Palaipáfos – Aphrodite-Heiligtum bei Koúklia
Palaipáfos, das „alte Páfos“, liegt beim Dorf Koúklia im Bezirk Páfos und war mehr als tausend Jahre das berühmteste Heiligtum der Aphrodite. Die Kultstätte reicht bis ins 12. Jahrhundert v. Chr. zurück und blieb bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. in Gebrauch. 1980 wurde sie als erste Stätte Zyperns in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
| Lage | Dorf Koúklia, Bezirk Páfos, rund 85 m über dem Meer |
| Bedeutung | Heiligtum der Aphrodite, Stadtkönigreich und Pilgerziel der Antike |
| Kultzeit | ab etwa 1200 v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. |
| Kultbild | kegelförmiger Stein (Baityl), kein Standbild |
| Welterbe | UNESCO-Welterbeliste seit 1980 |
| Museum | im Herrenhaus der Lusignan-Zeit, mit Gotischer Halle |
| Route | Teil der Aphrodite-Kulturroute |
Was ist Palaipáfos und wo liegt es?
Palaipáfos bedeutet auf Griechisch „Alt-Páfos“. Die Stätte liegt beim Dorf Koúklia, das sich auf etwa 85 Metern Höhe über einer fruchtbaren Küstenebene im Bezirk Páfos erstreckt. Das heutige Dorf sitzt auf den Überresten der antiken Stadt, die über Jahrtausende bewohnt war. Grabungen haben das Heiligtum, Reste der Befestigung, ein Hügelgräberfeld und zahlreiche Gräber freigelegt, und ein Teil der Funde ist im örtlichen Museum ausgestellt.
Die Siedlungsspuren reichen weit zurück: Werkzeuge und Tonscherben aus der Kupfersteinzeit (um 2800 v. Chr.) belegen eine fast durchgehende Besiedlung über rund fünf Jahrtausende bis heute. Für Besucher ist Palaipáfos deshalb mehr als eine einzelne Ruine. Es verbindet ein antikes Heiligtum, ein mittelalterliches Herrenhaus, Kirchen und ein Dorf, in dem die Erinnerung an die alte Göttin noch bis vor wenigen Jahrzehnten lebendig war. Eine Einordnung in die Welterbestätten der Insel findest du auf der Seite UNESCO-Welterbe auf Zypern.
Wie entstand das Heiligtum der Aphrodite?
Die ersten gesicherten Anlagen entstanden um 1200 v. Chr. Damals entstand eine monumentale heilige Umfriedung, ein Temenos, nach dem Vorbild vorderasiatischer Heiligtümer unter freiem Himmel. Es war die Zeit großer Wanderbewegungen: Die ersten Achäer aus Griechenland kamen nach Zypern. Mit ihnen verband sich der alte Kult einer orientalischen Fruchtbarkeitsgöttin, die zunächst mit Astarte gleichgesetzt wurde, mit der griechischen Aphrodite. Weil schon in der Kupfersteinzeit an diesem Ort eine Fruchtbarkeitsgöttin verehrt worden war, ist das Heiligtum von Palaipáfos die am längsten bestehende Kultstätte in der religiösen Überlieferung Zyperns.
Zur Gründung erzählt die Überlieferung zwei Geschichten. Die eine macht den arkadischen König Agapenor von Tegea zum Gründer: Sein Schiff geriet auf der Heimfahrt von Troja in einen Sturm und strandete an der Küste Zyperns. Die andere macht den einheimischen Priesterkönig Kinyras zum Gründer, den Vater des Adonis, der für seinen Reichtum berühmt war. Beide Erzählungen sind Legenden, sie zeigen aber, wie früh Griechen und Einheimische das Heiligtum als gemeinsames Erbe betrachteten. Auch die Göttin selbst hat in Palaipáfos ihren mythischen Ursprung: Der Dichter Hesiod lässt sie aus dem Meeresschaum steigen, wenige Kilometer südwestlich des Heiligtums. Als Ort dieser Geburt gilt in der Legende der Felsen Pétra tou Romiou.

Warum zog das Heiligtum jahrhundertelang Pilger an?
Palaipáfos war eines der wichtigsten Stadtkönigreiche der Insel. Sein Gebiet reichte vermutlich von der Halbinsel Akamas bis in die Hügel vor Pissouri und grenzte östlich an das Königreich Kurion und nördlich an Marion. Der fruchtbare Schwemmlandboden ermöglichte Getreideanbau, und das Heiligtum machte die Stadt über Jahrhunderte zum religiösen Zentrum. Die Könige trugen zugleich den Titel des Oberpriesters der Göttin. Inschriften in der zyprischen Silbenschrift bezeichnen sie als „König von Páfos und Priester der Anassa“, wobei Anassa „Herrin“ oder „Königin“ bedeutet und der traditionelle Kultname der Göttin von Páfos war.
Der erste historisch bezeugte König hieß Eteandros und erscheint 673/72 v. Chr. auf einer Inschrift des assyrischen Königs Asarhaddon neben anderen zyprischen Vasallenkönigen. Der letzte König, Nikokles, gründete um 320 v. Chr. die neue Hafenstadt Nea Páfos und machte sie zur Hauptstadt. Als die Ptolemäer 284 v. Chr. die Insel endgültig übernahmen, lösten sie alle Königreiche auf. Die alte Stadt hieß fortan Palaipáfos und war keine Regionalhauptstadt mehr, sondern eine heilige Stadt. Wer mehr über die Hafenstadt wissen möchte, liest im Archäologischen Park von Páfos weiter.
Der Ruhm des Heiligtums blieb bestehen. Im 1. Jahrhundert n. Chr. zählt der Geograph Pomponius Mela Palaipáfos zu den drei großen Städten Zyperns, neben Salamis und Nea Páfos. Zu den Festen zogen Gläubige, mit Myrte bekränzt, in feierlichen Prozessionen mit Musik von Nea Páfos nach Palaipáfos. Römische Kaiser förderten die Kultstätte bis hin zu Septimius Severus. Der spätere Kaiser Titus besuchte Palaipáfos im Jahr 69 n. Chr. auf der Reise nach Syrien und war von dem Heiligtum tief beeindruckt.
Warum verehrten die Gläubigen einen Stein statt eines Standbilds?
Der Kult in Palaipáfos war bildlos. Die Göttin wurde nicht als Statue dargestellt, sondern durch einen Baityl symbolisiert, einen kegelförmigen Stein aus Andesit. Wie wichtig dieser heilige Stein war, zeigen hellenistische Tonsiegel und römische Münzen mit seinem Bild: Er steht darauf zwischen zwei Pfeilern unter einem leichten Baldachin, einem dreiteiligen Schrein. Den Altar im offenen Hof beschrieben antike Autoren mit den Worten, er stehe unter freiem Himmel, aber Regen falle nie auf ihn. Auf ihm durften nur Gebete und „reines Feuer“ dargebracht werden. Der Baityl, der am Ort gefunden wurde, steht heute im Museum von Koúklia.
Die Göttin trug in Palaipáfos viele Beinamen. Schon Homer spricht im 8. Jahrhundert v. Chr. von „Kypris“, die Göttin Zyperns, und Hesiod später von „Kyprogenea“, die auf Zypern Geborene. Weitere Titel lauteten Potnia (Herrin), Pontia Enalia (Herrin des Meeres), Ourania (die Himmlische), Pandemos (die für alle Menschen), Eleemon (die Barmherzige) und Chrysostefanos (die Goldbekränzte). Eine bärtige Gestalt hieß Aphroditos, die männliche Aphrodite. Die Titel zeigen, wie viele Eigenschaften die Gläubigen in der Göttin vereint sahen.
Was siehst du von Heiligtum I und Heiligtum II?
Der Rundgang beginnt am Besuchertor im Norden. Auf einem Plattenweg liegen Reste aus allen Epochen, gegenüber steht das Herrenhaus mit dem Museum. Von der Anlage sind zwei Komplexe erhalten: im Süden das Heiligtum I aus der Spätbronzezeit, im Norden das römische Heiligtum II, das am Ende des 1. oder Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. entstand.
Vom Heiligtum I stehen noch riesige Kalksteinblöcke sowie Teile der Umfassungsmauer. Es bestand aus einem offenen Hof und einer überdachten Halle. Im Boden des Hofes fand sich ein flaches Becken, in dem die Gläubigen sich vielleicht rituell reinigten oder Opfergaben niederlegten. Die überdeckte Halle war das Allerheiligste, ein lang gestrecktes, erhöhtes Gebäude mit massiven Mauern und einer doppelten Reihe von Pfeilersockeln. Besonders auffällig sind die monumentale Umfassungsmauer und die benachbarte Säulenhalle. Das Heiligtum blieb vermutlich bis zum großen Erdbeben der Jahre 76/77 n. Chr. in Gebrauch. Von den geschätzt fünfzig Bronzestatuen, die einst die Sockel schmückten, ist nur ein Finger erhalten, und viele Marmorskulpturen wurden später in Brennöfen verarbeitet.
Das römische Heiligtum II bedeckte eine Fläche von 79 mal 67 Metern. Es folgte demselben Prinzip mit offenem Hof und hatte die Form eines griechischen Pi (Π), das sich nach Westen öffnete. Die Südhalle misst 56 mal 10,5 Meter, hatte einen Mosaikboden und eine Reihe dorischer Säulen; von dem Mosaik mit geometrischen Mustern ist nur ein kleiner Teil erhalten. Die Nordhalle war etwas kleiner. In beiden Hallen fanden rituelle Mahlzeiten statt, bei denen die Gläubigen auf einer erhöhten Plattform lagerten. Ähnliche Anlagen kennst du aus dem Heiligtum des Apollon Hylates bei Kourion.
Auf der anderen Seite des Weges liegen die Ruinen römischer Bauten. Im Hof eines großen Peristylhauses siehst du eine Kopie des Mosaiks „Leda und der Schwan“; das Original zeigt das Museum. Daneben stehen Reste der kleinen Kapelle des heiligen Nikolaus aus dem 16. Jahrhundert.
Was zeigt das Museum im Herrenhaus der Lusignan?
Das Herrenhaus entstand im 13. Jahrhundert. Die Lusignan wählten diesen strategischen Ort als Verwaltungssitz für die Zuckerplantagen des Königs. Es ist ein wuchtiger Bau aus Sandstein mit Stützpfeilern und einem großen Innenhof. Als die Altertümerverwaltung das Haus erwarb, wurden West-, Ost- und Nordflügel wieder aufgebaut. Der Ostflügel ist für Besucher geöffnet. Sein Untergeschoss birgt die Gotische Halle, eines der schönsten Zeugnisse fränkischer Profanarchitektur auf der Insel: 27,3 Meter lang, 6,8 Meter breit und 5,7 Meter hoch, mit vier aufeinanderfolgenden Kreuzgewölben, die an die Gotik Burgunds und Südfrankreichs im 13. Jahrhundert erinnern.
Im Erdgeschoss zeigt das Museum Funde aus dem Heiligtum der Aphrodite, darunter den kegelförmigen Baityl, eine kleine Sammlung von Figuren, eine Tonwanne für den Wassertransport und die riesige Vorratsamphore des 13. oder 12. Jahrhunderts v. Chr. mit reliefverziertem Henkel. Der Boden zeigt ein römisches Mosaik aus dem Gebiet Alonia. Der Obergeschosssaal führt chronologisch von der Kupfersteinzeit bis in die osmanische Epoche. Dort steht das Original des Mosaiks „Leda und der Schwan“.
Zu den bedeutendsten Stücken zählt ein Sarkophag aus Kalkstein vom 6. Jahrhundert v. Chr., der 2006 im Gebiet Kato Alonia gefunden wurde. Er steht auf Löwenpranken und trägt farbige Reliefs: eine Kampfszene mit Herakles in der Mitte, eine Szene aus der Odyssee, in der Odysseus und seine Gefährten unter den Bäuchen der Schafe aus der Höhle des Kyklopen Polyphem entkommen, einen Krieger mit einem Verwundeten auf der Schulter und den Kampf einer Löwin gegen einen Keiler. Ein Relief der Verkündigung stammt aus der nahen Kirche Panagia Katholiki. Im Hof des Herrenhauses findet jährlich das Aphrodite-Festival mit Oper, Dichtung, Chorgesang und Ballett statt.

Welche Rolle spielte der Zucker für Koúklia?
Nach dem Untergang des Kultes verlor Palaipáfos an Bedeutung. Siedlungsspuren reichen bis ins 7. Jahrhundert n. Chr.; Öllampen mit dem Chi-Rho-Zeichen oder dem Kreuz belegen eine christliche Bevölkerung. Der Ort wurde zu einer unbedeutenden Gemeinde. Im 12. Jahrhundert blühte er unter dem Namen Kouvouklia wieder auf, vor allem durch die Zuckerindustrie. Die Lusignan errichteten im 13. Jahrhundert das Herrenhaus auf dem Heiligtumsgelände und die Zuckeranlagen im Gebiet Stavros. Die Zuckerrohrplantagen und die Raffinerie des Bezirks Páfos liefen unter der Leitung eines königlichen Beamten. Die Zuckermühle von Koúklia ist eine von nur drei mittelalterlichen Zuckerrohrmühlen auf der Insel und gehört zu den wenigen im Mittelmeerraum, die ihre wichtigsten Funktionsteile behalten haben.
Nach 1571 fiel der Ort an die Osmanen und wurde zum Lagerplatz für Weizen und Baumwolle. Reisende erwähnen die reichen Ernten und die Seidenraupenzucht. Das Herrenhaus diente als Verwaltungssitz eines Großgutes. Seit 1951 gehört es dem Staat. Im 19. Jahrhundert beschrieben Reisende Koúklia als fast verlassenes Dorf mit wenigen griechischen und türkischen Familien. Dennoch blieb die alte Religion im Volksglauben spürbar: Bis vor wenigen Jahren zündeten junge Mütter an einem Pfeiler auf dem Heiligtumsgelände Kerzen zu Ehren der Panagia Galatariotissa an, der „Jungfrau, die den Müttern Milch gibt“.
Was lohnt in der Umgebung von Palaipáfos?
Östlich des Heiligtums steht die Kirche Panagia Katholiki, ein bedeutendes mittelalterliches Bauwerk des 12. oder 13. Jahrhunderts mit kreuzförmigem Grundriss und runder Kuppel. Das westliche Schiff kam im 16. Jahrhundert hinzu. Die Wandmalereien des 15. Jahrhunderts sind stark beschädigt. An der Westwand siehst du die Flüsse Tigris und Euphrat als zwei Köpfe, aus denen Wasser strömt, ein Teil des Gartens Eden am Jüngsten Tag. Im Dorf stehen die kreuzförmige Panagia Hodegetria aus dem 13. Jahrhundert mit Malereien des 15. Jahrhunderts und die Lukaskirche, an der jedes Jahr am 17. Oktober ein großes Kirchenfest zu Ehren des Heiligen stattfindet.
Weitere Anlagen sind die Befestigung auf dem Hügel Marcello mit dem Nordwesttor von Palaipáfos, ein spätklassisches Königsgrab und die Ölpresse von Styllarka. Dort fanden sich zwei durchlöcherte Kalksteinpfeiler, die als Drehpunkte für die Balken der Ölmühle dienten. Auch Bauten zu Aphrodite stehen im Verbund: Die Aphrodite-Kulturroute verbindet Palaipáfos mit Amathous bei Limassol und mit Kítion bei Lárnaka. Zur Route zählen außerdem Nea Páfos, die kupfersteinzeitliche Siedlung von Lempa, Geroskipou und Tamassos. Wer dem Mythos in der Landschaft folgen möchte, besucht auf der Halbinsel Akamas die Bäder der Aphrodite.

Wie planst du den Besuch von Palaipáfos?
Von Páfos aus erreichst du Koúklia am bequemsten mit dem Mietwagen über die Autobahn zwischen Páfos und Limassol. Plane für Gelände und Museum etwa zwei Stunden ein, mit Pétra tou Romiou einen halben Tag. Öffnungszeiten und Eintrittspreise ändern sich; erfrage sie vor dem Besuch bei der Altertümerverwaltung (Department of Antiquities). Auf dem Gelände erklären zwei große Tafeln der Aphrodite-Kulturroute die Göttin und ihren Kult.
Wer sich für die Mythologie interessiert, verbindet den Tag mit dem Archäologischen Park in Páfos und mit dem Strand an Aphrodites Felsen. Der Park mit den Mosaiken ergänzt das Bild, weil dort die Nachfolgestadt lag, in die das Königreich ab etwa 320 v. Chr. umzog. Für den Kulturhintergrund hilft ein Blick in die Seiten zur römischen Zeit und zur Hellenisierung der Insel.
Häufige Fragen zu Palaipáfos
Wo liegt Palaipáfos?
Beim Dorf Koúklia im Bezirk Páfos, auf etwa 85 Metern Höhe über der Küstenebene.
Seit wann steht Palaipáfos auf der Welterbeliste?
Seit 1980. Es war die erste Stätte Zyperns auf der UNESCO-Welterbeliste.
Wie lange wurde Aphrodite in Palaipáfos verehrt?
Ab etwa 1200 v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr., also mehr als 1.600 Jahre.
Was ist ein Baityl?
Ein kegelförmiger Stein aus Andesit, der die Göttin als Kultbild vertrat. Das Original zeigt das Museum von Koúklia.
Wer gründete das Heiligtum?
Die Überlieferung kennt zwei Gründer: den Griechen Agapenor von Tegea und den zyprischen Priesterkönig Kinyras. Beides sind Legenden.
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