Byzantinische Herrschaft
Nach der Teilung des Römischen Reiches 395 n. Chr. gehörte Zypern fast 800 Jahre lang zum oströmischen Byzantinischen Reich. Diese Epoche prägte die Insel tief: Das orthodoxe Christentum wurde fest verankert, zahllose Kirchen und große Klöster entstanden, und die Kirche Zyperns erlangte ihre kirchliche Unabhängigkeit. Arabische Überfälle erschütterten die Insel über Jahrhunderte, ehe Richard Löwenherz die byzantinische Herrschaft 1191 beendete.
| Zeitraum | 395–1191 n. Chr. |
| Vorherige Epoche | Römische Zeit |
| Folgende Epoche | Kreuzfahrer / Lusignan (ab 1191) |
| Prägende Ereignisse | Reichsteilung 395, arabische Überfälle 632–965, Eroberung durch Richard Löwenherz 1191 |
| Spuren heute | Byzantinische Kirchen, Klöster, Ikonen und Wandmalereien |
Was kennzeichnete die byzantinische Zeit auf Zypern?
Mit der Teilung des Imperium Romanum im Jahr 395 fiel Zypern dem oströmischen, fortan byzantinischen Reich zu. Schon zuvor hatte sich das Christentum durchgesetzt: Kaiser Theodosius verbot 391/392 den Besuch heidnischer Tempel und jede Form des dort praktizierten Götterkults. In dieser Übergangszeit entstand unter anderem die frühchristliche Basilika von Koúrion, die die neuen Gläubigen aufnehmen sollte. Bereits 327 hatte Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, auf ihrer Rückreise aus Jerusalem die Insel besucht und Reliquien des wiederaufgefundenen Kreuzes Christi mitgebracht – das führte zur Gründung des Klosters Stavrovoúni und damit zum Beginn des Mönchtums auf Zypern.
Unter Kaiser Justinian wurde die Insel zwischen 527 und 565 zu einem starken Flottenstützpunkt im östlichen Mittelmeer ausgebaut. Mehr noch als militärische Macht kennzeichnete die Epoche jedoch der unaufhaltsame Aufstieg der orthodoxen Kirche, die religiöse Führer immer stärker in die Politik einband – ein Muster, das sich Jahrhunderte später in Gestalt von Erzbischof Makários wiederholen sollte. Wie es zu dieser christlichen Prägung kam, zeigt schon der Blick in die vorangegangene römische Zeit.
Wie prägte das orthodoxe Christentum die Insel?
Das orthodoxe Christentum wurde in byzantinischer Zeit zum Herzstück der zyprischen Identität – und ist es bis heute geblieben. Über die ganze Insel verteilt entstanden Kirchen und Klöster, die den Glauben verbreiteten und festigten. In einem rund hundertjährigen Zeitabschnitt wurden die großen Inselklöster gegründet, die noch heute zu den bedeutendsten religiösen Stätten Zyperns zählen:
- Kýkko – das berühmteste und reichste Kloster der Insel
- Machairás im Troodos-Gebirge
- Chrysorrogiátissa im Westen der Insel
- Ágios Neófytos nahe Páfos, von einem Eremiten gegründet
Eine Besonderheit dieser Epoche sind die Scheunendachkirchen im Troodos-Gebirge: kleine, aus Stein errichtete Bergkirchen, deren steile Holzschindeldächer sie vor Schnee und Regen schützten. Ihre Innenräume sind über und über mit byzantinischen Wandmalereien und Ikonen ausgeschmückt – ein einzigartiges Zeugnis orthodoxer Sakralkunst.
Auch kirchenrechtlich erlangte Zypern in dieser Zeit eine herausragende Stellung: Die Kirche der Insel wurde autokephal, also kirchlich selbstständig und keinem fremden Patriarchat unterstellt. Diese Unabhängigkeit, die der Erzbischof von Zypern bis heute innehat, gehört zu den ältesten ihrer Art in der gesamten orthodoxen Welt.
Welche Bedrohungen gab es?
Die größte Gefahr ging von den expandierenden Arabern aus. Unter Kaiser Heraklios erkannte man zwischen 610 und 640 die wachsende Bedrohung und ließ Befestigungsanlagen errichten – davon zeugt etwa die Festung „Saránta Kolónes“ in Néa Páfos. Die arabischen Einfälle führten zwischen 632 und 965 zeitweise zur Tributpflicht der Zyprer, und die Insel wurde mehrfach verheert.
Besonders schwer traf es die antike Hauptstadt: Constantia (das alte Salamis) wurde vollständig zerstört. 647 kam es zu einem großen arabischen Flottenangriff, bei dem der Überlieferung nach eine Tante Mohammeds ums Leben kam – an ihrer Grabstätte entstand später die Hala Sultan Tekke bei Lárnaka, eine bedeutende islamische Pilgerstätte. Erst 965 holte der byzantinische Feldherr Nikephoros Phokás II. die Insel endgültig zurück unter byzantinische Herrschaft. Auch die Natur setzte den Menschen zu: Lange Dürren brachten Hungersnöte, und schwere Erdbeben erschütterten die Insel mehrfach, so 332, 342 und noch einmal 1157.
Welche Spuren blieben?
Die byzantinische Epoche hat das Gesicht Zyperns nachhaltiger geprägt als fast jede andere. Bis heute sichtbar sind:
- die bemalten Scheunendachkirchen im Troodos-Gebirge, von denen mehrere zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen
- die großen Klöster Kýkko, Machairás, Chrysorrogiátissa und Ágios Neófytos, allesamt noch heute aktiv
- das Bergkloster Stavrovoúni, eine der ältesten Mönchsgründungen der Insel
- kunstvolle byzantinische Ikonen und Wandmalereien, die in Kirchen und Museen bewahrt werden
- die Festungsruine der Saránta Kolónes in Páfos
Wer diesen Spuren nachreisen möchte, findet im Troodos-Gebirge und rund um die großen Städte zahlreiche Zeugnisse dieser Epoche – ein Überblick über alle Reiseziele auf Zypern hilft bei der Planung.
Wie ging es weiter?
Das Ende der byzantinischen Herrschaft kam von innen wie von außen. Von 1185 bis 1191 führte Isaak Komnenos eine Willkürherrschaft auf der Insel und ließ sich sogar zum Kaiser krönen. Im Jahr 1191 landete der englische König Richard Löwenherz auf seinem Weg zum Dritten Kreuzzug auf Zypern, besiegte Isaak Komnenos und beendete damit fast 800 Jahre byzantinischer Geschichte. Die Insel wechselte in der Folge mehrfach den Besitzer und kam unter die Herrschaft fränkischer Kreuzfahrer. Wie es nach der byzantinischen Zeit weiterging, schildert unser Überblick zu den Kreuzzügen und Richard Löwenherz.
Häufige Fragen zur byzantinischen Herrschaft auf Zypern
Wie lange gehörte Zypern zu Byzanz?
Fast 800 Jahre: Nach der Teilung des Römischen Reiches 395 n. Chr. fiel Zypern dem oströmischen, byzantinischen Reich zu. Diese Herrschaft endete erst 1191 mit der Eroberung durch Richard Löwenherz.
Was bedeutet eine autokephale Kirche?
„Autokephal“ heißt kirchlich selbstständig. Die orthodoxe Kirche Zyperns erlangte in byzantinischer Zeit die Unabhängigkeit von fremden Patriarchaten und wird seither von einem eigenen Erzbischof geleitet – eine der ältesten solchen Stellungen in der orthodoxen Welt.
Welche Klöster stammen aus der byzantinischen Zeit?
Die großen Inselklöster Kýkko, Machairás, Chrysorrogiátissa und Ágios Neófytos wurden in byzantinischer Zeit gegründet. Auch das Kloster Stavrovoúni geht auf diese Epoche zurück.
Warum gab es arabische Überfälle auf Zypern?
Im Zuge der arabischen Expansion ab dem 7. Jahrhundert lag Zypern strategisch zwischen Byzanz und dem Kalifat. Die Insel wurde mehrfach angegriffen und war zeitweise zwischen 632 und 965 tributpflichtig, ehe Byzanz sie 965 endgültig zurückgewann.
Die byzantinische Epoche ist nur ein Kapitel einer bewegten Vergangenheit. Verschaffe dir einen Überblick über die gesamte Geschichte Zyperns, lies, wie die römische Zeit die Insel christlich prägte, und erfahre, wie es mit den Kreuzzügen weiterging. Wer die Schauplätze selbst erleben will, findet passende Reiseziele auf Zypern.












