Steinzeitsiedlung Choirokoitía
Choirokoitía (auch Chirokitía) ist eine der bedeutendsten jungsteinzeitlichen Siedlungen des östlichen Mittelmeers und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Schon um 7000 v. Chr. wohnten hier rund 1.000 Menschen in etwa 60 runden Steinhäusern am Berghang über dem Maronifluss. Am Eingang stehen originalgetreu nachgebaute Rundhäuser. Die Anlage liegt verkehrsgünstig zwischen Larnaka und Limassol und lohnt einen Halbtagesausflug.
| Lage | Südküste Zyperns, zwischen Larnaka und Limassol |
| Typ | Jungsteinzeitliche Siedlung (Neolithikum), UNESCO-Welterbe |
| Bewohnt ab | ca. 7000 v. Chr. |
| Highlights | Runde Rundhäuser („Tholoi“), rekonstruierte Wohnhäuser, Befestigungsmauer |
| Beste Besuchszeit | Frühling und Herbst; vormittags für Fotos |
| Zugang | Eintritt vor Ort, kleines Besucherareal mit Nachbauten |
Was ist Choirokoitía?
Choirokoitía ist eine jungsteinzeitliche Siedlung an der Südküste Zyperns und einer der wichtigsten archäologischen Fundorte der gesamten frühen Geschichte der Insel. Noch bis vor einigen Jahren galt die Anlage als die älteste Steinzeitsiedlung Zyperns; inzwischen hat man weitere 17 Siedlungen aus dieser Zeit entdeckt. Ihre Bedeutung hat das nicht geschmälert, im Gegenteil: Choirokoitía ist die am besten erforschte und anschaulichste von allen.
Während um 7000 v. Chr. in Mitteleuropa noch Höhlen oder einfache Holzbauten als Behausung dienten, wohnten in Choirokoitía bereits rund 1.000 Menschen vergleichsweise komfortabel in etwa 60 Steinhäusern in Hanglage. Woher die ersten Siedler kamen, ist bis heute ungewiss. Die runden Gebäude sowie Hirschhorn- und Karneolperlen weisen auf Syrien und Palästina hin, der gefundene Obsidian auf Anatolien, und die Wandmalereien deuten auf beide Regionen. Sicher ist: Die Erstbesiedlung Zyperns war ein durchorganisiertes Unternehmen – die Neuankömmlinge brachten Pflanzensamen, Damwild, Schafe, Ziegen und Schweine im Reisegepäck mit.
Warum ist Choirokoitía UNESCO-Welterbe?
Die Anlage steht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes, weil sie ein außergewöhnlich gut erhaltenes Zeugnis des präkeramischen Neolithikums im östlichen Mittelmeerraum ist. Nirgendwo sonst auf Zypern lässt sich das Leben der ersten Inselbewohner so unmittelbar nachvollziehen: die Bauweise der Rundhäuser, die Anordnung der Siedlung am Hang und die mächtige Befestigungsmauer, die den Ort einst umgab.
Choirokoitía bot der frühen Gemeinschaft alles, was sie brauchte. Die Nähe zum Maronifluss sicherte die Wasserversorgung, und die Lage am Berghang war strategisch optimal, weil man herannahende Feinde schon von weitem erkennen konnte. Dieses Zusammenspiel aus Architektur, Organisation und natürlicher Umgebung macht den Fundort zu einem Schlüsseldenkmal für das Verständnis der frühen Menschheitsgeschichte – und damit zu einem würdigen Eintrag im Welterbe.
Was gibt es bei Choirokoitía zu sehen?
Das eigentliche Highlight sind die runden Rundhäuser, im Fachjargon „Tholoi“ genannt: kreisförmige Bauten aus Stein und Lehmziegeln, vermutlich mit bienenkorbartigem Aufbau. Auf dem ansteigenden Gelände erkennt man die Grundrisse der Siedlung, die einst dicht an den Hang gestaffelt war.
- Rekonstruierte Tholoi – am Fuß der Anlage wurden mehrere Wohnhäuser originalgetreu nachgebaut, sodass man die Bauweise und das Innenleben mit Herdstellen, Sitzbänken und Tischen begehen kann.
- Befestigungsmauer – Reste der massiven Mauer zeigen, wie die Gemeinschaft ihre Siedlung schützte.
- Originale Grundmauern – die freigelegten runden Fundamente ziehen sich den Hang hinauf.
Die schönsten Gräberfunde aus Choirokoitía sind übrigens nicht vor Ort, sondern im ersten Saal des Zypern-Museums in Nikosía ausgestellt – ein lohnender Anschlussbesuch für alle, die tiefer in die alte Geschichte Zyperns eintauchen möchten.
Wie lebten die Menschen damals?
Die Bewohner von Choirokoitía lebten in runden Lehmziegelhäusern, in denen sich Herdstellen, Sitzbänke und Tische befanden. Sie ernährten sich von der Jagd, worauf zahlreiche Klingen und Pfeilspitzen aus Obsidian – einem vulkanischen Glas – hinweisen. Da es auf Zypern keine Obsidian-Vorkommen gibt, gilt der Fund als Beleg für Handelsbeziehungen nach Vorderasien oder Südosteuropa. Sichelklingen deuten zudem auf Getreideanbau hin, und zu Haushaltsgeräten verarbeitete Tierknochen zeigen, dass die Menschen bereits Haustiere kannten.
Aufschlussreich sind auch die Bestattungssitten. Die Toten wurden in Hockstellung auf der Seite liegend begraben – und zwar unterhalb des Raumes, in dem ihre Angehörigen weiterlebten, der Blick meist nach Osten, zum Licht hin. In mehreren Hütten fand man unter dem Boden insgesamt 26 Skelette von Kindern und Erwachsenen, einige mit einem Stein beschwert; vielleicht wollte man so ihre Wiedergeburt verhindern, ein bis heute ungeklärter Brauch, den es auch in anderen Kulturen gab. Die Schädel der Erwachsenen hatten einen abgeflachten Hinterkopf – vermutlich bandagierte man die Säuglinge auf ein Brett, um diese rituelle Deformation zu erzielen. Die Lebenserwartung lag bei Männern um 35, bei Frauen um 33,5 Jahre. Die Choirokoitía-Kultur verschwand um 5200 v. Chr. plötzlich; nach einer Pause von 1.500 Jahren wurde der Ort noch einmal besiedelt, bevor er um 3500 v. Chr. für immer verlassen wurde. Nahrungsmangel, Krankheit, Klimaumschwung, neue Einwanderer oder Naturkatastrophen – die Gründe geben bis heute Rätsel auf.
Wo liegt Choirokoitía und wie kommt man hin?
Choirokoitía liegt an der Südküste Zyperns, direkt an der Autobahn zwischen Larnaka und Limassol. Von Larnaka aus erreicht man die Anlage in etwa einer halben Stunde mit dem Auto, von Limassol in rund 30 bis 40 Minuten. Ein Mietwagen ist die bequemste Option, da der Fundort etwas abseits der Ortschaften am Hang liegt.
Vor Ort führt ein ansteigender Rundweg durch die Siedlung. Wer kann, sollte gutes Schuhwerk tragen und ausreichend Wasser mitnehmen, denn Schatten ist auf dem Hang rar. Choirokoitía lässt sich gut mit einem Tag an Zyperns Südküste verbinden – einen Überblick über die Region und weitere Ziele gibt unsere Übersicht der Reiseziele auf Zypern sowie die Sammlung aller Sehenswürdigkeiten der Insel.
Tipps zum Besuch von Choirokoitía
Die beste Fotografierzeit ist der Vormittag, wenn das Licht die Rundhäuser plastisch hervorhebt. Je weiter man den Hang hinaufsteigt, desto besser erkennt man die Gesamtanlage – der Aufstieg lohnt sich also. Beginne den Rundgang an den rekonstruierten Tholoi am Eingang, um die Bauweise zu verstehen, bevor du die originalen Grundmauern weiter oben siehst.
Plane je nach Interesse 45 Minuten bis gut eine Stunde ein. Wegen der exponierten Hanglage empfiehlt sich in den heißen Sommermonaten ein früher Besuch; Frühling und Herbst sind insgesamt die angenehmsten Jahreszeiten. Wer den Tag abrunden möchte, kombiniert Choirokoitía mit einem Bummel durch Larnaka oder einem weiteren Stopp aus dem Bereich alte Geschichte.
Häufige Fragen zu Choirokoitía
Wie alt ist die Siedlung Choirokoitía?
Choirokoitía wurde bereits um 7000 v. Chr. bewohnt und zählt damit zu den ältesten und bedeutendsten jungsteinzeitlichen Siedlungen des östlichen Mittelmeers. Lange galt sie sogar als die älteste Steinzeitsiedlung Zyperns.
Was sind die runden Rundhäuser („Tholoi“)?
Das sind kreisförmige Wohnhäuser aus Stein und Lehmziegeln, vermutlich mit bienenkorbartigem Aufbau, mit Herdstellen, Sitzbänken und Tischen im Inneren. Am Eingang der Anlage stehen mehrere originalgetreu nachgebaute Exemplare.
Warum ist Choirokoitía UNESCO-Welterbe?
Die Anlage ist ein außergewöhnlich gut erhaltenes Zeugnis des präkeramischen Neolithikums und zeigt anschaulich, wie die ersten Inselbewohner in befestigten Rundhäusern am Hang lebten – ein Schlüsseldenkmal der frühen Menschheitsgeschichte.
Wo liegt Choirokoitía?
Die Siedlung liegt an der Südküste Zyperns, an der Autobahn zwischen Larnaka und Limassol, nahe dem Maronifluss. Von Larnaka aus ist sie in etwa einer halben Stunde mit dem Auto erreichbar.
Vertiefe deinen Ausflug mit weiteren Zielen aus dem Bereich alte Geschichte, kombiniere den Besuch mit der Hafenstadt Larnaka oder stöbere durch alle Sehenswürdigkeiten und Reiseziele auf Zypern.
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