museum in Nikosia bietet aber den dichtesten und am besten geordneten Überblick.

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