Kypro-archaische Zeit

Die kypro-archaische Zeit (etwa 750–480 v. Chr.) war eine Blütephase der zyprischen Stadtkönigreiche. Trotz wechselnder Fremdherrschaft durch Assyrer, Ägypter und Perser bewahrten die Könige weitgehend ihre Macht, der Wohlstand wuchs, und es entstanden reiche Grabfunde, eindrucksvolle Skulpturen und Tempel, die bis heute von dieser Epoche zeugen.

Schnellfakten kypro-archaische Zeit

Zeitraumca. 750–480 v. Chr.
Vorherige EpocheGeometrische Zeit
Folgende EpocheKypro-klassische Zeit
FremdherrscherAssyrer, Ägypter, Perser
PrägendBlüte der Stadtkönigreiche, Tributpflicht
Spuren heuteSkulpturen, Gräber, Tempel

Was kennzeichnete die kypro-archaische Zeit?

Die kypro-archaische Zeit umfasst rund zweieinhalb Jahrhunderte zwischen etwa 750 und 480 v. Chr. und gilt als eine der prägendsten Epochen der Inselgeschichte. Charakteristisch ist ein scheinbarer Widerspruch: Einerseits stand Zypern fast durchgehend unter dem Einfluss großer Mittelmeermächte, andererseits erlebten die einheimischen Stadtkönigreiche gerade in dieser Phase ihre wirtschaftliche und kulturelle Blüte.

Die Insel war damals in mehrere selbstständige Stadtstaaten gegliedert, an deren Spitze jeweils ein König stand. Obwohl wechselnde Fremdherrscher von außen Tribut forderten, ließen sie den zyprischen Königen meist ihre innere Macht. So konnten sich Handel, Handwerk und Kunst weiterentwickeln. Das griechische Element überwog kulturell, doch lebten in einzelnen Städten – etwa in Amathoús – auch viele Phönizier und Ägypter, was Zypern zu einem Schmelztiegel des östlichen Mittelmeers machte. Diese Zeit knüpfte unmittelbar an die vorangegangene geometrische Zeit an und legte die Grundlagen für die spätere klassische Epoche.

Welche Großmächte beherrschten Zypern?

In der kypro-archaischen Zeit folgten gleich drei Großmächte aufeinander, die jeweils Anspruch auf die strategisch wichtige Insel erhoben:

  • Assyrer (672–669 v. Chr.): Bereits zuvor unterwarfen sich die zyprischen Könige dem assyrischen König Sargon II. für eine Periode von rund 40 Jahren und wurden ihm tributpflichtig. Anschließend erreichte Zypern für etwa 100 Jahre eine weitgehende Unabhängigkeit.
  • Ägypter (560–525 v. Chr.): Um 560 v. Chr. herrschten die Ägypter über die Insel, allerdings nur bis 525 v. Chr.
  • Perser (ab 545 v. Chr.): Ab 545 v. Chr. geriet Zypern für rund 200 Jahre unter persischen Einfluss und blieb bis 332 v. Chr. Teil des Perserreichs.

Bemerkenswert ist, dass sowohl die Assyrer als auch die Ägypter den zyprischen Königen ihre Macht beließen. Die Fremdherrschaft bedeutete also keine vollständige Besetzung, sondern vor allem Tributpflicht und politische Oberhoheit.

Wie blühten die Stadtkönigreiche?

Auch unter persischer Herrschaft konnten die einheimischen Herrscher ihre Macht behalten. Sie mussten jedoch Abgaben zahlen und die Perser mit Waffen und Kriegsschiffen beliefern. Trotz dieser Unterwerfung wuchs der Wohlstand der Stadtstaaten – und mit ihm ihre Macht. Der Reichtum speiste sich aus dem Handel mit Kupfer, Keramik und Luxusgütern sowie aus der günstigen Lage Zyperns zwischen Orient und griechischer Welt.

Der zunehmende Wohlstand führte schließlich zu Autonomiebestrebungen. Bis auf Amathoús lehnten sich die Stadtstaaten gegen die persische Oberherrschaft auf und deklarierten 498 v. Chr. ihre Unabhängigkeit von den Persern. Doch die Perser reagierten umgehend: Mit Hilfe der phönizischen Flotte besiegten sie die Zyprioten erneut. 478 v. Chr. befreiten die Griechen mit Hilfe von 50 Schiffen Zypern, das jedoch nach dem Abzug der Retter wieder an die Perser zurückfiel.

In diese Kämpfe fällt auch die Geschichte des Königs Onesilos: In der Schlacht mit den Kouriern im Jahre 498 v. Chr. verrieten ihn die phönizischen und ägyptischen Einwohner von Amathoús und ließen ihn im Stich, woraufhin der König umkam. Der Sage nach hängten sie seinen Kopf außerhalb der Mauern ihrer Akropolis auf. Doch die Götter schickten Bienen, die aus dem heroischen Kopf ihren Bienenkorb machten. Das Orakel befahl daraufhin den Bewohnern von Amathoús, den toten König von Salamis zu ehren, als wäre er ihr eigener halbgöttlicher Held.

Welche Spuren blieben?

Die kypro-archaische Zeit hat ein reiches archäologisches Erbe hinterlassen, das den Wohlstand der Stadtkönigreiche eindrucksvoll belegt. Zu den wichtigsten Hinterlassenschaften zählen:

  • Reiche Grabfunde: aufwendig ausgestattete Gräber mit Beigaben aus Keramik, Bronze und Schmuck zeugen vom Reichtum und den weitreichenden Handelsverbindungen der Insel.
  • Skulpturen: charakteristisch sind Kalkstein- und Terrakottafiguren, die griechische, phönizische und ägyptische Einflüsse verbinden – ein sichtbarer Ausdruck der kulturellen Vielfalt Zyperns.
  • Tempel und Heiligtümer: Kultstätten und Tempelanlagen, in denen oft Hunderte von Votivfiguren gefunden wurden, dokumentieren das rege religiöse Leben dieser Epoche.

Viele dieser Funde sind heute in den archäologischen Museen der Insel zu sehen und gehören zu den Höhepunkten einer Reise durch Zyperns Reiseziele. Sie machen die kypro-archaische Zeit auch für Besucher der einzelnen Regionen Zyperns erlebbar.

Wie ging es weiter?

Mit dem erneuten Rückfall unter persische Herrschaft und dem Ende der archaischen Kunstphase um 480 v. Chr. ging die kypro-archaische Zeit allmählich in die kypro-klassische Zeit über. Die Stadtkönigreiche bestanden zunächst fort und mussten weiter zwischen persischer Oberhoheit und dem Streben nach Anlehnung an die griechische Welt balancieren. Erst mit Alexander dem Großen sollte die persische Vorherrschaft endgültig enden. Einen Überblick über alle Epochen der Insel bietet unsere Seite zur Geschichte Zyperns.

Häufige Fragen zur kypro-archaischen Zeit

Wann war die kypro-archaische Zeit?

Die kypro-archaische Zeit dauerte etwa von 750 bis 480 v. Chr. Sie folgte auf die geometrische Zeit und ging in die kypro-klassische Zeit über.

Welche Völker herrschten in dieser Zeit über Zypern?

Nacheinander beherrschten Assyrer (672–669 v. Chr.), Ägypter (560–525 v. Chr.) und Perser (ab 545 v. Chr.) die Insel. Assyrer und Ägypter ließen den zyprischen Königen dabei meist ihre Macht.

Warum gilt die Epoche als Blütezeit?

Trotz Tributpflicht wuchs der Wohlstand der Stadtkönigreiche. Handel, Kunst und Handwerk florierten, und es entstanden reiche Gräber, Skulpturen und Tempel.

Was geschah 498 v. Chr.?

Bis auf Amathoús lehnten sich die zyprischen Stadtstaaten gegen die Perser auf und erklärten ihre Unabhängigkeit. Der Aufstand wurde jedoch mit Hilfe der phönizischen Flotte niedergeschlagen.

Tiefer in Zyperns Geschichte eintauchen
Lies weiter über die vorangegangene geometrische Zeit und die anschließende kypro-klassische Zeit oder verschaffe dir einen Überblick über die gesamte Geschichte Zyperns. Wer die Spuren der Antike vor Ort erleben möchte, findet Anregungen in unseren Reisezielen auf Zypern.
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