Geschichte
Nikosía (Lefkosía) ist seit dem Mittelalter Zyperns Hauptstadt. Die Stadt erlebte ihre Blüte unter den Lusignan-Königen (1192–1489), erhielt im 16. Jahrhundert die venezianische Ringmauer mit elf Bastionen und fiel 1570 an die Osmanen. Nach britischer Kolonialzeit ist Nikosía seit 1974 entlang der Green Line geteilt – die letzte geteilte Hauptstadt Europas.
| Antike Namen | Ledra, Lefkosía (ab 312–285 v. Chr.) |
| Hauptstadt seit | Zeit der Arabereinfälle (648–965 n. Chr.) |
| Blütezeit | Lusignan-Herrschaft 1192–1489 |
| Venezianische Stadtmauer | 1567–1570, elf Bastionen |
| Osmanische Eroberung | 1570 |
| Britische Zeit | 1878–1960 |
| Geteilt seit | 1974 (Green Line) |
Wie alt ist Nikosía?
Die Besiedlung des Stadtgebietes reicht weit in die neolithische Zeit (6. bis 4. Jahrtausend v. Chr.) zurück. Später taucht die Stadt als Ledra (auch Liti, Ledrae, Ledroi und Letra) auf. Herrscher des alten Ledra war König Onasagoras, einer jener zehn zyprischen Könige, die im 7. Jh. v. Chr. dem Assyrerherrscher Asarhaddon tributpflichtig waren.
In der Zeit von 312 bis 285 v. Chr. baute Lefkos, Sohn des Ptolemäers Soter, den Ort weiter aus. Er gab der Stadt auch den Namen Lefkosía, den sie seit einigen Jahren wieder offiziell trägt. Lange Zeit spielte der Ort jedoch keine wesentliche Rolle, denn die Römer bevorzugten die südwestliche Küstenregion; mehrfach soll die Stadt zudem von Erdbeben zerstört worden sein. Erst im 4. Jh. n. Chr. wurde Nikosía – nun unter der Bezeichnung Leukothea und Leuteon – Bischofssitz und gewann wieder an Bedeutung.
Wie wurde Nikosía zur Hauptstadt?
Hauptstadt wurde Nikosía in der Zeit der Arabereinfälle (648–965 n. Chr.): Die Byzantiner flüchteten aus den bedrohten Küstenregionen in das ihnen sicherer erscheinende Landesinnere und ernannten die Stadt zur Landeshauptstadt. Diese zentrale Lage im fruchtbaren Mesaoria-Tal sicherte ihr seither den Rang als politisches Zentrum der Insel.
Die größte Blütezeit erlebte Nikosía während der Herrschaft der Lusignans (1192–1489). Die Stadt wurde Sitz der Könige und Treffpunkt der griechischen, französischen und armenischen Adligen. Es entstanden prächtige Kirchen, Paläste und die gotische Kathedrale. Später wurde Nikosía durch Genuesen und Mamelucken geplündert und zerstört, doch die Grundsubstanz blieb erhalten. Wer tiefer in diese Epoche eintauchen möchte, findet Hintergründe in unserem Überblick zur Geschichte Zyperns.
Was hat es mit der venezianischen Stadtmauer auf sich?
Als die Venezianer in Nikosía siedelten, errichteten sie von 1567 bis 1570 einen festungsartigen Stadtwall, um sich der erwarteten türkischen Angriffe erwehren zu können. Die kreisrunde Ringmauer mit ihren elf sternförmigen Bastionen gilt bis heute als Meisterwerk der Festungsbaukunst der Renaissance und prägt den Grundriss der Altstadt.
Um ein gut überschaubares Schussfeld zu schaffen, wurden vor den Wällen sämtliche Gebäude dem Erdboden gleichgemacht – wertvolle Bausubstanz ging dabei für immer verloren, so insbesondere die Abtei des heiligen Domenikus, in der fast alle Lusignan-Könige bestattet waren. Mehr zu dieser Epoche lesen Sie in unserem Beitrag zur venezianischen Herrschaft auf Zypern.
Wie kam Nikosía unter osmanische und britische Herrschaft?
Trotz der mächtigen Befestigung gelang es den Osmanen, 1570 die Stadt einzunehmen. Ihre Herrschaft veränderte das Stadtbild wesentlich: Kathedralen und Kirchen wurden zu Moscheen umgewandelt, und es entstanden Basare und Khans (Karawansereien). So wurde aus der gotischen Sophienkathedrale die Selimiye-Moschee, deren Minarette noch heute die Silhouette der Altstadt prägen.
1878 übernahm Großbritannien die Verwaltung der Insel, die 1925 förmlich zur Kronkolonie wurde. Nikosía blieb in dieser Zeit Verwaltungssitz und entwickelte sich über die Stadtmauern hinaus. 1960 wurde Zypern unabhängig, und Nikosía wurde Hauptstadt der neuen Republik.
Warum ist Nikosía heute geteilt?
Seit 1974 ist Nikosía eine geteilte Hauptstadt. Nach den Spannungen zwischen den griechisch- und türkisch-zyprischen Volksgruppen und den Ereignissen jenes Jahres verläuft eine Pufferzone der Vereinten Nationen, die sogenannte Green Line, mitten durch die Stadt. Sie trennt den südlichen, von der Republik Zypern verwalteten Teil vom nördlichen Teil.
Damit ist Nikosía heute die letzte geteilte Hauptstadt Europas. Mehrere Übergänge – darunter der Fußgängerübergang an der Ledra-Straße – verbinden inzwischen wieder beide Stadthälften. Die Altstadt innerhalb der venezianischen Mauern lässt sich auf beiden Seiten besichtigen; weitere Informationen findest du in unserem Reiseporträt zu Nikosía.
Häufige Fragen zur Geschichte Nikosías
Seit wann ist Nikosía die Hauptstadt Zyperns?
Nikosía wurde während der Arabereinfälle (648–965 n. Chr.) zur Hauptstadt, als sich die Byzantiner aus den Küstenregionen ins Landesinnere zurückzogen. Seither ist die Stadt politisches Zentrum der Insel.
Wer baute die Stadtmauer von Nikosía?
Die kreisrunde Ringmauer mit elf Bastionen wurde von den Venezianern zwischen 1567 und 1570 errichtet, um die Stadt gegen die drohenden osmanischen Angriffe zu verteidigen.
Wann wurde Nikosía osmanisch?
Die Osmanen eroberten Nikosía 1570. Sie wandelten viele Kirchen in Moscheen um und errichteten Basare und Karawansereien (Khans), was das Stadtbild bis heute prägt.
Warum ist Nikosía geteilt?
Seit 1974 verläuft die von den Vereinten Nationen überwachte Green Line durch die Stadt und trennt den Süden vom Norden. Nikosía gilt damit als letzte geteilte Hauptstadt Europas.
Entdecke die Hauptstadt in unserem Porträt zu Nikosía, lies mehr über die prägende venezianische Herrschaft oder verschaffe dir mit unserem Geschichtsüberblick ein Gesamtbild. Weitere Orte findest du in der Übersicht der Reiseziele auf Zypern.







Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Reisen und UrlaubNikosía


