Römische Zeit
Die römische Zeit auf Zypern dauerte von 58 v. Chr. bis 395 n. Chr. Rom machte die Insel zur Provinz mit dem Verwaltungssitz Páfos, es herrschte Wohlstand durch Wein-, Oliven- und Bergbau, und es entstanden Theater, Villen und prachtvolle Mosaiken in Kourion und Páfos. 45 n. Chr. brachten die Apostel Paulus und Barnabas das Christentum auf die Insel und bekehrten den Statthalter Sergius Paulus.
| Zeitraum | 58 v. Chr.–395 n. Chr. |
| Vorherige Epoche | Hellenistische Zeit (Ptolemäer) |
| Folgende Epoche | Byzantinische Herrschaft |
| Status | Römische Provinz, Verwaltungssitz Páfos |
| Prägende Ereignisse | Annexion 58 v. Chr., Christianisierung ab 45 n. Chr., Judenaufstand 116 n. Chr. |
| Spuren heute | Mosaike in Páfos, Theater von Kourion, Ruinen von Salamis |
Was kennzeichnete die römische Zeit auf Zypern?
Die römische Zeit war für Zypern eine lange Epoche des Wohlstands und prägende Phase zugleich, in der zwei große Entwicklungen das Schicksal der Insel bestimmten: die Einführung des Christentums und der blutige Aufstand der jüdischen Bevölkerung. Die Einwohnerzahl wuchs auf bis zu eine Million Menschen – etwa 40 Prozent mehr als heute. Man lebte vom Wein-, Oliven- und Getreideanbau und baute Eisen, Kupfer und Silber ab.
Begonnen hatte die römische Herrschaft 58 v. Chr., als Rom Zypern annektierte und der Provinz Kilikien zuschlug. Erster römischer Statthalter wurde Cato. Über ihn berichtete der Reisende Alexander Drummond 1765: „Cato eroberte die Insel mit leichter Mühe, und schickte unendlichen Reichthum nach Hause, welchen er den von der Schwelgerei entkräfteten und in der Wollust ersoffenen Einwohnern abgenommen hatte.“ Nach Plutarch soll Cato „aus Zypern mehr Schätze für Rom nach Hause gebracht haben als Pompejus mit all seinen Kriegen und Triumphen“.
Die frühe römische Phase war auch ein Spielball der großen Machtpolitik. Julius Cäsar (74 v. Chr.) und nach ihm Mark Antonius (36 v. Chr.) schenkten Zypern ihrer Geliebten Kleopatra. „Deine Süße, meine Geliebte, ist wie der Nama-Wein Zyperns“, soll Mark Antonius zu Kleopatra gesagt haben, als er ihr die Insel übergab. Erst nach der gewonnenen Seeschlacht bei Actium 30 v. Chr. wurde Zypern endgültig Besitz der Römer.
Wie verwalteten die Römer die Insel?
Nach Actium ordnete Rom die Herrschaft über Zypern neu. Von 27 bis 22 v. Chr. war die Insel direkt dem römischen Kaiser unterstellt. Ab 22 v. Chr. übernahm ein Prokonsul die Verwaltung, und Páfos wurde zur Provinzhauptstadt ernannt. Von hier aus regierte der Statthalter die Insel, hier liefen Steuern, Rechtsprechung und Repräsentation zusammen.
Der lange Frieden unter römischer Verwaltung ermöglichte einen regelrechten Bauboom. In den Städten entstanden Theater, Tempel, Foren, Bäder und prächtige Stadtvillen, deren Böden mit aufwendigen Mosaiken ausgelegt wurden. Diese Bautätigkeit war die Fortsetzung einer Entwicklung, die schon in der vorausgegangenen hellenistischen Zeit begonnen hatte – nun jedoch mit den Mitteln und im Stil des Römischen Reiches.
Wie kam das Christentum nach Zypern?
Zypern gehört zu den frühesten christlichen Regionen überhaupt. Die Apostel Paulus und Barnabas kamen 45 n. Chr. auf die Insel und verkündeten das Christentum. Sie zogen von Salamis im Osten quer durch das Land nach Páfos. Dort gelang ihnen ein für die Christianisierung der Insel entscheidender Erfolg: Sie bekehrten den römischen Prokonsul Sergius Paulus zum christlichen Glauben. Damit war Zypern eines der ersten Gebiete des Römischen Reiches, in dem ein Statthalter selbst Christ wurde.
Mit dem neuen Glauben kam auch ein Bruch mit der alten Bildwelt: In einem zensorischen Akt schlugen die ersten Christen den griechischen Skulpturen Kopf, Geschlechtsteile und sonstige Gliedmaßen ab. Die Ausbreitung des Christentums verlief zunächst allmählich, gewann aber im Laufe der römischen Zeit stetig an Boden und legte den Grundstein für die spätere kirchliche Prägung der Insel.
Welche Ereignisse erschütterten die römische Zeit?
Nicht alle Jahrhunderte verliefen friedlich. Nach der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. flüchteten viele Juden nach Zypern. 116 n. Chr. kam es dann zum großen Aufstand der jüdischen Gläubigen, die ihren hebräischen Monotheismus standfest vertraten und sich gegen den griechischen Polytheismus auflehnten. In den Auseinandersetzungen sollen 240.000 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter alle nichtjüdischen Bürger von Salamis.
Die Römer bekamen die Unruhen schließlich unter Kontrolle, verboten den Juden danach jedoch den Aufenthalt auf Zypern. In der Folge konnte sich das Christentum weiter ausbreiten und wurde zur prägenden Religion der Insel.
Welche Spuren sind heute zu sehen?
Die römische Zeit hat auf Zypern eindrucksvolle Zeugnisse hinterlassen. Baudenkmäler aus dieser Epoche finden sich vor allem in Páfos, Kourion und Salamis. In Páfos sind es vor allem die berühmten römischen Mosaiken, die mythologische Szenen in leuchtenden Steinchen darstellen und heute zum UNESCO-Welterbe zählen.
Besonders spektakulär ist das antike Theater von Kourion oberhalb der Südküste, das einst tausende Zuschauer fasste und in dem auch heute noch Aufführungen stattfinden. Hinzu kommen die ausgedehnten Ruinen von Salamis im Osten. Wer diese antiken Stätten besichtigen möchte, findet die passenden Orte in unserer Übersicht der Reiseziele auf Zypern.
Wie ging es nach der römischen Zeit weiter?
Das Ende der römischen Zeit auf Zypern fällt mit der Teilung des Römischen Reiches 395 n. Chr. zusammen. Die Insel kam an die östliche Reichshälfte und wurde von Konstantinopel aus regiert. Damit begann die lange byzantinische Herrschaft, in der das Christentum endgültig zur Staatsreligion wurde und die kirchliche Prägung Zyperns ihren Höhepunkt erreichte. Einen Überblick über alle Epochen der Insel bietet unser Hauptartikel zur Geschichte Zyperns.
Häufige Fragen zur römischen Zeit auf Zypern
Wann war Zypern römisch?
Zypern war von 58 v. Chr. bis 395 n. Chr. Teil des Römischen Reiches. 58 v. Chr. annektierte Rom die Insel, nach der Seeschlacht bei Actium 30 v. Chr. wurde sie endgültig römischer Besitz. 395 n. Chr. fiel sie an das oströmische, byzantinische Reich.
Welche Stadt war die Hauptstadt des römischen Zyperns?
Verwaltungssitz und Provinzhauptstadt war Páfos. Ab 22 v. Chr. regierte von dort ein Prokonsul die Insel. Auch die Apostel Paulus und Barnabas trafen hier auf den römischen Statthalter Sergius Paulus.
Wer brachte das Christentum nach Zypern?
Die Apostel Paulus und Barnabas kamen 45 n. Chr. nach Zypern. Sie zogen von Salamis nach Páfos und bekehrten dort den römischen Prokonsul Sergius Paulus zum christlichen Glauben.
Was kann man aus der römischen Zeit heute noch sehen?
Erhalten sind vor allem die römischen Mosaiken in Páfos, das antike Theater von Kourion und die Ruinen von Salamis. Diese Baudenkmäler zählen zu den bedeutendsten antiken Stätten der Insel.
Verfolge die ganze Inselgeschichte in unserem Überblick zur Geschichte Zyperns, lies, wie es mit der byzantinischen Herrschaft weiterging, oder besichtige das römische Theater von Kourion vor Ort.












