Britische Verwaltung

Die britische Verwaltung prägte Zypern von 1878 bis 1960: Erst als Pachtgebiet vom Osmanischen Reich übernommen, 1914 annektiert und 1925 zur Kronkolonie erklärt, brachte sie eine moderne Verwaltung, ein Landkataster und ein Rechtswesen. Zugleich wuchs unter den griechischen Zyprern der Wunsch nach „Enosis“, der Vereinigung mit Griechenland, der 1955 in den EOKA-Aufstand und 1960 in die Unabhängigkeit mündete.

Schnellfakten Britische Verwaltung

Zeitraum1878–1960
Vorherige EpocheOsmanische Herrschaft (1571–1878)
Folgende EpocheRepublik Zypern (ab 1960)
Status1878 Verwaltung, 1914 Annexion, 1925 Kronkolonie
Prägende EreignisseEnosis-Bewegung, EOKA-Aufstand 1955–59, Abkommen 1959
Spuren heuteLinksverkehr, Verwaltungsstrukturen, Landkataster

Britische Verwaltung

Wie kam Zypern unter britische Verwaltung?

Zypern gelangte 1878 unter britische Kontrolle, ohne dass es zunächst förmlich abgetreten wurde: Großbritannien übernahm die Verwaltung der Insel vom Osmanischen Reich, das zuvor seit 1571 über Zypern geherrscht hatte. Diese Regelung war militärstrategisch motiviert – die Lage im östlichen Mittelmeer machte die Insel für London zum wichtigen Stützpunkt auf dem Weg nach Indien und zum Suezkanal.

Als das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg an der Seite Deutschlands und der Mittelmächte kämpfte, annektierte England Zypern 1914 vollständig. 1925 erklärte England die Insel schließlich zur Kronkolonie. Ein britischer Hochkommissar und später ein Gouverneur leiteten die Geschicke im Sinne der britischen Krone. Die Vorgeschichte dieser Epoche, die lange Zeit unter dem Halbmond, schildert unser Überblick zur osmanischen Herrschaft auf Zypern.

Was war die Enosis?

„Enosis“ bezeichnet den Wunsch vieler griechischer Zyprer nach der Vereinigung der Insel mit Griechenland. Schon früh artikulierte Erzbischof Sophronius dieses Ziel, das die mehrheitlich griechischsprachige Bevölkerung über Jahrzehnte begleitete. Der griechische Bevölkerungsanteil war mit der Fremdverwaltung unzufrieden, und der Enosis-Gedanke wurde von Generation zu Generation weitergetragen.

Erzbischof Makarios, die prägende Führerfigur der folgenden Jahrzehnte, wurde 1950 zum Erzbischof gewählt und verlieh der Enosis-Bewegung neuen Aufschwung. Bemerkenswert war die Geschlossenheit über politische Lager hinweg: Linke wie Rechte wünschten die Vereinigung mit Griechenland. Der Gedanke stieß jedoch auf mehrfachen Widerstand. 1954 teilte der britische Staatssekretär für Kolonialfragen, Hopkinson, den Zyprioten lakonisch mit, es gebe Gebiete im Commonwealth, die „niemals eine vollständige Unabhängigkeit erwarten“ könnten. Die Briten verboten Äußerungen von Enosis-Wünschen und bestraften sie sogar – die Antwort war ein 24-stündiger Generalstreik und ein einwöchiges Nichterscheinen der Tageszeitungen. Auch die Türkei lehnte die Enosis ab und verstand sich fortan als Schutzmacht der türkisch-zyprischen Minderheit.

Wie verwalteten die Briten die Insel?

Die britische Herrschaft hatte zwei Seiten. Auf der einen Seite leistete die reorganisierte Verwaltung effiziente Arbeit: Eine zeitgemäße Rechtsprechung schuf Rechtssicherheit, der Vetternwirtschaft wurde der Boden entzogen, ein Landkataster erstellt und das Gesundheitswesen ausgebaut. Der Gouverneur Sir Ronald Storrs handelte zunächst durchaus fair und versuchte, Wirtschaft und Kultur neue Impulse zu geben.

Auf der anderen Seite blieb der Wirtschaftssektor hinter der allgemeinen Entwicklung zurück. Ursachen waren die ausbleibende Reform des Steuersystems, eine unmäßige Abgabenbelastung des Haushalts und eine zu niedrige Reinvestitionsquote – in London sah man Zypern vor allem unter militärstrategischen Gesichtspunkten. Immer wieder kam es zu Unruhen, woraufhin eine autoritärer werdende Verwaltung die griechische Kultur und Lebensweise zunehmend anglisierte. Ab 1931 kontrollierten die Engländer das Schulwesen. Zugleich rekrutierten sie nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ Polizei und Beamtenschaft vorwiegend aus der türkisch-zyprischen Bevölkerung, was den Unmut der Griechen verschärfte. Im Zweiten Weltkrieg kämpften fast 30.000 Zyprioten in der britischen Armee; danach wurden die Zügel etwas gelockert und Kommunalwahlen gestattet.

Was war der EOKA-Aufstand?

Aus dem Interessenkonflikt formierte sich eine Widerstandsbewegung. 1955 begann die Gewaltkampagne der EOKA, einer Organisation, die Oberst Grivas bereits 1952 in Athen gegründet hatte. Ziel des Aufstands von 1955 bis 1959 war es, die britische Kolonialmacht zur Aufgabe der Insel zu zwingen und die Enosis durchzusetzen. Die Lage war angespannt – innerhalb von nur drei Monaten ereigneten sich rund 80 Attentate.

Nach der Suez-Krise von 1956 war Großbritannien umso entschlossener, an Zypern, dem „unsinkbaren Flugzeugträger“, festzuhalten. Erzbischof Makarios, der als indirekter Günstling der EOKA galt, wurde 1956 auf die Seychellen verbannt und 1957 aus dem Exil entlassen; nach Zypern zurückkehren durfte er zunächst nicht, da die griechische Kirche zu sehr aufseiten der Bewegung stand. Der Aufstand belastete das Verhältnis zwischen griechischen und türkischen Zyprern zusätzlich und machte eine politische Lösung dringlich.

Wie kam es zur Unabhängigkeit?

Die Eskalation führte die beteiligten Mächte schließlich an den Verhandlungstisch. In Zürich verständigten sich 1959 zunächst Griechenland und die Türkei auf Grundzüge einer Lösung; das anschließende Londoner Zypernabkommen, das die Außenminister der Türkei, Griechenlands und Englands sowie Erzbischof Makarios verabschiedeten, legte 1959 die Grundlage für ein unabhängiges Zypern. Die Enosis wurde dabei ebenso ausgeschlossen wie eine Teilung der Insel.

Auf dieser Basis entstand 1960 die unabhängige Republik Zypern mit Makarios als erstem Präsidenten. Großbritannien behielt zwei Militärbasen, und Griechenland, die Türkei und Großbritannien wurden zu Garantiemächten. Wie sich dieser Schritt vollzog und welche Spannungen er hinterließ, beschreibt unser Beitrag zur Unabhängigkeitserklärung Zyperns.

Welche Spuren blieben?

Die rund acht Jahrzehnte britischer Verwaltung sind auf Zypern bis heute sichtbar. Am auffälligsten ist der Linksverkehr, den die Insel als eines der wenigen Länder in der Region beibehalten hat. Auch viele Verwaltungs- und Rechtsstrukturen, das in dieser Zeit eingeführte Landkataster sowie die englische Sprache als verbreitete Zweitsprache gehen auf die Kolonialzeit zurück.

Wer den Spuren dieser und der älteren Epochen nachgehen möchte, findet im Überblick zur Geschichte Zyperns die zeitliche Einordnung – von der Antike bis zur Gegenwart. Viele Schauplätze lassen sich auf einer Rundreise über die Reiseziele der Insel mit eigenen Augen erkunden.

Häufige Fragen zur britischen Verwaltung Zyperns

Wann übernahm Großbritannien Zypern?

Großbritannien übernahm die Verwaltung Zyperns 1878 vom Osmanischen Reich. 1914 wurde die Insel annektiert und 1925 zur britischen Kronkolonie erklärt. Die britische Herrschaft endete mit der Unabhängigkeit 1960.

Was bedeutet „Enosis“?

„Enosis“ ist das griechische Wort für „Vereinigung“ und bezeichnet den Wunsch vieler griechischer Zyprer, die Insel mit Griechenland zu vereinigen. Dieses Ziel prägte die zypriotische Politik über weite Teile der britischen Zeit.

Was war die EOKA?

Die EOKA war eine Widerstandsorganisation, die Oberst Grivas 1952 in Athen gründete. Von 1955 bis 1959 führte sie einen Aufstand gegen die britische Kolonialmacht, um die Vereinigung mit Griechenland zu erreichen.

Wie wurde Zypern unabhängig?

Das Zürcher und das Londoner Abkommen von 1959 legten die Grundlage für ein unabhängiges Zypern. 1960 entstand die Republik Zypern mit Erzbischof Makarios als erstem Präsidenten; Großbritannien behielt zwei Militärbasen.

Weiter durch Zyperns Geschichte
Die britische Verwaltung folgte auf die osmanische Herrschaft und endete mit der Unabhängigkeitserklärung von 1960. Einen Gesamtüberblick bietet unsere Geschichte Zyperns, und die Schauplätze entdeckst du auf einer Reise zu den Reisezielen der Insel.
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