Tamassos – Kupferkönigreich bei Politiko

Tamassos war eines der Stadtkönigreiche des antiken Zypern und lag am Pediaios-Fluss südwestlich von Nikosia, dort, wo heute Politiko, Pera und Episkopio stehen. Der Reichtum kam aus dem Bergbau. Sichtbar sind zwei in den Fels gehauene Königsgräber, das Heiligtum der Aphrodite und Reste der Kupferverarbeitung.

Schnellfakten Tamassos

Lagelinkes Ufer des Pediaios, bei Politiko südwestlich von Nikosia
Ortschaften über der StadtPolitiko, Pera und Episkopio
ReichtumBergbau und Metallverarbeitung, Kupferwerkstätten
Königsgräberzwei erhaltene Gräber der kyproarchaischen Zeit, Fassaden nach dem Vorbild von Holzbauten
HeiligtumAphrodite (Aphrodite-Astarte) mit Altar und Weihgaben
Sensationsfundsechs Kalksteinskulpturen: vier Löwen und zwei Sphingen, 1997 entdeckt
Apollon-Heiligtumim Tal südlich von Pera Oreinis, nach über 100 Jahren wiedergefunden
Bistumin der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr., erster Bischof Herakleidios
Felsgrab mit Giebelfassade bei Tamassos in der Nähe von Politiko

Felsgrab mit Giebelfassade bei Tamassos in der Nähe von Politiko

Was war Tamassos und wo liegt die Stätte?

Tamassos zählte zu den bedeutenden Stadtkönigreichen Zyperns. Ein Stadtkönigreich war in der Eisenzeit eine kleine politische Einheit aus einer Hauptstadt und dem Land darum, mit eigenem König, eigenen Heiligtümern und eigener Verwaltung. Die Insel bestand damals aus mehreren solcher Königreiche, zu denen auch Salamis, Kítion, Palaipáfos, Kourion und Amathous gehörten.

Die Stadt lag am linken Ufer des Pediaios, des Flusses in der Ebene bei Nikosia. Der größere Teil der antiken Anlage liegt unter den heutigen Dörfern Politiko, Pera und Episkopio. Das erklärt, warum an der Oberfläche vergleichsweise wenig zu sehen ist: Wer das antike Tamassos verstehen will, muss sich eine Stadt vorstellen, über der Häuser, Gärten und Straßen gewachsen sind. Die Ausgrabungsstätte selbst umfasst die Teile, die Archäologen freigelegt haben, und das sind die Königsgräber, das Heiligtum der Aphrodite, ein Stück der Stadtbefestigung und Anlagen zur Verarbeitung von Metall.

Wann und von wem Tamassos gegründet wurde, ist nicht überliefert. Sicher ist, dass die Gegend schon in der späten Bronzezeit besiedelt war: Bei den Grabungen des 19. Jahrhunderts kamen zahlreiche Gräber dieser Epoche ans Licht. Die Bronzezeit bildet damit den Hintergrund für das, was später als Königreich der Eisenzeit hervortritt.

Warum war Tamassos so reich?

Der Wohlstand von Tamassos lag in seinen Minen. Die Stadt lebte von dem, was aus dem Berg geholt und in Werkstätten weiterverarbeitet wurde. Bei den Ausgrabungen kamen Kupferverarbeitungsanlagen und Werkstätten zum Vorschein, die dem Kult der Aphrodite-Astarte zugeordnet werden. Metall und Religion gehörten in Tamassos zusammen: Die Göttin der Insel hatte hier ihr Heiligtum.

Dieser Reichtum erklärt auch, warum die Könige von Tamassos sich Gräber leisten konnten, deren Bau erheblichen Aufwand verlangte. Ein Grab in den Fels zu schlagen, die Wände zu glätten und eine Fassade zu gestalten, war Arbeit für Steinmetze über lange Zeit. Wer ein solches Grab anlegen ließ, zeigte, dass er über Arbeitskräfte und Mittel verfügte.

Zur Geschichte der Stadt gehört auch ihr Ende als eigenständiges Königreich. Im 4. Jahrhundert v. Chr. verkaufte König Pasikypros die Stadt an Poumiathon, den König von Kítion, und damit an eine phönizische Dynastie. Die Ptolemäer schafften die zyprischen Königreiche in den Jahren 312 und 311 v. Chr. schließlich ganz ab. Wie sich die Insel danach veränderte, steht im Kapitel zur Hellenisierung.

Kupfererz und buntes Gestein auf einem Hang im Vorland des Troodos

Was zeigen die beiden Königsgräber?

Die bekanntesten Bauwerke von Tamassos sind die Königsgräber. Der Entdecker Max Ohnefalsch-Richter grub 1889, 1890 und 1894 dort. Er fand zahlreiche Gräber der späten Bronzezeit und drei Königsgräber der kyproarchaischen Zeit. Nur zwei davon sind bis heute erhalten. Zur Einordnung der Epoche hilft das Kapitel zur kyproarchaischen Zeit.

Das Besondere an den Gräbern ist ihre Gestaltung. Sie sind so aus dem Felsen gearbeitet, dass sie von innen und außen wie ein Holzgebäude mit Giebel wirken. Die Steinmetze ahmten also eine Bauweise nach, die man aus Häusern und Palästen kannte: Balken, ein Giebeldach, Türen. In Stein übertragen blieb diese Architektur über zweieinhalb Jahrtausende erhalten, während die echten Holzhäuser der Zeit längst vergangen sind. Die Gräber erlauben deshalb einen Blick darauf, wie vornehme Wohnbauten der Eisenzeit aufgebaut waren.

Die Gräber ergänzen die Eindrücke, die man von den Königsgräbern bei Páfos hat, die einer anderen Epoche angehören und anders gebaut sind. Der Vergleich beider Anlagen zeigt, wie unterschiedlich man auf Zypern mit dem Tod der Mächtigen umging.

Welche Sphingen und Löwen kamen 1997 ans Licht?

Im Jahr 1997 stießen Archäologen der Altertümerverwaltung bei Arbeiten an einem der Königsgräber auf einen außergewöhnlichen Fund: sechs vollständig erhaltene Kalksteinskulpturen, vier Löwen und zwei Sphingen. Sie lagen unmittelbar neben den Gräbern. Löwen und Sphingen standen in der Antike als Wächter vor Eingängen, und die Fundlage passt dazu. Die Figuren entstanden in der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr., als Zypern unter ägyptischer Oberhoheit stand.

Die beiden Sphingen sitzen mit entfalteten Flügeln. Ihre Form erinnert an ägyptische Sphingen, die Gesichtszüge aber an griechische Statuen der archaischen Zeit. An den Figuren haften noch Reste roter und blauer Farbe, denn antike Skulpturen waren bemalt. Die Löwen sitzen mit gebleckten Zähnen und herausgestreckten Zungen. Zwei von ihnen sind lebensgroß und vollständig, zwei übertreffen die Lebensgröße, wobei einer ein Ohr verloren hat und ein anderer in drei Teilen gefunden wurde.

Die Skulpturen stehen heute im Zypern-Museum in Nikosia. Dort lässt sich gut nachvollziehen, wie sich in dieser Zeit ägyptische, östliche und griechische Einflüsse auf der Insel mischten. Die Mischung ist typisch für Zypern, das als Insel zwischen den Kulturen des Ostmittelmeers ständig Anregungen aufnahm und in eine eigene Formensprache übersetzte.

Wie sah das Heiligtum der Aphrodite aus?

Ein weiterer Teil des Geländes ist das Heiligtum der Aphrodite. Die Ausgräber fanden dort einen Altar aus rohem Kalkstein, Weihgefäße, Räuchergefäße und Lampen. Dazu kamen Statuetten von Tauben aus Ton und aus Stein, denn die Taube war der Aphrodite heilig. Die Göttin trat auf Zypern in der Gestalt der Aphrodite-Astarte auf, einer Verbindung der griechischen Liebesgöttin mit der östlichen Astarte.

Heiligtum und Altar gehören in die späte kyproarchaische Zeit, die in die Jahre von 600 bis 475 v. Chr. fällt. Sie wurden zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. zerstört, im 4. Jahrhundert noch einmal, und in hellenistischer Zeit wieder aufgebaut. Daneben gab es einen Tempel für die Muttergöttin, in der Forschung als Kybele bezeichnet. Aphrodite- und Muttergöttin-Tempel wurden in der kyproarchaischen Zeit errichtet, in den Aufständen gegen die persische Herrschaft zu Beginn des 5. Jahrhunderts zerstört und gegen Ende des 4. Jahrhunderts mit einem anderen Grundriss erneuert. Die kyproklassische Zeit war eine Epoche, in der Zypern zwischen den Großmächten stand.

Die deutschen Ausgrabungen von 1970 bis 1980 unter Hans-Günter Buchholz legten außerdem einen Teil einer kräftigen archaischen Verteidigungsmauer frei sowie weitere Heiligtümer und Anlagen zur Bronzeverarbeitung. Sie zeigen, dass Tamassos eine befestigte Stadt mit Tempeln und Werkstätten war.

Bergdorf mit Steinhäusern über einem Bachtal mit Oliven- und Mandelbäumen

Was ist über das Apollon-Heiligtum bei Pera Oreinis bekannt?

Die jüngste Entdeckung im Umland von Tamassos betrifft ein Heiligtum des Apollon. Es liegt in einem Tal südlich von Pera Oreinis und gehörte zum Königreich Tamassos. Max Ohnefalsch-Richter hatte es bereits 1885 in einer Notgrabung untersucht. Danach wurde seine Grabung zugeschüttet, und der genaue Ort geriet über ein Jahrhundert lang in Vergessenheit.

Deutsche Universitäten fanden die Stätte durch Archivarbeit und Geländeuntersuchungen wieder. Ein Georadar, das gemeinsam mit der Universität Zypern eingesetzt wurde, zeigte im Boden verborgene Mauerreste. Die Ausgräber stießen auf einen rund 15 Meter langen Graben, der in den alten Grabungsberichten erwähnt wird, und fanden ihn damit wieder. Im Heiligtum kamen die Mauern des Weihhofs und über 100 Statuenbasen zum Vorschein, darunter Sockel von kolossalen Figuren. Sie trugen große Votivstatuen aus Kalkstein der archaischen Zeit im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr.

Zu den Funden zählen außerdem kleine Tonwagen mit Lenkern und Kriegerfiguren, große hohle Terrakottastatuen von Stiftern bis zu Lebensgröße, Kalksteinfiguren von Verehrern, Pferdefragmente, Glasperlen und Fayence-Amulette ägyptischer Art. Die Funde belegen eine Nutzung ab der Eisenzeit durch die archaische, die klassische und die hellenistische Epoche. Viele Stücke der Grabung von 1885 sind in Museen in Kanada, Großbritannien und Irland gelandet. Einer der berühmtesten Funde, der Koloss von Tamassos, steht im Zypern-Museum in Nikosia.

Wie kam das Christentum nach Tamassos?

In der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde Tamassos eines der frühen Bistümer Zyperns. Der erste Bischof hieß Herakleidios. Über seinem Grab südöstlich der antiken Stadt entstand in frühchristlicher Zeit eine große dreischiffige Basilika. Sie verfiel, und an ihrer Stelle errichtete man im Lauf der Jahrhunderte andere Kirchen. Ihre endgültige Form erhielt die Kirche 1773. Heute gehört sie zu einem Nonnenkloster, dem Kloster Agios Irakleidios, das nur wenige hundert Meter von den Königsgräbern entfernt liegt.

Damit bündelt der Ort mehr als zwei Jahrtausende Geschichte auf engem Raum: das Königreich der Eisenzeit, die Heiligtümer, das frühe Bistum und ein Kloster, das bis heute lebt. Die Der weitere Weg der Kirche auf der Insel führt in die Zeit der byzantinischen Herrschaft. Wer sich für weitere Klöster interessiert, findet eine Übersicht bei den Kirchen und Klöstern.

Wie verbindest du Tamassos mit weiteren Zielen?

Tamassos liegt im Hinterland von Nikosia und lässt sich gut als Halbtagesausflug mit einem Besuch der Hauptstadt verbinden. Die Funde der Grabungen, die Sphingen und Löwen sowie der Koloss, sind im Zypern-Museum zu sehen. Wer die Stadtkönigreiche der Insel systematisch kennenlernen möchte, kombiniert Tamassos mit den Stätten an der Küste, etwa Salamis im Osten oder Kítion bei Lárnaka. Eine Übersicht aller Orte liefert die Seite zu den Stätten der alten Geschichte.

Öffnungszeiten, Eintritt und Zugänglichkeit ändern sich; erfrage sie vor der Fahrt beim Fremdenverkehrsamt oder bei der Altertümerverwaltung.

Häufige Fragen zu Tamassos

Wo liegt Tamassos?

Am linken Ufer des Pediaios bei Politiko, südwestlich von Nikosia. Der größere Teil der antiken Stadt liegt unter Politiko, Pera und Episkopio.

Wovon lebte die Stadt?

Vom Bergbau und von der Verarbeitung von Metall. Kupferverarbeitungsanlagen und Werkstätten wurden ausgegraben.

Was ist an den Königsgräbern besonders?

Sie sind so aus dem Fels gehauen, dass sie wie Holzbauten mit Giebel aussehen. Zwei der drei bei der Entdeckung bekannten Königsgräber sind erhalten.

Was fand man 1997?

Sechs Kalksteinskulpturen neben den Gräbern: vier Löwen und zwei Sphingen aus der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. Sie stehen im Zypern-Museum in Nikosia.

Was ist das Apollon-Heiligtum von Pera Oreinis?

Ein Heiligtum im Gebiet des Königreichs Tamassos, 1885 ausgegraben, vergessen und von deutschen Universitäten wiedergefunden. Über 100 Statuenbasen sind dort entdeckt worden.

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