Erzbischof Makarios III

Erzbischof Makarios III. (1913–1977) war die prägende Figur des modernen Zypern: orthodoxes Kirchenoberhaupt und zugleich erster Präsident der Republik. Als Sohn eines Hirten führte er die Insel 1960 in die Unabhängigkeit von Großbritannien und stand bis zu seinem Tod an der Spitze des Staates – auch durch die dramatischen Ereignisse des Jahres 1974.

Auf einen Blick

  • Geboren: 13. August 1913 in Pano Panagía (als Michail Mouskos)
  • Erzbischof: ab 1950, mit 37 Jahren – zugleich politischer Führer der Zyperngriechen
  • Präsident: erster Staatspräsident der Republik Zypern (1960–1977)
  • Prägendes Ziel: zunächst die ENOSIS (Anschluss an Griechenland), dann Unabhängigkeit
  • Gestorben: 3. August 1977
  • Grab: auf dem Hügel Throni nahe dem Kloster Kykkos

Wer war Erzbischof Makarios III.?

Er war ein Mann aus Zypern, der Sohn eines Ziegenhirten, ein orthodoxer Erzbischof, eingewoben in einen politischen Konflikt – „ein zu großer Mann für eine kleine Insel“, wie der damalige US-Außenminister Henry Kissinger einmal über ihn sagte. Von den 1950er- bis in die 1970er-Jahre war der aufrechte, stets schwarz gekleidete Makarios ein vertrauter Anblick in den Abendnachrichten. Zeit seines Lebens liebte er Macht und Pracht: Er ließ sich gern im Mercedes 600 chauffieren und unterschrieb mit roter Tinte, einem Vorrecht der zyprischen Kirchenfürsten.

Härte und Zähigkeit verband er mit Freundlichkeit und diplomatischem Verhandlungsgeschick – eine Mischung, die seine Gegenüber oft zur Verzweiflung brachte. Während seiner gesamten Laufbahn wurde er abgöttisch geliebt und ebenso tief gehasst. Bis heute gilt er vielen Zyperngriechen als Vater der Nation, während Kritiker ihm vorwarfen, zu viel auf einmal gewollt zu haben.

Wie wurde aus einem Hirtensohn ein Erzbischof?

Geboren am 13. August 1913 in dem Bergdorf Pano Panagía, sollte Michail Mouskos nach der Dorfschule und dem frühen Tod seiner Mutter eigentlich seinem Vater bei der Viehzucht helfen. Doch sein Lehrer bestand darauf: „Der Junge ist zu begabt, um Ziegen zu hüten.“ Aufgefallen waren ihm nicht nur die Intelligenz und der Fleiß des Jungen, sondern auch eine Beharrlichkeit, die sich bis zum Starrsinn steigern konnte.

Mit 13 Jahren wurde Michail Novize im Kloster Kykkos, besuchte dort die Klosterschule, später das Gymnasium in Nikosia und wurde schließlich zum Theologiestudium nach Athen geschickt; weiterführende Studien führten ihn bis in die USA. Es war ein typischer Bildungsweg: Seit der Antike gab es eine höhere Ausbildung für die Griechen Zyperns vor allem über die Klöster. Dort bewahrte man das Griechentum, bildete den Klerus aus und formulierte die Anliegen der Bevölkerung gegenüber den jeweiligen fremden Machthabern.

Nach seiner Rückkehr stieg Makarios rasch in der Kirchenhierarchie auf: 1948 wurde er mit erst 35 Jahren zum Bischof von Kition – dem heutigen Larnaka – geweiht, ehe ihn die Gläubigen nur zwei Jahre später zum Erzbischof der ganzen Insel wählten. Dieser steile Aufstieg unterstrich sein Talent, seinen Ehrgeiz und das Vertrauen, das die Zyperngriechen in den jungen Geistlichen setzten.

Welche Rolle spielte Makarios in der Politik?

Als Makarios im Oktober 1950 mit nur 37 Jahren zum Erzbischof gewählt wurde, war er nicht nur geistliches, sondern auch politisches Oberhaupt der Zyperngriechen. Diese Verbindung von religiöser und politischer Führung in einer Person setzte das alte „ethnarchische“ Prinzip fort, nach dem die orthodoxe Kirche schon im Osmanischen Reich ihre Gemeinschaft nach außen vertreten hatte.

Außenpolitisch wollte er die wirtschaftliche Abhängigkeit von Großbritannien verringern und war ein glühender Anhänger der ENOSIS – des Anschlusses Zyperns an Griechenland. In seiner Antrittsrede versprach er, nicht zu ruhen, „bis der heiß ersehnte Tag der Befreiung“ vom britischen Joch anbreche. Als Eingaben bei den Vereinten Nationen und in Washington ohne Ergebnis blieben, unterstützte er den bewaffneten Kampf: Unter General Grivas begann die Untergrundorganisation EOKA einen Partisanenkrieg gegen die Briten, die Makarios 1956 daraufhin auf die Seychellen verbannten. 1959 kehrte er zurück und willigte 1960 in die Unabhängigkeit ein, um eine Teilung der Insel zu vermeiden.

Wie verliefen Unabhängigkeit und Präsidentenjahre?

Grundlage der Unabhängigkeit waren die Londoner und Züricher Abkommen von 1959, die Großbritannien, Griechenland und die Türkei gemeinsam mit den Vertretern beider Volksgruppen aushandelten. Sie sahen eine Republik mit fein austarierter Machtteilung vor: Makarios wurde 1960 erster Präsident, ein türkischer Zypriot Vizepräsident, und die drei Mächte übernahmen als „Garantiemächte“ eine Schutzfunktion über die junge Republik.

Schon bald aber erwies sich die Verfassung als schwer regierbar. Streit über die Machtteilung führte 1963 zu schweren Unruhen, woraufhin 1964 eine Friedenstruppe der Vereinten Nationen auf der Insel stationiert wurde, die bis heute im Einsatz ist. Makarios behauptete sich in diesen Jahren als geschickter Taktierer auf dem internationalen Parkett und wurde zu einer der bekanntesten Stimmen der Blockfreien Bewegung – sehr zum Missfallen der USA, die in ihm einen unsicheren Kantonisten am Rande des Nahen Ostens sahen.

Wie kam es 1974 zur Teilung der Insel?

Schon die junge Republik stand auf wackligem Fundament. 1963 verlangte Makarios eine Verfassungsänderung, durch die die türkischen Zyprioten einen Teil ihrer in der Verfassung garantierten Rechte verloren hätten. Es kam zu schweren Zusammenstößen zwischen beiden Volksgruppen, und die türkischen Zyprioten zogen sich zunehmend in Enklaven zurück. International eckte Makarios mit seinem Kurs der Blockfreiheit an: In Washington galt der mit der Sowjetunion liebäugelnde Erzbischof als unbequemer Eigenbrötler.

Nach dem Militärputsch der Obristen 1967 in Athen kühlte sein Verhältnis zur griechischen Militärjunta merklich ab. 1974 forderte er den Abzug von 600 griechischen Offizieren, die die zyprische Nationalgarde kommandierten. Daraufhin putschte die Junta mithilfe eben dieser Nationalgarde gegen ihren einstigen Verbündeten. Makarios konnte nach London fliehen; die Türkei nutzte die Gelegenheit und besetzte den Norden der Insel militärisch. Nach dem Sturz der Putschisten kehrte Makarios zurück und blieb bis zu seinem Tod Präsident – die Teilung der Insel aber dauert bis heute an. Die Hintergründe vertieft unsere Seite zur türkischen Besetzung.

Wo liegt das Grab von Makarios III.?

„Das Herz Zyperns schlägt nicht mehr“, vermeldete der zyprische Rundfunk, als Makarios am 3. August 1977 starb. Mehr als ein halbes Dutzend Mordanschläge hatte er überlebt – am Ende schlief er friedlich in seinem Bett ein. Beerdigt wurde er auf dem Hügel Throni tis Panagías („Thron der Maria“), nur zwei Kilometer vom Kloster Kykkos entfernt. Es war sein ausdrücklicher Wunsch, mit dem weiten Blick über seine geliebte Insel dort begraben zu werden.

Sein Lebensweg als Geistlicher hatte im Kloster Kykkos begonnen, und hier endete er auch. Das schlichte Grabmal auf dem Throni ist heute ein vielbesuchter Ort und lässt sich gut mit einem Ausflug ins Troodos-Gebirge und zum Kloster Kykkos verbinden – dort erinnert auch ein Museum an den Erzbischof.

Welches Erbe hinterließ Makarios?

Makarios prägte Zypern wie kein Zweiter: Er führte die Insel in die Unabhängigkeit, gab ihr als erster Präsident ein Gesicht in der Welt und galt als einer der Wortführer der Blockfreien Bewegung. Zu seiner Beerdigung 1977 strömten Hunderttausende nach Nikosia, und zahlreiche Staats- und Kirchenvertreter aus aller Welt erwiesen ihm die letzte Ehre – ein Beleg für das internationale Gewicht, das der Erzbischof einer kleinen Mittelmeerinsel verschafft hatte. Zugleich ist seine Bilanz umstritten – die ungelöste Teilung der Insel wirft bis heute Fragen nach Verantwortung und verpassten Chancen auf. Unbestritten ist seine Bedeutung als Symbolfigur: In Nikosia erinnert vor dem Erzbischöflichen Palast lange eine monumentale Statue an ihn, und sein Name begegnet Reisenden überall auf der Insel, vom Flughafen bis zu zentralen Straßen und Plätzen. Eine ausführliche biografische Einordnung bietet die Encyclopaedia Britannica.

Häufige Fragen zu Erzbischof Makarios III.

Warum war Makarios zugleich Erzbischof und Präsident?

Auf Zypern hatte die orthodoxe Kirche seit osmanischer Zeit auch die politische Vertretung der Griechen übernommen. Als gewählter Erzbischof war Makarios daher selbstverständlich auch ihr politischer Führer – und wurde 1960 folgerichtig erster Präsident der Republik.

Was bedeutet ENOSIS?

ENOSIS bezeichnet das Ziel, Zypern mit Griechenland zu vereinen. Makarios war lange ein glühender Verfechter dieser Idee, rückte später aber davon ab und setzte stattdessen auf die Unabhängigkeit der Insel.

Was geschah mit Makarios 1974?

Die griechische Militärjunta putschte mithilfe der zyprischen Nationalgarde gegen ihn. Makarios floh ins Ausland, die Türkei besetzte den Norden. Nach dem Sturz der Putschisten kehrte er zurück und blieb bis zu seinem Tod 1977 Präsident.

Kann man das Grab von Makarios besuchen?

Ja. Es liegt auf dem Hügel Throni nahe dem Kloster Kykkos im Troodos-Gebirge und ist frei zugänglich – ein lohnender Stopp auf einer Rundreise durch die Berge.

Warum war Makarios in den USA umstritten?

Washington misstraute seinem Kurs der Blockfreiheit: Makarios pflegte Kontakte zur Sowjetunion und stellte sich gegen westliche Vorgaben. Spöttisch nannten ihn manche US-Beobachter daher „Castro im Priesterrock“ – ein Hinweis darauf, wie sehr der eigenwillige Erzbischof die Großmächte zur Verzweiflung brachte.

Wie viele Attentate überlebte Makarios?

Mehr als ein halbes Dutzend Mordanschläge wurden auf ihn verübt, darunter 1970 ein Angriff auf seinen Hubschrauber. Alle überlebte er; gestorben ist Makarios schließlich 1977 friedlich an einem Herzinfarkt.