Amathous – antikes Stadtkönigreich bei Limassol
Amathous war eines der Stadtkönigreiche der Eisenzeit auf Zypern und lag an der Südküste östlich von Limassol. Die Stadt bestand rund siebzehn Jahrhunderte, bis das Leben am Ende des 7. Jahrhunderts n. Chr. zum benachbarten Hafen Limassol wanderte. Zu sehen sind Akropolis mit Aphrodite-Heiligtum, Agora, Bäder, Mauern, Hafenreste und Nekropolen.
| Lage | Agios Tychonas, Südküste östlich von Limassol |
| Epoche | Stadtkönigreich vom 11. bis 4. Jahrhundert v. Chr., besiedelt bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. |
| Fläche | etwa 40 Hektar, von einer Mauer seit archaischer Zeit umgeben |
| Akropolis | Hügel im Westen, rund 80 Meter über dem Meer |
| Heiligtum | Aphrodite, in antiker Zeit als „Kypria“ bekannt |
| Besonderheit | zwei riesige Steinvasen am Heiligtumseingang, eine davon im Louvre |
| Route | Teil der Aphrodite-Kulturroute |
| Grabungen | französische Mission seit 1975 mit der Altertümerverwaltung Zyperns |
Was ist Amathous und wo liegt die antike Stadt?
Amathous ist eine ausgedehnte Ausgrabungsstätte an der Südküste Zyperns, im Gebiet von Agios Tychonas östlich von Limassol. Die Stadt gehört zu den bedeutenden Stadtkönigreichen der Insel. Ein Königreich war in der Eisenzeit eine politische Einheit aus einer Hauptstadt und dem Land darum, mit eigenem König, eigenem Heiligtum und eigener Verwaltung. Zypern bestand damals aus mehreren solcher Königreiche. Neben Amathous zählen dazu Kítion bei Lárnaka, Palaipáfos bei Páfos, Salamis und Kourion.
Das Gelände liegt am Meer und wird heute von einem Küstenstreifen mit Hotels und Straßen umgeben. Gerade das macht den Besuch reizvoll: Zwischen modernen Gebäuden liegt eine Stadt, die rund siebzehn Jahrhunderte lang bewohnt war. Amathous ist an die Aphrodite-Kulturroute angeschlossen, die Stätten der Liebesgöttin auf der Insel miteinander verbindet. Dazu gehören auch Palaipáfos und Kítion.
Wie entstand das Königreich Amathous?
Die Stadt entstand am Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. und war bis in die frühhellenistische Zeit die Hauptstadt eines eigenen Königreichs. Als Zeitraum der zyprischen Stadtkönigreiche gilt das 11. bis 4. Jahrhundert v. Chr. Die eisenzeitliche Stadt lag auf einem Hügel am Meer, der sich zur Akropolis entwickelte, und breitete sich später in die Ebene östlich davon aus. Sie wurde fast siebzehn Jahrhunderte lang genutzt.
Über die Herkunft der Bewohner gibt es eine antike Legende. In ihr sind die Menschen von Amathous „echte Zyprer“, sogenannte Eteokyprer, Gefährten des Königs Kinyras, die sich im späten 2. Jahrtausend v. Chr. gegen die Hellenisierung der Insel wehrten. Die Grabungsfunde bestätigen das Bild einer abgeschotteten Gemeinschaft nicht. Sie zeigen eine weltoffene, vielfältige Kultur, die der des übrigen Zyperns gleicht. Mehr über die Zeit vor und während der Königreiche findest du bei der Bronzezeit, der geometrischen Zeit und der archaischen Zeit auf Zypern.
Zur Stadt gehört auch ein Mythos. In der Sage ließ der griechische Held Theseus die schwangere Ariadne in Amathous zurück, wo sie von den Frauen der Stadt versorgt wurde. Die Sage verbindet die Stadt mit den großen Erzählungen des Mittelmeerraums.

Was zeigt die Akropolis mit dem Aphrodite-Heiligtum?
Die Akropolis liegt auf dem Hügel im Westen des Stadtgebiets, etwa 80 Meter über dem Meer. Das Gelände ist sehr uneben. Von hier aus hatte man die Küste im Blick, und die Lage machte den Hügel zu einem natürlichen Bollwerk. Auf der Akropolis standen das Heiligtum der Göttin und ein Palastbau.
Das Heiligtum der Aphrodite war in der Antike als „Kypria“ berühmt, und seine Reste prägen die Akropolis bis heute. Die französischen Ausgräber fanden ein großes Heiligtum der Großen Göttin der Insel. In archaischer Zeit wurde sie in der Gestalt der ägyptischen Hathor dargestellt, spätestens seit dem Ende der klassischen Zeit setzte man sie mit Aphrodite gleich. Zu den Funden zählen ein Hathor-Kapitell und eine Statue der Aphrodite. In Amathous wurde die Göttin als Aphrodite-Astarte verehrt, also in einer Verbindung griechischer und vorderorientalischer Züge, wie sie auf Zypern häufig ist.
Weihegaben belegen, dass dort seit der Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. ein Heiligtum bestand. Über Jahrhunderte war es ein heiliger, umfriedeter Bezirk, in dem rund um einen Altar Zeremonien und Weihungen stattfanden. Die Verehrung brauchte kein Hauptgebäude. In der Kaiserzeit wurde im Heiligtum ein Tempel errichtet, und in der Spätantike kam eine kleine Basilika hinzu. An die Stelle der alten Kulte trat damit das Christentum.
Auch ein Palast lag auf dem Hügel. Die Ausgräber legten mehrere Räume eines palastartigen Gebäudes frei, das auf das 8. Jahrhundert v. Chr. zurückgeht. Der freigelegte Teil sind Vorratsräume im Süden der Akropolis. Mit dem Ende des Königreichs verlor die Akropolis ihre Bedeutung, und das Leben verlagerte sich in die Unterstadt.
Warum sind die Riesenvasen von Amathous berühmt?
Am Eingang des Heiligtums standen zwei gewaltige Gefäße, ausgehöhlt aus einem einzigen Steinblock. Sie gehören in die späte archaische Zeit und gehören zu den auffälligsten Objekten der ganzen Stätte. Die großen Steingefäße auf der Akropolis zählen zu den frühesten Entdeckungen an der Stätte.
Eine der beiden Vasen kam Mitte des 19. Jahrhunderts nach Paris. Dort steht sie heute in den Sammlungen zypriotischer Kunst des Louvre und wird als „große Vase von Amathous“ bezeichnet. An ihrem alten Platz im Heiligtum steht eine moderne Nachbildung. Wer das Original sehen möchte, findet es also in Paris, während der Fundort mit seinem Heiligtum, der Aussicht und dem Gelände in Zypern liegt.
Zwei so große Gefäße am Eingang machten den Zugang zum Heiligtum unübersehbar. Dass nur noch eine Nachbildung an Ort und Stelle steht, ist bei Besuchen ein guter Anlass, den Eingangsbereich genauer anzusehen: Er zeigt, wie das Heiligtum von außen betreten wurde.
Wie sah die Unterstadt mit Agora und Bad aus?
Östlich des Akropolishügels erstreckte sich die Unterstadt bis zum Meer. Ihr Mittelpunkt war die Agora, der Marktplatz und traditionelle Treffpunkt für Handel und Politik. In römischer Zeit war sie um einen großen, mit Steinplatten gepflasterten Hof angelegt. Drei Seiten des Hofes begrenzten Säulenhallen, an der vierten Seite verlief die Hauptstraße der Unterstadt. Die Westhalle öffnete sich mit 13 dorischen Säulen zum Hof.
Am Nordende der Westhalle stand ein Brunnenhaus, ein Nymphäum, später kam eine Zisterne hinzu. Die Gebäude hinter der Nordhalle sind stark beschädigt. Dort standen die wichtigsten Verwaltungs- oder Kultbauten der Stadt.
Südlich der Agora liegt ein öffentliches Bad, das Balaneion, mit einem geschlossenen runden Raum und Nebenräumen. Dieses Bad und ein Teil der Westhalle gehen auf die hellenistische Zeit zurück. Sie gehören zu den frühesten Zeugnissen menschlicher Tätigkeit in diesem Bereich. Wer die Anlage abgeht, versteht so die Abfolge: Aus einem hellenistischen Kern wuchs ein römischer Marktplatz mit Hallen, Brunnen und Bädern.
Im Norden grenzt ein weiter kaiserzeitlicher Stadtteil an das Nordtor. Er zeigt, dass Amathous auch unter römischer Herrschaft ein bedeutender Ort blieb. Die römische Zeit auf Zypern kannst du im Geschichtskapitel nachlesen.

Welche Rolle spielten Mauern und Hafen?
Seit der archaischen Zeit war die Stadt von einer Mauer umgeben. Die Ausgräber haben mehrere Abschnitte untersucht, darunter Teile am Nordtor. In hellenistischer Zeit wurde die Befestigung verstärkt, als man den Hafen anlegte. Die Südwestecke der Meeresmauer, ein Turm im Westen und große Teile der Nordmauer mit Türmen sind erhalten, zum Teil unter Wasser. Die Nordmauer verband den Fuß der Akropolis mit dem höchsten Punkt der Unterstadt, und ein Tor in der Mitte ließ Reisende aus dem Landesinneren herein.
Besonders eindrucksvoll ist der Hafen. In frühhellenistischer Zeit entstand ein großer Kriegshafen, dessen Reste heute unter Wasser liegen. Der Außenhafen lag vor dem Markt. Man kann sich leicht vorstellen, wie die Stadt vom Meer her wirkte: Mauer, Hafen und die Akropolis darüber bildeten eine geschlossene Front.
Mauer und Hafen gehörten zusammen: Die Stadt war am Meer befestigt und zugleich durch einen Hafen mit dem Seeweg verbunden.
Was verraten Nekropolen und frühchristliche Bauten?
Rund um die Stadt breiten sich Nekropolen aus, die mehrere hundert Meter weit reichen. Zwei große Gräberfelder mit in den Fels geschlagenen Gräbern liegen im Osten und im Westen. Die Funde reichen von der geometrischen und archaischen über die römische bis in die frühchristliche Zeit. Gräber sind für die Forschung besonders wertvoll, weil sie Beigaben bewahren, die in Siedlungen längst verschwunden sind: Keramik, Schmuck, kleine Skulpturen und Gerätschaften des täglichen Lebens.
In der Spätantike war Amathous Sitz eines Bischofs. Mehrere frühchristliche Basiliken zeugen davon, darunter die Basilika auf der Akropolis, die an die Stelle des alten Aphrodite-Kults trat. Bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. blühte die Stadt. Dann endete die Besiedlung, und die Bewohner zogen zum benachbarten Hafen Limassol. Die Erinnerung an die Stätte ging nie verloren, und im 19. Jahrhundert erkundeten Reisende und Gelehrte das Gelände und fanden Inschriften und Fundstücke, darunter die große Vase.
Eine weitere Spur führt weit in die Vorgeschichte zurück. Bei einer Geländebegehung Anfang der 1990er-Jahre wurden in der Umgebung zwei der ältesten jungsteinzeitlichen Fundplätze Zyperns entdeckt: Parekklisha-Shillourokambos und Agios Tychonas-Klimonas. Auch dort arbeiteten die französischen Teams. Zur ältesten Besiedlung der Insel lohnt sich der Blick in die Jungsteinzeit und zur Steinzeitsiedlung Choirokoitia.
Wer erforscht Amathous seit wann?
Nach der Unabhängigkeit Zyperns 1960 führte die Altertümerverwaltung Notgrabungen und systematische Grabungen durch. Seit 1975 arbeitet eine französische Mission an der Stätte, gemeinsam mit der Altertümerverwaltung Zyperns. Getragen wird sie vom französischen Außenministerium und der Französischen Schule in Athen. Wissenschaftlicher Leiter war zuerst Pierre Aupert, bis 2002. Es folgten Sabine Fourrier, Antoine Hermary und ab 2017 Anna Cannavò.
Seit 2014 baut das Team ein geografisches Informationssystem für die Stadt auf. Es verknüpft eine digitale Karte mit historischen und archäologischen Datenbanken. So lassen sich Funde, Mauern und Gräber in einem gemeinsamen Plan überblicken. Die Arbeit zeigt, dass Amathous kein abgeschlossenes Kapitel ist: Jede Grabung verändert das Bild der Stadt.
Wie verbindest du Amathous mit weiteren Zielen?
Amathous liegt im Bezirk Limassol und lässt sich gut mit anderen antiken Stätten der Gegend verbinden. Die Küstenstraße führt ostwärts nach Lárnaka und westwärts zum antiken Kourion. In der Nähe liegen die Burg Kolossi und die Villa des Eustolios. In Limassol selbst erinnern das Stadion und das Haus der Gladiatoren an die Antike.
Wer dem Weg der Göttin folgen will, besucht neben Amathous die Heiligtümer von Palaipáfos und die Stätten von Kítion. Planst du eine Rundreise durch den Süden, ordne die Orte von Westen nach Osten: Páfos, Kourion, Amathous, Lárnaka. Öffnungszeiten ändern sich; erfrage sie vor der Fahrt beim Fremdenverkehrsamt oder bei der Altertümerverwaltung.
Häufige Fragen zu Amathous
Wo liegt Amathous?
Im Gebiet von Agios Tychonas an der Südküste, östlich von Limassol.
Wie lange war Amathous bewohnt?
Rund siebzehn Jahrhunderte, vom Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. bis ins 7. Jahrhundert n. Chr.
Welcher Göttin war das Heiligtum geweiht?
Der Aphrodite, die in Amathous als Aphrodite-Astarte verehrt wurde. In archaischer Zeit zeigte man die Große Göttin der Insel als ägyptische Hathor.
Wo ist die große Vase von Amathous?
Eine der beiden Riesenvasen steht im Louvre in Paris. Am Fundort im Heiligtum steht eine moderne Nachbildung.
Wer gräbt in Amathous?
Eine französische Mission arbeitet dort seit 1975 gemeinsam mit der Altertümerverwaltung Zyperns.
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