Ikonen
Ikonen prägen das religiöse und kulturelle Bild Zyperns wie kaum ein anderes Kunstwerk. Die Insel besitzt eine über 1.000-jährige, ununterbrochene Tradition byzantinischer Ikonenmalerei – zu sehen in Klöstern, bemalten Bergkirchen und eigenen Ikonenmuseen. Die wichtigsten Sammlungen liegen in Nikosia, im Kloster Kykkos und in Pafos.
Auf einen Blick
- Was: byzantinische Ikonen – gemalte Heiligenbilder der orthodoxen Kirche
- Tradition: über 1.000 Jahre, bis heute lebendig
- Top-Sammlungen: Ikonenmuseum Nikosia, Kloster Kykkos, Byzantinisches Museum Pafos
- Im Norden: Ikonenmuseum im St.-Barnabas-Kloster bei Famagusta
- Dazu: die UNESCO-geschützten Scheunendachkirchen im Troodos
- Tipp: in Klöstern auf angemessene Kleidung achten, oft Fotografierverbot
Was sind byzantinische Ikonen?
Ikonen sind gemalte Bilder von Christus, der Gottesmutter und den Heiligen, die in der orthodoxen Kirche verehrt werden. Sie sind keine bloßen Kunstwerke, sondern gelten als „Fenster zum Heiligen“ – Hilfsmittel für Gebet und Andacht. Gemalt werden sie traditionell auf grundierte Holztafeln, häufig mit Blattgold im Hintergrund, das das göttliche, zeitlose Licht symbolisiert. Die Bildsprache folgt festen Regeln, sodass sich Heilige über die Jahrhunderte hinweg an ihren Attributen erkennen lassen. Anders als westliche Heiligenbilder wollen Ikonen nicht möglichst realistisch wirken, sondern eine geistliche Wirklichkeit sichtbar machen – deshalb erscheinen die Figuren oft streng, frontal und ohne natürliche Räumlichkeit.
Auf Zypern reicht diese Tradition bis in die frühchristliche Zeit zurück und blieb über byzantinische, fränkische, venezianische und osmanische Herrschaft hinweg lebendig. Bis heute werden in den Klöstern der Insel Ikonen nach alten Vorbildern gemalt. Einen tiefen Einblick in die Entwicklung der Malerei gibt das Byzantinische Ikonenmuseum in Nikosia.
Welche Bedeutung haben Ikonen für Zypern?
Für die griechisch-orthodoxe Mehrheit Zyperns sind Ikonen Ausdruck von Glauben und zugleich von kultureller Identität. Das Christentum kam früh auf die Insel – der Apostel Barnabas gilt als Begründer der zyprischen Kirche, die bis heute autokephal, also eigenständig, ist. Ikonen und Wandmalereien begleiteten die Menschen durch alle Epochen und wurden auch in Zeiten fremder Herrschaft bewahrt.
Eine besondere, bittere Bedeutung haben Ikonen seit der Teilung der Insel: Nach 1974 wurden zahlreiche Kirchen im Norden geplündert, Ikonen und Mosaike gestohlen und ins Ausland verkauft. Einige konnten nach langen Rechtsstreitigkeiten zurückgeholt werden, viele bleiben verschollen. Wer die Hintergründe verstehen möchte, findet sie auf unserer Seite zur türkischen Besetzung und in der Geschichte Zyperns.
Im Alltag sind Ikonen auf Zypern allgegenwärtig: In vielen Wohnungen gibt es eine kleine Hausikone mit Öllämpchen, Reisende tragen Ikonen im Auto, und an den zahlreichen Namenstagen und Kirchenfesten werden bestimmte Heilige besonders verehrt. Höhepunkt ist die orthodoxe Osterzeit, wenn Ikonen in feierlichen Prozessionen durch die Dörfer getragen werden. Für viele Besucher wird gerade diese lebendige Frömmigkeit – jenseits der Museen – zu einem der eindrücklichsten Eindrücke ihrer Reise.
Wo kann man auf Zypern Ikonen und byzantinische Kunst sehen?
Die Insel ist ein einziges Freilichtmuseum byzantinischer Kunst. Diese Orte lohnen sich besonders:
- Byzantinisches Ikonenmuseum, Nikosia: die bedeutendste Sammlung des Landes mit über 100 Ikonen und frühchristlichen Mosaiken im Erzbischöflichen Palast – ausführlich beschrieben auf unserer Seite zum Ikonenmuseum Nikosia.
- Kloster Kykkos (Troodos): das reichste und berühmteste Kloster Zyperns, bekannt für eine hoch verehrte, golden verkleidete Marienikone und ein eigenes Museum mit kostbaren Stücken – mehr dazu auf der Seite zum Kloster Kykkos.
- Byzantinisches Museum, Pafos: eine sehenswerte Sammlung im Bischofspalast an der Westküste, gut kombinierbar mit den antiken Stätten von Pafos, die für ihre römischen Mosaike weltberühmt sind.
- Klosterkirche Agios Ioannis Lampadistis (Kalopanagiotis): eine der bemalten Troodos-Kirchen mit eindrucksvollen Fresken und einer kleinen Ikonensammlung.
- St.-Barnabas-Kloster (Nordzypern): nahe Famagusta gelegen, mit einem Ikonenmuseum in der Klosterkirche.
Dazu kommen die zehn von der UNESCO geschützten Scheunendachkirchen im Troodos-Gebirge, deren Innenräume vollständig mit byzantinischen Fresken ausgemalt sind – ein Höhepunkt jeder Zypern-Rundreise.
Die bemalten Kirchen des Troodos
Zu den größten Schätzen byzantinischer Kunst auf Zypern gehören die Scheunendachkirchen im Troodos-Gebirge. Von außen wirken die kleinen Steinkirchen mit ihren weit heruntergezogenen Holzdächern – die vor Regen und Schnee schützen – fast unscheinbar. Im Inneren aber sind die Wände vollständig mit Fresken bedeckt, die biblische Szenen und Heiligenleben über Jahrhunderte hinweg erzählen. Zehn dieser Kirchen stehen wegen ihrer einzigartigen Malereien auf der UNESCO-Welterbeliste.
Besonders lohnend sind etwa die Kirche Panagia tou Araka, Agios Nikolaos tis Stegis bei Kakopetria und die Klosterkirche Agios Ioannis Lampadistis. Weil die Dörfer abgelegen in den Bergen liegen, blieben die Malereien erstaunlich gut erhalten. Ein Tag im Troodos verbindet diese Kirchen ideal mit dem Kloster Kykkos und der frischen Bergluft – ein reizvolles Kontrastprogramm zu den Stränden der Küste.
Was macht zyprische Ikonen besonders?
Zypern liegt am Schnittpunkt von Ost und West, und das spiegelt sich in seinen Ikonen. Während die frühen Werke ganz dem strengen byzantinischen Kanon folgen, zeigen Tafeln aus fränkischer und venezianischer Zeit auch westliche, gotische und italienische Einflüsse – etwa in der Mimik oder der Räumlichkeit. So lässt sich an der Ikonenmalerei der Insel die wechselvolle Geschichte ablesen.
Bemerkenswert ist außerdem das hohe Alter mancher Stücke: Die älteste Ikone im Museum von Nikosia stammt aus dem 8. Jahrhundert und wurde in der seltenen enkaustischen Technik mit Bienenwachs gemalt. Weil viele Bergkirchen abgelegen lagen, blieben dort über Jahrhunderte Fresken und Ikonen erhalten, die andernorts längst verloren sind. Diese Kontinuität macht Zypern zu einem der wichtigsten Orte für die Erforschung byzantinischer Kunst im gesamten Mittelmeerraum.
Wie entsteht eine Ikone?
Die traditionelle Ikonenmalerei ist ein langsames, geistlich geprägtes Handwerk, das in den Klöstern Zyperns bis heute gepflegt wird. Grundlage ist meist eine Tafel aus gut abgelagertem Holz, die mit Leinwand und mehreren Schichten Kreidegrund vorbereitet wird. Auf den glatten, hellen Grund wird die Zeichnung übertragen; anschließend werden die Flächen für den Goldgrund mit rotbraunem Bolus grundiert, das hauchdünne Blattgold aufgelegt und poliert, bis es spiegelnd glänzt.
Erst dann beginnt die eigentliche Malerei – klassisch mit Eitempera, also Pigmenten, die mit Eigelb gebunden werden. Gemalt wird „vom Dunkeln ins Helle“: Über dunkle Grundtöne setzt der Maler Schicht um Schicht hellere Lichter, bis die Gesichter zu leuchten scheinen. Jeder Schritt folgt überlieferten Vorlagen, denn der Ikonenmaler versteht sich nicht als freier Künstler, sondern als Überlieferer einer heiligen Tradition. So entstehen Bilder von zeitloser Ruhe, wie sie das Ikonenmuseum in Nikosia in großer Zahl bewahrt.
Tipps für den Besuch von Klöstern und Ikonenmuseen
Klöster und Kirchen sind aktive Gotteshäuser, daher gelten einige Regeln: Tragen Sie Kleidung, die Schultern und Knie bedeckt; an vielen Orten liegen Tücher zum Überwerfen bereit. In den meisten Sammlungen ist das Fotografieren eingeschränkt oder ganz untersagt, um die empfindlichen Werke zu schützen – achten Sie auf die Hinweise und fragen Sie im Zweifel nach.
Planen Sie Klosterbesuche eher am Vormittag, da viele über die Mittagszeit schließen; die genauen Öffnungszeiten ändern sich saisonal. Wer mehrere Orte verbinden möchte, kombiniert das Ikonenmuseum in Nikosia gut mit einer Tour durch das Troodos-Gebirge zu den bemalten Kirchen und dem Kloster Kykkos. Eine Übersicht weiterer Höhepunkte bietet unsere Seite zu den Sehenswürdigkeiten Zyperns. Offizielle Hintergrundinfos zu Kultur und Religion der Insel liefert die Tourismusbehörde der Republik Zypern.
Häufige Fragen zu Ikonen auf Zypern
Wo sieht man die schönsten Ikonen auf Zypern?
Die dichteste Sammlung bietet das Byzantinische Ikonenmuseum in Nikosia. Wer Klöster und Originalschauplätze bevorzugt, fährt ins Troodos-Gebirge zum Kloster Kykkos und zu den bemalten Kirchen, etwa Agios Ioannis Lampadistis.
Darf man Ikonen in Kirchen und Klöstern fotografieren?
Oft nicht. In vielen Klöstern und Museen ist das Fotografieren untersagt oder nur ohne Blitz erlaubt, um die Werke und die Andacht der Gläubigen zu schützen. Achten Sie auf die Schilder vor Ort.
Kann man auf Zypern Ikonen kaufen?
Ja. In Klöstern und spezialisierten Werkstätten werden handgemalte Ikonen als Souvenir verkauft. Antike Ikonen unterliegen dagegen strengem Kulturgüterschutz und dürfen nicht ausgeführt werden.
Was bedeuten die Farben und das Gold auf Ikonen?
Der Goldgrund steht für das göttliche, zeitlose Licht, Rot oft für das Göttliche und Königliche, Blau für das Menschliche. Die feste Symbolik hilft, die Heiligen und Szenen zu erkennen.
Was ist der Unterschied zwischen Ikonen und Fresken?
Ikonen sind tragbare, auf Holztafeln gemalte Heiligenbilder, die man aufstellen, tragen und sammeln kann. Fresken dagegen sind Wandmalereien, die fest mit dem Bauwerk verbunden sind – etwa in den bemalten Troodos-Kirchen. Beide Kunstformen folgen derselben byzantinischen Bildsprache und sind auf Zypern oft am selben Ort zu sehen.
Welches ist die berühmteste Ikone Zyperns?
Am bekanntesten ist die Marienikone im Kloster Kykkos. Der Überlieferung nach soll sie auf den Evangelisten Lukas zurückgehen. Sie ist seit langem vollständig mit einer Silber-Gold-Verkleidung bedeckt und gilt als wundertätig; aus Ehrfurcht bleibt das eigentliche Bild den Blicken entzogen. Allein wegen dieser Ikone zählt Kykkos zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten der orthodoxen Welt.
