Commandaria – Zyperns Dessertwein, Dörfer und Geschichte
Commandaria ist der süße Dessertwein Zyperns aus sonnengetrockneten Xynisteri- und Mavro-Trauben. Er darf nur in 14 Dörfern am Südhang des Tróodos-Gebirges nördlich von Limassol entstehen, trägt eine geschützte Ursprungsbezeichnung und reift mindestens zwei Jahre. Der Name führt zu den Kreuzrittern und zur Burg von Kolóssi.
| Art | Süßer Dessertwein aus sonnengetrockneten Trauben |
| Rebsorten | Xynisteri (weiß) und Mavro (rot), beide einheimisch |
| Herkunft | 14 Dörfer nördlich von Limassol am Südhang des Tróodos |
| Höhenlage | 400 bis 900 Meter |
| Schutz | Geschützte Ursprungsbezeichnung (national und EU) |
| Reifung | Mindestens zwei Jahre, in der Regel im Eichenfass |
| Museen | Zoópigi und Sylikou |
Was ist Commandaria?
Commandaria hat mit einem gewöhnlichen Tischwein wenig zu tun. Die Trauben werden spät gelesen, wenn sie voll ausgereift sind, und danach in der Sonne getrocknet. Dabei verlieren sie Wasser, der Zucker konzentriert sich. Aus den getrockneten Beeren entsteht ein süßer, kräftiger Wein, dessen Süße an Sherry erinnert.
Die Zyprer nennen den Wein ihren Botschafter und ihr Aushängeschild. Der Beiname „Wein der Könige und König der Weine“ stammt aus der Zeit der Kreuzzüge; in Zypern gehört der Wein bis heute zur Gastfreundschaft, zu religiösen Bräuchen und zum Alltag der Weindörfer. Wer sich einen ersten Überblick über Getränke der Insel verschaffen will, findet ihn auf der Seite Trinken auf Zypern; diese Seite widmet sich allein dem Commandaria.
Welche Trauben stecken im Commandaria?
Zwei einheimische Sorten bestimmen den Wein: die weiße Xynisteri und die rote Mavro. Beide gehören zu den ältesten Rebsorten der Insel und wachsen auf den Hängen nördlich von Limassol ohne künstliche Bewässerung. Die Reben leben vom Regen, der im Gebiet jährlich bei etwa 650 Millimetern liegt und vor allem zwischen Dezember und März fällt. Die Sommer sind heiß und trocken, die Winter mild bis kühl; oberhalb von 800 Metern wird es im Norden des Gebiets spürbar kälter.
Die Sonne spielt für den Wein die Hauptrolle. Im Durchschnitt scheint sie im Anbaugebiet täglich rund 8,4 Stunden, die mittlere Tagestemperatur liegt bei 17,7 Grad. Im Sommer werden im Mittel zwischen 24 und 27 Grad erreicht, im Winter zwischen 9 und 10,5 Grad. Diese Bedingungen sorgen dafür, dass die Trauben viel Zucker bilden und sich später im Freien gut trocknen lassen.
Welche 14 Dörfer dürfen Commandaria herstellen?
Das Herkunftsgebiet liegt nördlich von Limassol und südlich des Hauptkamms des Tróodos. Es besteht aus 14 Gemeinden:
- Ágios Geórgios Sylikoú
- Ágios Konstantínos
- Ágios Mámas
- Ágios Pávlos
- Apsioú
- Gerása
- Dóros
- Zoópigi
- Kaló Chorió
- Kapileio
- Laneía
- Louvarás
- Sylikoú
- Monagrí
Nur Trauben aus diesen Dörfern dürfen den Namen tragen. Im Westen des Gebiets liegen die Weinberge zwischen 400 und 700 Metern auf halbhohen Hängen mit kalkreichem Boden. Im Osten, wo das Gebiet in den Tróodos übergeht, reichen sie bis auf 900 Meter, stehen auf vulkanischem, steinigem Untergrund und sind wegen der steilen Hänge terrassiert.
Woher hat der Commandaria seinen Namen?
Der Name geht auf das mittellateinische commendaria zurück. Damit bezeichneten die Ritterorden die Verwaltungseinheiten ihrer Besitzungen. Die Zentrale auf Zypern lag in der Burg von Kolóssi bei Limassol, die als „La Grande Commanderie“ bekannt war. Zuerst saßen dort die Templer, später die Johanniter. In dieser Zeit wurde die Gegend um Kolóssi zum Zentrum der Weinerzeugung, und die Johanniter förderten Handel und Ruf des Weins. Die Burg kannst du heute besichtigen; sie wird auf der Seite Kolóssi beschrieben.
Die Geschichte der Kreuzzüge in Zypern beginnt 1191, als Richard Löwenherz die Insel eroberte. Der Überlieferung nach feierte er in Limassol seine Hochzeit mit Berengaria und ließ dazu den süßen Wein ausschenken, den er „Wein der Könige und König der Weine“ nannte. Im Jahr 1192 verkaufte er die Insel an die Ritterorden der Johanniter und Templer. Diese gaben sie an Guy de Lusignan weiter, behielten aber ihren Sitz in Kolóssi. Eine Erzählung berichtet außerdem, dass der Wein im 13. Jahrhundert beim Weinwettstreit „Schlacht der Weine“ unter dem französischen König Philipp II. August gewonnen habe.
Wie alt ist die Weinbautradition auf Zypern?
Die Rebe wird auf Zypern seit Tausenden von Jahren kultiviert, der Wein ist deutlich älter als die Kreuzfahrer. Der griechische Geograph Strabon nannte die Insel „Evoinon“, die weinreiche. Der römische Gelehrte Plinius der Ältere lobte den zyprischen Wein. Aus dem 7. Jahrhundert vor Christus stammt eine Trinkschale aus Marion, auf der die Inschrift steht: „Freue dich und trinke gut.“ Im Haus des Dionysos in Néa Páfos zeigt ein Mosaik aus dem späten 2. Jahrhundert nach Christus, wie der Gott Dionysos dem Ikarios den Weinbau beibringt.
Für den Commandaria selbst wird eine Tradition genannt, die bis etwa 800 vor Christus zurückreicht, zu einem Wein, der als „Nama“ bekannt gewesen sei. Der Wein wurde wegen seiner heilenden Wirkung als Tonikum verwendet. Seinen heutigen Namen erhielt er im 12. Jahrhundert, in der Zeit der Kreuzzüge. Er ist damit der älteste noch hergestellte Wein der Welt, der unter seinem Namen bekannt ist.
Wie wurde Commandaria früher hergestellt?
Die traditionelle Herstellung lässt sich Schritt für Schritt nachvollziehen, weil sie in den Dörfern bis heute in Erinnerung ist. Die Trauben wurden gelesen, wenn sie ganz reif waren, und danach acht bis fünfzehn Tage in der Sonne getrocknet, oft auf den Dächern der Häuser, die dafür mit Weinlaub bedeckt wurden. Gepresst wurde im lino, der traditionellen Weinpresse, die aus schweren Balken, Rinnen und einem Sammelbecken bestand. Der Most gärte und reifte in innen geteerten Tonkrügen, den pitharia, und wurde mit großen Schöpfbechern, den mastrapades, umgefüllt. Zum Klären dienten ein Weidenkorb und ein Flaschenkürbis.
Der Most musste einen hohen Zuckergehalt erreichen. Für den Commandaria galten 15 bis 17 Prozent Alkohol als Zielwert, gewöhnlicher Wein kommt auf 13 bis 14 Prozent. Manche Erzeuger bewahrten Vorräte von Jahrzehnten auf; der Rest aus den alten Fässern, mana genannt, gab dem Verschnitt seinen Charakter. Der Wein war lange haltbar und eignete sich dadurch für den Handel über See. Einheimische nannten ihn wegen des hohen Alkohol- und Zuckergehalts scherzhaft den „Dynamit-Wein“.
Wie wird der Wein heute gemacht und gereift?
Die Grundidee ist geblieben. Die Trauben werden spät gelesen und getrocknet, dann gepresst, und der Most vergärt in Tanks oder in großen Tonkrügen, ähnlich wie früher. Heute schreiben die Regeln der geschützten Ursprungsbezeichnung eine Reifung von mindestens zwei Jahren vor, meist im Eichenfass. Die staatliche Versuchskellerei hat dazu neue Eichenfässer und Fässer aus Akazienholz getestet, um den Stil weiterzuentwickeln.
Für das Trocknen gelten klare Regeln: sandiger, gut durchlässiger Boden abseits der Hänge, ein geeignetes Netz als Unterlage, dünn ausgebreitete Trauben für die Belüftung und möglichst schonender Umgang, damit die Beeren nicht aufplatzen. Schimmel und Giftstoffe wie Ochratoxin A, die durch Schimmelpilze entstehen können, müssen kontrolliert werden. Früher erlaubte die Bezeichnung als Likörwein, den Wein mit zusätzlichem Alkohol aus Reben zu spriten. Das hing mit dem Export der Britenzeit zusammen, denn der Wein sollte lange Seereisen überstehen. Mit der britischen Verwaltung ab 1878 erholte sich der Weinbau, die Ausfuhr wuchs. Zuvor hatten Einschränkungen von Weinerzeugung und Weingenuss in der osmanischen Zeit die Tradition fast ausgelöscht.
Was ist Wein aus sonnengetrockneten Trauben?
Neben dem klassischen Commandaria gibt es eine jüngere Variante, die ohne zugesetzten Alkohol auskommt. Sie entsteht ebenfalls aus sonnengetrockneten Trauben, kommt aber ohne zugesetzten Alkohol aus und ist naturbelassener. Der erste Wein dieser Art kam 2008 unter dem Namen „Anesperi“ auf den Markt. Er stammt aus den Dörfern Zoópigi, Kaló Chorió und Ágios Konstantínos.
Die Versuchskellerei der staatlichen Landwirtschaftsabteilung arbeitet weiter an neuen Stilen. Dort wurden neue Eichenfässer bei etwa 14 Grad und Akazienfässer erprobt, um die Reifung zu verfeinern.
Wie schmeckt man Commandaria richtig, und was isst man dazu?
In den Dörfern wurden Gästen traditionell Rosinen mit Walnüssen, Mandeln und Obst gereicht, dazu der Tresterbrand Zivania. Zur Weinlese kochten die Familien im Kessel Traubensirup, epsima. Zu den Erntespeisen zählen palouze, soutzoukos und kiofterka, meist aus Xynisteri-Trauben, sowie portos aus Traubensirup und gewaschenem Weizen.
Mit dem Wein verbunden ist ein Stück Gastfreundschaft. Im Dorf war es lange üblich, Besucher mit dem selbstgemachten Commandaria zu empfangen, und die Familien waren stolz darauf.
Welche Museen und Stationen gibt es in den Commandaria-Dörfern?
Die Dörfer haben ihre Geschichte in zwei Museen zusammengetragen: das Museum des Commandaria in Zoópigi und das Museum des Commandaria und des Olivenöls in Sylikoú. Dort lernst du die Geräte kennen, mit denen früher gepresst, geklärt und gelagert wurde. Die ausgeschilderte Commandaria-Weinstraße führt durch die Dörfer, darunter Kaló Chorió, Ágios Mámas, Zoópigi, Louvarás, Gerása, Apsioú, Dóros, Sylikoú, Monagrí und Ágios Geórgios. Entlang der Strecke liegen vier Weingüter, die du besuchen kannst, und in Laneía eine restaurierte Weinpresse, die seit Jahrhunderten gepflegt wird.
Die Dörfer liegen auf rund 500 bis 900 Metern Höhe zwischen Weinbergen, dichter Macchia und lichtem Wald. In der Nähe befindet sich der Kourís-Stausee, der größte der Insel. Von der Küste aus erreichst du die Strecke ab Limassol über Kolóssi und die Dörfer; ein Mietwagen macht die Fahrt flexibel. Weitere Weinrouten der Insel stellt die Seite Weinstraßen auf Zypern vor.
Ist Commandaria geschützt, und was bedeutet das?
Der Name ist als geschützte Ursprungsbezeichnung auf nationaler Ebene und in der Europäischen Union geschützt. Darüber hinaus schützen zweiseitige Abkommen der EU die Bezeichnung in Ländern wie Australien, Kanada und Chile. Das bedeutet: Nur Wein aus den 14 Dörfern, aus den beiden einheimischen Sorten und nach den festgelegten Regeln darf Commandaria heißen. Für die Weinpolitik der Insel ist der Sektor Weinbau und Önologie der Landwirtschaftsabteilung zuständig; er vertritt die zyprischen Winzer auch in EU-Gremien.
Im Jahr 2021 wurde „Commandaria und die Weintraditionen der Commandaria-Dörfer“ in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Es umfasst Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur, traditionellen Weinbau, Esskultur sowie Feste und Bräuche. Bewahrt wird dieses Erbe von den Winzern der Dörfer: Familien mit eigenen Weinbergen, Genossenschaften und modernen Weingütern. Die Weinberge werden in der Familie weitergegeben, und von der Arbeit lebten früher auch Töpfer, Korbflechter, Fassbinder, Fuhrleute und Händler.
Wann ist die beste Zeit für den Besuch?
Ganzjährig lässt sich die Gegend bereisen. Die Sommer sind heiß und trocken, im Winter fällt der Regen, von dem die unbewässerten Reben leben. Plane für die Fahrt in die Berge einen halben bis ganzen Tag ein und kombiniere sie mit Ómodos oder einem Spaziergang durch Páno Plátres. Das Tróodos-Gebirge beschreibt die Seite Tróodos. Aktuelle Öffnungszeiten der Museen und Weingüter vor dem Besuch prüfen.
Häufige Fragen zu Commandaria
Was ist Commandaria?
Commandaria ist ein süßer Dessertwein aus sonnengetrockneten Trauben der einheimischen Sorten Xynisteri und Mavro. Er wird in 14 Dörfern nördlich von Limassol erzeugt und reift mindestens zwei Jahre, meist im Eichenfass.
Woher kommt der Name Commandaria?
Der Name geht auf das mittellateinische commendaria zurück, die Verwaltungseinheit der Ritterorden. Ihr Zentrum auf Zypern war die Burg Kolóssi bei Limassol, die als „La Grande Commanderie“ bekannt war.
Wie schmeckt Commandaria?
Süß und kräftig, mit Noten von Rosine, Honig und Nuss. Er wird oft mit Sherry verglichen und als Dessertwein zu Nüssen, Mandeln, Trockenfrüchten oder Käse getrunken.
Wo kann ich Commandaria kennenlernen?
In den Commandaria-Dörfern, etwa in Zoópigi und Sylikoú mit ihren Museen, bei den Weingütern an der Commandaria-Weinstraße und in der restaurierten Weinpresse von Laneía.
Ist Commandaria ein geschützter Name?
Ja. Er ist als geschützte Ursprungsbezeichnung national und in der EU geschützt; nur Wein aus den 14 Dörfern darf so heißen.
Vergleiche aktuelle Pauschalreisen nach Zypern und plane eine Tour ab Limassol. Entdecke weitere Orte und Dörfer der Insel. Offizielle Reise- und Sicherheitshinweise findest du beim Auswärtigen Amt.
