Venezianische Herrschaft

Von 1489 bis 1571 gehörte Zypern zur Republik Venedig, die die Insel nach dem Ende der Lusignan-Dynastie als strategischen Flottenstützpunkt und Kornkammer im östlichen Mittelmeer hielt. Venedig sah Zypern vor allem als Militärbasis: Es errichtete gewaltige Festungsmauern um Nikosía und Famagusta. 1570/71 eroberten die Osmanen die Insel nach der Belagerung Famagustas.

Schnellfakten Venezianische Herrschaft

Zeitraum1489–1571 (rund 80 Jahre)
Vorherige EpocheLusignan-Königreich / Kreuzfahrerzeit
Folgende EpocheOsmanische Herrschaft
Prägende EreignisseMassiver Festungsbau, osmanische Eroberung 1570/71
Spuren heuteVenezianische Stadtmauern von Nikosía und Famagusta

Venezianische Wälle als Spur der venezianischen Herrschaft auf ZypernDie venezianische Epoche war die letzte vor der jahrhundertelangen osmanischen Zeit und prägte das Bild Zyperns bis heute – vor allem durch die mächtigen Festungsmauern, die noch immer die Altstädte umschließen. Anders als unter den Lusignan-Königen stand jetzt nicht mehr höfische Pracht im Vordergrund, sondern militärische Verteidigung gegen eine wachsende Bedrohung aus dem Osten. Wer Zyperns Vergangenheit als Ganzes verstehen will, findet im Überblick zur Geschichte Zyperns die Einordnung dieser Zeit zwischen Mittelalter und Neuzeit.

Wie kam Zypern an Venedig?

Zypern fiel 1489 an die Republik Venedig – das Ende der fränkischen Lusignan-Dynastie, die die Insel seit der Kreuzfahrerzeit regiert hatte. Schlüsselfigur war Caterina Cornaro, eine gebürtige Venezianerin, die durch ihre Heirat mit dem letzten Lusignan-König Königin von Zypern geworden war. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Venedig schrittweise die Kontrolle und bewegte Caterina schließlich zur Abdankung. Damit ging die Insel ohne große Schlacht in den Besitz der Seerepublik über, die zu dieser Zeit zu einer bedeutenden Macht expandierte. Handelsniederlassungen in Tyros, Konstantinopel, Sidon und auf Kreta zeugen von ihrer Reichweite im östlichen Mittelmeer.

Warum war Zypern für Venedig wichtig?

Für Venedig war Zypern in erster Linie ein strategischer Stützpunkt: Die Insel sicherte die Seewege des lukrativen Orienthandels und diente als vorgeschobene Flottenbasis vor der Levante. Daneben war Zypern eine ergiebige Kornkammer; die Venezianer beuteten Landwirtschaft, Salz und Zuckerrohr planmäßig aus. Doch ihre strategische Bedeutung schwand bald, denn zwei Ereignisse veränderten die Orientierung der um Macht ringenden Staaten: 1492 entdeckte Kolumbus Amerika, womit der Westen zu einer neuen Orientierungsrichtung wurde. Vasco da Gama fand 1496 den Seeweg um Afrika herum nach Indien, so dass die Bedeutung Zyperns für den Orienthandel sank. Die Insel blieb für Venedig vor allem ein Land, das auszubeuten war – und ein militärischer Vorposten, den es um jeden Preis zu halten galt.

Welche Bauwerke entstanden in dieser Zeit?

Unter Selim I. und Selim II. stiegen die Osmanen zur Großmacht auf und bedrohten ständig die Venezianer auf Zypern. Das hatte Konsequenzen: Da die Venezianer sich zu einem aufwändigen Festungsbau gezwungen sahen, wurde die Bevölkerung immer mehr unterdrückt und zu hohen Abgaben verpflichtet – ein Umstand, der zu einem Aufbegehren führte, das aber blutig niedergeschlagen wurde. Fieberhaft baute man die Befestigungen von Kerýneia, Famagusta und Nikosía aus.

In Nikosía entstand die berühmte sternförmige Ringmauer mit elf Bastionen, die den Stadtkern bis heute umschließt. Um ein freies Schussfeld zu schaffen, wurde alles, was sich außerhalb der neuen Stadtmauern befand, kurzerhand abgerissen: gotische Kirchen, Herrenhäuser und der Königspalast der Lusignans. Noch heute zeugen die „Venezianischen Wälle“ von Nikosía von der ursprünglichen Verteidigungsanlage der Stadt. In Famagusta verstärkten die Venezianer die mittelalterliche Stadtmauer zu einer der wehrhaftesten Festungen ihrer Zeit – mit massiven Bastionen und dem markanten Othello-Turm am Hafen. Angesichts der osmanischen Bedrohung konnten die Venezianer kaum Rücksicht auf Kunst und Kultur nehmen; ihr ganzes Augenmerk galt der Verteidigung.

Wie endete die venezianische Herrschaft?

Im Juli 1570 tauchte eine osmanische Flotte von 350 Schiffen vor der Südküste Zyperns bei Lárnaka auf. Die Osmanen hatten zunächst ein leichtes Spiel, denn die Venezianer leisteten keinen bedeutenden Widerstand im offenen Feld: Sie verließen sich auf ihre Stadtfestungen und warteten außerdem auf eine von Papst Pius V. zusammen mit Venedig und Spanien aufgestellte Hilfsflotte, die jedoch zu spät kam. Zunächst fiel Nikosía: Nach kurzer Belagerung wurde die Hauptstadt im September 1570 gestürmt.

Anschließend machten sich die Osmanen nach Famagusta auf, das sich zur letzten venezianischen Bastion entwickelte. Die gewaltigen Festungsmauern hielten einer rund zehnmonatigen Belagerung stand, ehe die ausgehungerte Garnison im August 1571 kapitulierte. Mit dem Fall Famagustas endete die venezianische Herrschaft auf Zypern endgültig.

Wie ging es nach 1571 weiter?

Mit der Einnahme Famagustas begann die rund dreihundertjährige osmanische Herrschaft über Zypern. Die Insel wurde Teil des Osmanischen Reiches, viele Kirchen wurden in Moscheen umgewandelt, und es siedelten sich türkische Bevölkerungsgruppen an – eine Entwicklung, deren Spuren bis in die heutige Teilung der Insel reichen. Die venezianischen Festungsmauern jedoch überdauerten alle Herrscher und prägen das Stadtbild von Nikosía und Famagusta bis heute.

Häufige Fragen zur venezianischen Herrschaft auf Zypern

Wie lange dauerte die venezianische Herrschaft auf Zypern?

Venedig beherrschte Zypern von 1489 bis 1571, also etwas über 80 Jahre. Sie endete mit der osmanischen Eroberung und der Kapitulation Famagustas im August 1571.

Warum bauten die Venezianer so gewaltige Festungen?

Unter Selim I. und Selim II. stiegen die Osmanen zur Großmacht auf und bedrohten Zypern ständig. Die Venezianer sahen in der Insel vor allem eine Militärbasis und befestigten Kerýneia, Famagusta und Nikosía fieberhaft. Für den Wallbau riss man sogar alles außerhalb der Stadtmauern Nikosías ab.

Was geschah bei der Belagerung von Famagusta?

Famagusta war die letzte venezianische Bastion. Ihre massiven Mauern hielten einer rund zehnmonatigen osmanischen Belagerung stand, bis die Garnison im August 1571 kapitulierte. Damit fiel ganz Zypern an die Osmanen.

Was ist von der venezianischen Zeit heute noch zu sehen?

Vor allem die „Venezianischen Wälle“: die sternförmige Ringmauer von Nikosía mit ihren elf Bastionen sowie die wehrhaften Festungsmauern von Famagusta. Sie zählen zu den eindrucksvollsten Renaissance-Befestigungen des Mittelmeerraums.

Weiter durch Zyperns Geschichte
Lies, wie die Insel mit den Lusignan-Königen zur Kreuzfahrerzeit kam und wie es nach 1571 unter der osmanischen Herrschaft weiterging. Einen Gesamtüberblick bietet unsere Geschichte Zyperns. Die venezianischen Mauern erlebst du heute am eindrucksvollsten in Famagusta – mehr Ideen in unseren Reisezielen auf Zypern.
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