Unabhängigkeitserklärung

Am 16. August 1960 wurde Zypern als Republik Zypern unabhängig und beendete damit die britische Kolonialzeit. Erster Präsident war Erzbischof Makários III., Vizepräsident wurde ein türkischer Zypriot. Eine komplexe Verfassung teilte die Macht zwischen griechischen und türkischen Zyprern; Großbritannien, Griechenland und die Türkei traten als Garantiemächte auf. Ab 1963 nahmen die Spannungen zwischen den Volksgruppen zu.

Schnellfakten Unabhängigkeit Zyperns

Datum16. August 1960
Vorherige EpocheBritische Verwaltung (Kronkolonie ab 1925)
Folgende EreignisseVerfassungskrise ab 1963, Ereignisse von 1974
Erster PräsidentErzbischof Makários III.
GarantiemächteGroßbritannien, Griechenland, Türkei
GrundlageAbkommen von Zürich und London (1959)

Wie wurde Zypern unabhängig?

Am 16. August 1960 erlangte Zypern seine Unabhängigkeit und wurde zur Republik Zypern. Damit endete die rund 80-jährige britische Verwaltung der Insel, die zuvor als Kronkolonie regiert worden war.

Rechtliche Grundlage der neuen Republik waren die Abkommen von Zürich und London. Den Rahmen besiegelten im Frühjahr 1959 zunächst die Regierungen Griechenlands und der Türkei in Zürich; erst danach unterzeichneten Vertreter der britischen Kolonialmacht und die Führer der beiden zyprischen Volksgruppen das Vertragswerk in London – daher der Doppelname. An der Ausarbeitung der zentralen Bestimmungen waren die Zyprioten selbst nur eingeschränkt beteiligt, was später häufig als Schwäche des Gründungsprozesses bewertet wurde.

Mit der Unabhängigkeit musste auch der bis dahin verbreitete Gedanke der Énosis – des politischen Anschlusses an Griechenland – zurückgestellt werden. Die Souveränität und territoriale Unversehrtheit des neuen Staates wurden vertraglich durch die drei Garantiemächte Griechenland, Türkei und Großbritannien abgesichert.

Wie war die junge Republik aufgebaut?

An der Spitze des Staates stand Erzbischof Makários III., das geistliche und politische Oberhaupt der griechisch-zyprischen Mehrheit, der zum ersten Präsidenten der Republik gewählt wurde. Ihm zur Seite stand laut Verfassung ein Vizepräsident türkisch-zyprischer Herkunft, der mit eigenen Befugnissen ausgestattet war.

Die Verfassung verankerte ein festes Beteiligungsverhältnis beider Volksgruppen. In Verwaltung und öffentlichem Dienst sollten griechische und türkische Zyprioten im Verhältnis von rund 70 zu 30 vertreten sein, in der Armee im Verhältnis von etwa 60 zu 40. Der türkisch-zyprische Vizepräsident verfügte zudem über ein Vetorecht in wichtigen Bereichen der Außen- und Sicherheitspolitik.

Großbritannien behielt mit zwei Militärbasen Hoheitsgebiete auf der Insel. Gemeinsam mit Griechenland und der Türkei übernahm es die Rolle einer Garantiemacht, die die im Vertrag festgelegte Ordnung absichern sollte. Diese Konstruktion band die Innenpolitik Zyperns eng an die Interessen dreier auswärtiger Staaten.

Warum war die Verfassung so kompliziert?

Die Verfassung von 1960 war darauf ausgelegt, beide Volksgruppen auf allen Ebenen des Staates abzubilden. Zahlreiche Bestimmungen schrieben den binationalen Charakter der zyprischen Gesellschaft im Detail fest: getrennte Wahllisten, feste Quoten für Ämter sowie eigene kommunale Strukturen für griechische und türkische Zyprioten.

Dieses ausdifferenzierte System sollte beide Gemeinschaften vor einer Dominanz der jeweils anderen schützen. In der Praxis erschwerte der enge Proporz jedoch viele Regierungs- und Verwaltungsentscheidungen, weil zahlreiche Beschlüsse auf die Zustimmung beider Seiten angewiesen waren.

Kritiker bemängelten rückblickend, dass die starke Betonung der getrennten Gruppen die Entstehung eines gemeinsamen, gesamtzyprischen Bewusstseins erschwerte. Ein Teil der griechischen Zyprioten orientierte sich weiterhin nach Athen, ein Teil der türkischen Zyprioten zum türkischen „Mutterland“ – eine doppelte Bindung, die auf der Insel selbst angelegt war.

Welche Spannungen entstanden ab 1963?

Die kunstvolle Machtteilung erwies sich im Alltag als schwer umsetzbar. Über die Auslegung einzelner Verfassungsbestimmungen kam es zwischen den Volksgruppen zu wachsenden Differenzen, und Ende 1963 mündeten diese in offene Kämpfe zwischen griechischen und türkischen Zyprioten.

Trotz eines unter britischer Vermittlung erreichten Waffenstillstands verschärfte sich der Konflikt ab 1964. Die Hauptstadt Nikosía wurde faktisch in einen griechischen und einen türkischen Teil geteilt; türkisch-zyprische Abgeordnete und Beamte zogen sich aus den gemeinsamen Institutionen zurück. Es entstanden türkische Enklaven, in die sich ein großer Teil der türkisch-zyprischen Bevölkerung – zeitweise rund 25.000 Menschen – zurückzog.

Die Bewertung dieser Ereignisse fiel von Beginn an unterschiedlich aus. Zeitgenössische Beobachter und spätere Historiker haben die Verantwortung sehr verschieden gewichtet; gesichert ist, dass die in der Verfassung angelegten Gegensätze, äußere Einflüsse und das gegenseitige Misstrauen zusammenwirkten. 1964 entsandten die Vereinten Nationen eine Friedenstruppe (UNFICYP) auf die Insel, die bis heute im Einsatz ist.

Wie ging es weiter?

Trotz der Krise blieb Makários III. das bestimmende politische Gesicht der Republik und wurde mehrfach im Amt bestätigt. Zugleich blieben die Énosis-Bewegung und ihr Umfeld eine wirkende Kraft, während sich die Verhältnisse im benachbarten Griechenland nach der Machtübernahme der Militärjunta 1967 veränderten.

Die Gegensätze zwischen den Befürwortern eines Anschlusses an Griechenland und dem Kurs eines eigenständigen Zyperns spitzten sich in den folgenden Jahren weiter zu. Sie bildeten den Hintergrund für die Ereignisse des Jahres 1974, die die Insel dauerhaft prägen sollten. Einen Überblick über die gesamte Inselgeschichte bietet unsere Seite zur Geschichte Zyperns.

Häufige Fragen zur Unabhängigkeit Zyperns

Wann wurde Zypern unabhängig?

Zypern wurde am 16. August 1960 als Republik Zypern unabhängig. Damit endete die britische Kolonialherrschaft, die zuvor seit 1925 als Kronkolonie ausgeübt worden war.

Wer war der erste Präsident der Republik Zypern?

Erster Präsident war Erzbischof Makários III. Die Verfassung sah zugleich einen Vizepräsidenten türkisch-zyprischer Herkunft mit eigenen Befugnissen vor.

Welche Länder waren Garantiemächte Zyperns?

Großbritannien, Griechenland und die Türkei traten in den Abkommen von Zürich und London als Garantiemächte auf und sollten die vereinbarte staatliche Ordnung absichern.

Warum kam es ab 1963 zu Spannungen?

Die komplexe Verfassung mit fester Machtteilung zwischen den Volksgruppen ließ sich im Alltag nur schwer umsetzen. Über ihre Auslegung wuchsen die Differenzen, die Ende 1963 in offene Konflikte mündeten.

Mehr zur Geschichte Zyperns
Vertiefe die Hintergründe in unserem Überblick zur Geschichte Zyperns, lies über die vorangegangene britische Verwaltung der Insel und über die Ereignisse ab 1974. Wer die Insel selbst entdecken möchte, findet Anregungen unter Reiseziele auf Zypern.
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