Idalion – antikes Stadtkönigreich bei Dali
Idalion war ein Stadtkönigreich im Inselinneren und lag beim heutigen Dorf Dali südlich von Nikosia am Fluss Yialias. Die Stadt besaß zwei Akropolen mit Palast, Athena-Tempel und Heiligtümern, handelte mit Kupfer und hinterließ die berühmte Bronzetafel in zyprischer Silbenschrift, die heute in Paris liegt.
| Lage | bei Dali im Bezirk Nikosia, am Fluss Yialias |
| Zeit | Siedlung ab der späten Bronzezeit, Königreich der Eisenzeit bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. |
| Stadtbild | zwei Akropolen, Unterstadt, Stadtmauer, Gräberfelder im Osten und Westen |
| Götter | Athena auf der Westakropolis, Aphrodite im Osten, Apollon im Tal dazwischen |
| Sagen | Gründung durch den Helden Chalkanor, Tod des Adonis |
| Berühmtester Fund | Bronzetafel mit 31 Zeilen in zyprischer Silbenschrift |
| Route | Teil der Aphrodite-Kulturroute, mit Museum und Besucherzentrum |
| Grabungen | schwedische, amerikanische und zyprische Teams seit 1927 |
Was war Idalion und wo liegt die Stätte?
Idalion gehört zu den Stadtkönigreichen, aus denen die Insel in der Eisenzeit bestand. Anders als Salamis, Kítion oder Amathous lag die Stadt nicht am Meer, sondern im Landesinneren, beim Dorf Dali im Bezirk Nikosia. Sie erhob sich am Fluss Yialias auf zwei Hügeln, die den Ort überragten und in der Antike als Akropolen dienten.
Die Stätte ist eine der wichtigsten Zyperns und gehört zur Aphrodite-Kulturroute, die Orte der Liebesgöttin auf der Insel verbindet. Ein Museum und Besucherzentrum zeigt Funde aus der Umgebung, viele weitere Stücke befinden sich in großen Museen in aller Welt. Die Funde kommen sowohl aus Siedlungen als auch aus Gräberfeldern.
Wer nach Idalion fährt, sollte nicht mit einer geschlossenen Ruinenstadt wie in Kourion rechnen. Der Reiz liegt im Zusammenspiel von Landschaft, Grabungsflächen und der Geschichte, die sich daran knüpft. Die Stadt liegt eingebettet in Felder und niedrige Hügel, und jede der Grabungen hat einen anderen Ausschnitt ihrer Vergangenheit freigelegt.
Welche Sagen knüpfen sich an Idalion?
Die Überlieferung führt die Gründung auf Chalkanor zurück, einen achäischen Helden des Trojanischen Krieges. Er stammte von Teukros ab, dem Gründer von Salamis, und wählte der Überlieferung nach den Platz der Stadt nach einem Orakelspruch. Wie bei vielen antiken Städten verbindet die Sage damit den Ort mit der Welt der griechischen Helden.
Noch bekannter ist der Mythos von Adonis. In der antiken Mythologie war er der Geliebte der Aphrodite und wurde in der Gegend von Idalion von einem Eber getötet, den der eifersüchtige Kriegsgott Ares geschickt hatte. Der Mythos verbindet die Stätte mit Aphrodite und erklärt, warum sie auf der Aphrodite-Kulturroute liegt. Die Archäologen haben in Idalion später tatsächlich ein Heiligtum des Adonis ausgegraben; mehr dazu bei den Heiligtümern.

Wie war die Stadt aufgebaut?
Idalion bestand aus zwei Akropolen und einer Unterstadt an den Nordhängen und in der Ebene davor. Die westliche Akropolis hieß Ambelleri. Hier lag das Verwaltungszentrum des Königreichs mit dem Palastkomplex. Die östliche Akropolis war ein religiöser Mittelpunkt mit zahlreichen Heiligtümern. Eine Stadtmauer lässt sich entlang beider Hügel verfolgen.
Schon am Ende der späten Bronzezeit war die Westakropolis eine befestigte Siedlung mit einem Kultplatz. Er gehört zu den rund sechzehn bekannten heiligen Räumen jener Epoche auf Zypern. In ihm fanden die Ausgräber acht Stierfiguren aus Ton und eine aus Elfenbein. Mehr zu dieser Epoche steht im Kapitel zur Bronzezeit.
Die Gräber lagen außerhalb der Stadt in zwei Nekropolen. Im Osten befinden sich Gräber der späten Bronzezeit und der geometrischen Zeit, im Westen solche von der archaischen bis zur griechisch-römischen Epoche. Rund hundert Grabinventare aus der kyprogeometrischen bis zur kyproklassischen Zeit hat die Altertümerverwaltung freigelegt. Gräber bewahren Keramik, Schmuck und Gerät, wo die Siedlung längst verschwunden ist.
Welche Heiligtümer gab es in Idalion?
Die Götterwelt der Stadt spiegelte die Lage Zyperns zwischen griechischer und östlicher Welt. Auf der Westakropolis stand der Tempel der Athena. Die Göttin war dort mit der phönizischen Anat gleichgesetzt, und der heilige Bezirk bestand von der späten kyprogeometrischen Zeit bis zum Beginn der kyproklassischen Zeit. Auf der Ostakropolis lag ein Bezirk der Aphrodite. Im Tal zwischen beiden Hügeln befand sich der Bezirk des Apollon, der mit dem phönizischen Reshef verschmolzen war.
Die Heiligtümer von Aphrodite und Apollon wurden im späten 19. Jahrhundert nur in kurzen Grabungen untersucht und brachten Skulpturen aus Stein und Ton hervor. Heute ist von ihnen nichts mehr zu sehen. Auf der Westakropolis sind der Athena-Tempel und Spuren des Königspalastes auf einer Terrasse darunter erkennbar.
Spätere Grabungen entdeckten weitere Heiligtümer. Das Heiligtum der gepaarten Gottheiten, an dem seit 2002 gearbeitet wird, lieferte Steinaltäre, Aschegruben, ein Paar aufrecht stehender Steine und Kalksteinfiguren. In der Grabungssaison 2012 entfernten die Ausgräber die Standsteine und fanden darunter Reste von zwei hölzernen Säulen, die bei der Eroberung durch Kítion um 450 v. Chr. zerstört wurden. Das Heiligtum des Adonis stammt aus hellenistischer Zeit, doch frühere Schichten reichen bis ins 11. Jahrhundert v. Chr. zurück.
Was verrät die Bronzetafel von Idalion?
Das berühmteste Stück aus Idalion ist eine Bronzetafel, die Bauern kurz vor den 1850er-Jahren bei Dali fanden. Sie trägt auf beiden Seiten Schrift, insgesamt 31 Zeilen: 16 auf der einen und 15 auf der anderen Seite. Die beschriebene Fläche misst 21,4 mal 14 Zentimeter, die Tafel ist vier bis sechs Millimeter stark und besitzt einen Griff. Der Text ist der längste und am besten erhaltene Text in zyprischer Silbenschrift, einer Schrift, in der auf Zypern Griechisch geschrieben wurde.
Inhaltlich geht es um eine Belagerung. Die Stadt wurde von Medern, also Persern, und von Kitiern belagert. Die Belagerung scheiterte. König Stasikypros und die Stadt baten den Arzt Onasilos, Sohn des Onasikypros, und dessen Brüder, die Verwundeten zu versorgen, und sicherten ihnen dafür eine Gegenleistung zu. Onasilos ist der erste bekannte Leiter eines solchen Ärzteteams. Der Text entstand im ersten Viertel des 5. Jahrhunderts v. Chr., und damit vor der Zerstörung des Heiligtums um 470 v. Chr.
Der Weg der Tafel nach Frankreich ist eine eigene Geschichte. Sie gelangte über einen Vermittler an Honoré Théodoric d’Albert de Luynes, der seine Sammlungen 1862 und 1863 der Nationalbibliothek in Paris schenkte. Dort liegt sie im Münzkabinett. Im Museum von Idalion ist seit 2010 eine Kopie ausgestellt. Die Tafel zeigt, dass die Stadt schon im 5. Jahrhundert v. Chr. Verwaltungsvorgänge schriftlich festhielt und eine Gemeinschaft hatte, die sich als Polis verstand.

Wie wurde Idalion zum Teil von Kítion?
Der Name Idalion taucht in den Schriften der assyrischen Könige auf. Das Prisma des Königs Asarhaddon aus dem Jahr 673 v. Chr. führt Idalion unter den zehn Königssitzen Zyperns auf. Das Königreich blühte bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Dann wurde die Hauptstadt von den phönizischen Königen von Kítion belagert und erobert.
Danach regierte Kítion die Stadt, und die Könige führten den Titel König von Kítion und Idalion. Phönizische Inschriften belegen die Anwesenheit der Phönizier. Auch unter dieser Herrschaft blühte Idalion weiter, und die Stadt bestand bis in hellenistische und griechisch-römische Zeit. Die Zeit der Königreiche im Überblick behandelt das Kapitel zur kyproklassischen Zeit.
Ein Zeugnis der Eigenständigkeit sind die Münzen. Kurz vor 500 v. Chr. prägte Idalion eigenes Geld, auf der Vorderseite mit einer Sphinx, auf der Rückseite mit einer Lotosblüte. Die königliche Münzprägung mit eigenen Dynastiezeichen reicht vom Ende des 6. bis in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Ein Königreich, das eigene Münzen schlug, zählte zu den selbstbewussten Mächten der Insel.
Wer hat Idalion erforscht?
Die erste große Grabung führte der Schwede Einar Gjerstad mit der Schwedischen Zypern-Expedition von 1927 bis 1931 durch. Sie legte die Westakropolis frei und veröffentlichte acht Bände. Von 1971 bis 1980 grub die Gemeinsame Amerikanische Expedition unter Lawrence Stager und Anita Walker; ihre Ergebnisse füllen zwei Bände.
Seit 1987 arbeitet ein Team unter Pamela Gaber an den Heiligtümern des Adonis und der gepaarten Gottheiten. Neben diesen beiden Fundorten gibt es eine dritte Fläche mit einer Anlage, in der 2013 Hinweise auf eine frühe Färberei gefunden wurden, die bis in die hellenistische Zeit weiterbestand. Die Altertümerverwaltung Zyperns grub von 1991 bis 2012 unter Maria Hadjicosti im Verwaltungszentrum auf der Westakropolis.
Idalion war außerdem seit dem dritten Jahrtausend v. Chr. ein Zentrum des Kupferhandels. Der Reichtum der Stadt hing damit am gleichen Rohstoff wie der von Tamassos, dem Kupferkönigreich bei Politiko.
Wie verbindest du Idalion mit weiteren Zielen?
Idalion liegt südlich der Hauptstadt und lässt sich gut mit einem Tag in Nikosia verbinden. Funde aus Stätten wie Idalion sind im Zypern-Museum zu sehen. Wer dem Weg der Göttin folgen will, besucht neben Idalion auch Palaipáfos, Amathous und Kítion. Eine Übersicht aller Orte liefert die Seite zu den Stätten der alten Geschichte.
Öffnungszeiten, Eintritt und Zugänglichkeit ändern sich; erfrage sie vor der Fahrt beim Fremdenverkehrsamt oder bei der Altertümerverwaltung.
Häufige Fragen zu Idalion
Wo liegt Idalion?
Beim Dorf Dali im Bezirk Nikosia, im Inselinneren am Fluss Yialias.
Wie endete das Königreich?
In der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. belagerten und eroberten die phönizischen Könige von Kítion die Hauptstadt.
Was steht auf der Bronzetafel?
Ein Text in zyprischer Silbenschrift über die Belagerung durch Meder und Kitier und die Bitte an den Arzt Onasilos und seine Brüder, Verwundete zu versorgen.
Wo ist die Bronzetafel heute?
Im Münzkabinett der Nationalbibliothek in Paris. Eine Kopie steht im Museum von Idalion.
Was hat Idalion mit Adonis zu tun?
Der Mythos lässt den Geliebten der Aphrodite in der Gegend von einem Eber töten. Archäologen haben dort ein Heiligtum des Adonis ausgegraben.
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