Kypro-klassische Zeit
Die kypro-klassische Zeit (etwa 480–310 v. Chr.) war geprägt von der fortgesetzten Perserherrschaft und dem Ringen der zyprischen Stadtkönigreiche um Eigenständigkeit. Herausragende Figur war Euagoras I. von Salamis, der die Insel einen und die griechische Kultur stärken wollte. Sie endete mit der Eroberung durch Alexander den Großen 333/332 v. Chr.
| Zeitraum | ca. 480–310 v. Chr. |
| Vorherige Epoche | Kypro-archaische Zeit |
| Folgende Epoche | Hellenismus / Hellenisierung |
| Herrschende Macht | Perser, dann Alexander der Große |
| Prägende Figur | Euagoras I. von Salamis |
| Spuren heute | Reste von Salamis, griechische Kultur, Münzen |
Was kennzeichnete die kypro-klassische Zeit?
Die kypro-klassische Zeit umfasst rund anderthalb Jahrhunderte zwischen etwa 480 und 310 v. Chr. Sie steht im Zeichen eines Dauerkonflikts: Zypern blieb politisch ein Teil des Perserreichs, war kulturell jedoch immer stärker zur griechischen Welt hin orientiert. Diese Spannung zwischen orientalischer Oberherrschaft und westlicher Lebensart prägte die gesamte Epoche.
Wie schon in der vorangegangenen kypro-archaischen Zeit war die Insel in mehrere selbstständige Stadtkönigreiche gegliedert – darunter Salamis, Kition, Páfos, Soloi, Amathoús und Márion. Sie waren tributpflichtig und mussten die Perser im Kriegsfall mit Schiffen und Soldaten unterstützen, behielten im Inneren aber meist ihre Selbstständigkeit. Genau diese Zersplitterung machte ein gemeinsames Vorgehen schwierig: Während einige Könige eng mit den Persern kooperierten, suchten andere die Nähe zu den griechischen Stadtstaaten, allen voran zu Athen.
Schon um 450 v. Chr. versuchte Athen, die strategisch wichtige Insel zu gewinnen: Eine athenische Flotte unter dem Befehl des Feldherrn Kimon gelangte nach Zypern, um den Persern die Kontrolle zu entreißen. Doch Kimon starb während des Unternehmens vor Kition, und der Vorstoß verlief im Sande – alles blieb beim Alten.
Wer war Euagoras I. von Salamis?
Die herausragende Persönlichkeit dieser Zeit war Euagoras I. von Salamis. Der König der bedeutenden Stadt an der Ostküste verfolgte das ehrgeizige Ziel, ganz Zypern unter der Herrschaft von Salamis zu vereinen und die griechische Kultur auf der Insel zu stärken. Unter ihm wurde Salamis zu einem Zentrum hellenischer Bildung und Kunst, und Euagoras pflegte enge Beziehungen zu Athen, das ihn später ehrte.
Politisch bewegte er sich auf einem schmalen Grat. Euagoras versuchte, sich sowohl mit den Griechen als auch mit den Persern zu arrangieren – so beteiligte er sich etwa am Angriff der Perser und Athener gegen die spartanische Flotte. Als seine Macht jedoch zu groß wurde, geriet er in offenen Konflikt mit dem persischen Großkönig.
Sein Aufstieg endete mit einem diplomatischen Rückschlag: Als die Athener 386 v. Chr. im sogenannten Königsfrieden (auch „Frieden des Antalkidas“) den Persern sämtliche Ansprüche im östlichen Mittelmeer abtraten, verlor Euagoras seinen wichtigsten Bündnispartner. Er musste sich den Persern unterwerfen und blieb als nun wieder tributpflichtiger König zwar formal im Amt, hatte seinen Traum von der Einheit der Insel aber verloren. Zypern zersplitterte erneut in die Einzelinteressen seiner Stadtkönigreiche.
Wie endete die Perserherrschaft?
Das Ende der jahrhundertelangen persischen Vorherrschaft kam von außen – mit dem Feldzug Alexanders des Großen. In der Entscheidungsschlacht bei Issus 333 v. Chr. (im Volksmund später scherzhaft als „333 – bei Issus Keilerei“ gemerkt) besiegten die Makedonen das Perserheer unter Großkönig Dareios III. und brachen die Macht der Perser im östlichen Mittelmeer.
Zypern stand entschlossen auf der Seite seines Befreiers. Die Insel unterstützte Alexander tatkräftig:
- Sie lieferte ihm große Mengen des begehrten zyprischen Kupfers, das schon in der Antike den Reichtum der Insel begründete.
- Mit rund 130 Schiffen beteiligte sich Zypern an der langwierigen Belagerung der phönizischen Hafenstadt Tyros, die für Alexanders Vormarsch entscheidend war.
Zum Dank erhielt Zypern 331 v. Chr. seine Unabhängigkeit von den Persern. Mit der Befreiung von der persischen Oberherrschaft begann ein neues Kapitel der Inselgeschichte: Der griechisch geprägte Westen setzte sich endgültig gegen den orientalischen Einfluss durch, der Zypern jahrhundertelang bestimmt hatte.
Welche Spuren blieben?
Die kypro-klassische Zeit hinterließ vor allem ein politisches und kulturelles Erbe. Sichtbar wird die Epoche heute an mehreren Stellen:
- Salamis: Die einst mächtigste Stadt des Euagoras lag nahe dem heutigen Famagusta. Ihre weitläufigen Ruinen gehören zu den eindrucksvollsten antiken Stätten der Insel, auch wenn das sichtbare Stadtbild überwiegend aus späterer Zeit stammt.
- Münzprägung: Die Stadtkönigreiche schlugen eigene Münzen, oft mit griechischen und phönizischen Inschriften – ein Spiegel der kulturellen Doppelnatur Zyperns in dieser Zeit.
- Griechische Kultur: Die unter Euagoras geförderte Hinwendung zur hellenischen Bildung und Kunst legte den Grundstein für die durchgreifende Hellenisierung der Insel in den folgenden Jahrhunderten.
Viele Fundstücke dieser Epoche – von Münzen bis zu Skulpturen – sind heute in den archäologischen Museen der Insel zu sehen und machen die Geschichte auf einer Reise durch Zyperns Reiseziele erlebbar.
Wie ging es weiter?
Mit dem Sieg Alexanders des Großen endete die kypro-klassische Zeit und ging in den Hellenismus über. Nach Alexanders frühem Tod 323 v. Chr. zerfiel sein Weltreich, und Zypern wurde zum Spielball der konkurrierenden Nachfolger (Diadochen). Schließlich setzte sich die ägyptische Dynastie der Ptolemäer durch: Sie lösten die alten Stadtkönigtümer auf und regierten die Insel erstmals zentral. Damit begann die tiefgreifende Hellenisierung Zyperns, in deren Verlauf griechische Sprache und Kultur endgültig dominierten. Einen Überblick über alle Epochen bietet unsere Seite zur Geschichte Zyperns.
Häufige Fragen zur kypro-klassischen Zeit
Wann war die kypro-klassische Zeit?
Die kypro-klassische Zeit dauerte etwa von 480 bis 310 v. Chr. Sie folgte auf die kypro-archaische Zeit und endete mit der Eroberung durch Alexander den Großen und dem Beginn des Hellenismus.
Wer war Euagoras I. von Salamis?
Euagoras I. war der König von Salamis und die prägende Figur dieser Epoche. Er wollte Zypern unter Salamis vereinen und die griechische Kultur stärken, scheiterte jedoch politisch am Königsfrieden von 386 v. Chr.
Wann endete die Perserherrschaft über Zypern?
Nach der Schlacht bei Issus 333 v. Chr. und der Unterstützung Alexanders des Großen erhielt Zypern 331 v. Chr. seine Unabhängigkeit von den Persern.
Wie half Zypern Alexander dem Großen?
Zypern stellte sich auf Alexanders Seite, lieferte ihm große Mengen Kupfer und unterstützte ihn mit rund 130 Schiffen bei der Belagerung der Stadt Tyros.
Lies weiter über die vorangegangene kypro-archaische Zeit und die anschließende Hellenisierung der Insel oder verschaffe dir einen Überblick über die gesamte Geschichte Zyperns. Wer die Spuren der Antike vor Ort erleben möchte, findet Anregungen in unseren Reisezielen auf Zypern.













