Osmanische Herrschaft
Von 1571 bis 1878 gehörte Zypern zum Osmanischen Reich. Die Osmanen lösten Venedig ab, stellten die orthodoxe Kirche wieder her und machten den Erzbischof zum Sprecher (Ethnarch) der Griechen. Türkische Muslime wurden angesiedelt – der Ursprung der heutigen Bevölkerungsmischung. Hohe Steuern, Misswirtschaft und Auswanderung prägten die Epoche, bis Großbritannien 1878 die Verwaltung übernahm.
| Zeitraum | 1571–1878 (rund 300 Jahre) |
| Vorherige Epoche | Venezianische Herrschaft |
| Folgende Epoche | Britische Verwaltung (ab 1878) |
| Prägende Ereignisse | Eroberung 1571, Wiederzulassung der orthodoxen Kirche, Hinrichtungen 1821, Suez-Kanal 1869 |
| Spuren heute | Moscheen wie die Hala Sultan Tekke, türkisch-zyprische Bevölkerung, Ethnarchen-Tradition |
Wie kam Zypern unter osmanische Herrschaft?
Zypern wurde 1571 vom Osmanischen Reich erobert. Damit endete die venezianische Herrschaft, unter der die Insel zu einem stark befestigten, aber wirtschaftlich ausgepressten Außenposten geworden war. Mit dem Fall der letzten venezianischen Festungen in Nikosía und Famagusta ging Zypern an Konstantinopel über. Insgesamt nahm die Bedeutung der Insel während der osmanischen Zeit rapide ab.
Zunächst aber schien sich vieles zu bessern. Die griechisch-orthodoxe Kirche wurde gemeinsam mit dem Erzbistum wiederhergestellt, das den Griechen unter den katholischen Venezianern verwehrt geblieben war. Das venezianische Feudalsystem und die Leibeigenschaft wurden aufgegeben. Allerdings wandelten die neuen Herren die römisch-katholischen Kirchen in Moscheen um.
Wie verwalteten die Osmanen die Insel?
Die Osmanen regierten Zypern nach dem im Reich üblichen Muster, in dem religiöse Gemeinschaften eine eigene Selbstverwaltung erhielten. Für die Christen bedeutete das: Der orthodoxe Erzbischof und sein Klerus erhielten weitreichende Befugnisse. Ab 1754 wurde der griechische Erzbischof offiziell als Führer der Volksgruppe – als Ethnarch – anerkannt. Über den Klerus versuchten die Osmanen zugleich, ihre eigene oft korrupte Beamtenschaft zu kontrollieren.
Doch der erste Eindruck der Besserung trog: Hohe Steuern und Abgaben ließen die Bevölkerung weiter verarmen. An der Ausbeutung war der Klerus nicht ganz unschuldig. Da der Erzbischof die Steuern kraft seines geistlichen Amtes nicht selbst einziehen durfte, wurde ein Dragoman bestellt, der für die Osmanen die Steuern von den Griechen eintrieb. Wie groß die faktische Macht der Kirche war, zeigt ein Urteil des englischen Diplomaten Turner aus dem Jahr 1792: „Cypern, nominell unter der Herrschaft eines Beys … wird in Wahrheit vom griechischen Erzbischof und seinem Klerus regiert.“
Zugleich bereicherten sich die eingesetzten Beamten zunehmend persönlich. Dürreperioden, Hungersnöte und Heuschreckenplagen verschärften die Not, die Sterberate stieg. Türkische wie griechische Bauern lehnten sich auf, blieben aber erfolglos. Große Teile der Bevölkerung verließen die Insel: Während 1693 noch etwa 150.000 Menschen auf Zypern lebten, waren es 1741 nur noch rund 25.000.
Wie entstand die griechisch-türkische Bevölkerungsmischung?
Mit der Eroberung 1571 begann das Osmanische Reich, türkische Muslime aus Anatolien auf Zypern anzusiedeln; ein Teil der Bevölkerung nahm den Islam an. So entstand neben der orthodoxen griechischsprachigen Mehrheit eine türkisch-muslimische Bevölkerung. In diesen drei Jahrhunderten liegt der Ursprung der bis heute prägenden griechisch-türkischen Bevölkerungsmischung Zyperns.
Lange lebten beide Gruppen vielerorts in denselben Dörfern und Städten nebeneinander. Spannungen entzündeten sich erst im 19. Jahrhundert an politischen Ereignissen: Der griechische Freiheitskampf gegen die Osmanen, der 1827 zur nationalen Unabhängigkeit Griechenlands führte, strahlte auch auf Zypern aus. Um ein Überschwappen zu verhindern, ließ der osmanische Statthalter in Nikosía 1821 Erzbischof Kyprianos, die Bischöfe von Páfos, Kition und Kerýneia sowie den Abt des Kýkko-Klosters hinrichten – zur Abschreckung und um die politische Macht des Klerus zu brechen. Es folgten ein Massaker an griechischen Zyprioten und die Konfiszierung ihres Eigentums. Viele wanderten daraufhin ins freie Griechenland aus, das zum Idealbild der griechischen Zyprioten wurde.
Welche Spuren blieben aus osmanischer Zeit?
Die sichtbarsten Zeugnisse der osmanischen Epoche sind die Moscheen der Insel. Viele entstanden aus umgewidmeten gotischen Kirchen. Das bekannteste islamische Heiligtum ist die Hala Sultan Tekke am Salzsee von Larnáka – eine Moschee mit Mausoleum, die der Überlieferung nach mit einer Verwandten des Propheten Mohammed verbunden ist und bis heute ein bedeutender Wallfahrtsort ist.
Über die Bauwerke hinaus reicht das Erbe tiefer: Die türkisch-zyprische Bevölkerung und die Tradition des orthodoxen Ethnarchen als politischer Sprecher gehen auf diese Zeit zurück. Wer Zyperns Städte und Regionen erkundet, stößt vielerorts auf diese gemischte Geschichte – nachzulesen in unserem Überblick zu den Reisezielen auf Zypern und in der Geschichte der Insel insgesamt.
Wie ging es nach den Osmanen weiter?
Mit der Eröffnung des Suez-Kanals 1869 geriet Zypern in die Interessensphäre der Großmächte. England sah die Insel als idealen Stützpunkt im Mittelmeer, da es nach dem türkisch-russischen Krieg ein weiteres Vordringen Russlands befürchtete. 1878 verpachteten die Osmanen die Verwaltung an Großbritannien; im selben Jahr landeten britische Truppen auf Zypern.
Das Zypern, das die Briten vorfanden, war ein heruntergekommenes, unterentwickeltes Land: Die Hafenanlagen waren verfallen, das Inselinnere nur durch Saumpfade erschlossen, der Bergbau lag still, in den Sümpfen brütete die Malaria, und der Außenhandel war praktisch zum Erliegen gekommen. Wie es unter London weiterging, schildert unser Beitrag zur britischen Verwaltung.
Häufige Fragen zur osmanischen Herrschaft auf Zypern
Wie lange waren die Osmanen auf Zypern?
Die osmanische Herrschaft dauerte von der Eroberung 1571 bis zur Übergabe der Verwaltung an Großbritannien 1878 – also rund 300 Jahre.
Was änderte sich für die orthodoxe Kirche unter den Osmanen?
Die orthodoxe Kirche und das Erzbistum wurden wiederhergestellt, nachdem sie unter den katholischen Venezianern verdrängt worden waren. Ab 1754 galt der Erzbischof offiziell als Führer der Volksgruppe (Ethnarch) und damit als politischer Sprecher der Griechen.
Woher stammt die türkisch-zyprische Bevölkerung?
Nach 1571 siedelte das Osmanische Reich türkische Muslime aus Anatolien auf Zypern an, und ein Teil der Bevölkerung nahm den Islam an. So entstand die griechisch-türkische Bevölkerungsmischung der Insel.
Was ist die Hala Sultan Tekke?
Die Hala Sultan Tekke ist eine Moschee mit Mausoleum am Salzsee von Larnáka und das bekannteste islamische Heiligtum Zyperns. Sie zählt zu den eindrucksvollsten Spuren der osmanischen Epoche.
Wie es vor und nach den Osmanen auf der Insel zuging, lesen Sie in unseren Beiträgen zur venezianischen Herrschaft und zur anschließenden britischen Verwaltung. Einen Gesamtüberblick bietet die Geschichte Zyperns, passende Orte finden Sie unter Reiseziele.













