Zypern während der Kreuzzüge (1191–1489)

Richard Löwenherz landete 1191 im Rahmen des 3. Kreuzzuges ungewollt auf Zypern, nachdem wegen eines Seesturms zuvor das Schiff, auf dem sich seine Braut Berengaria von Navarra befand, an Zyperns Gestaden gestrandet war. Weil Zyperns Herrscher, Isaak Komnenos, den Schiffbrüchigen die gebührende Hilfe verweigert hatte und zudem Richards Schwester Joana, Königin von Sizilien, beleidigte – griff Richard Löwenherz den Komnenos an. „Isaak Komnenos selbst wurde trotz seines wunderbaren braunen Renners auf der Flucht gefangen, und da er als Bedingung ausgemacht hatte, keine eisernen Fesseln zu tragen, so empfing er silberne“, berichtete Paulus Stephanus Cassel über die Gefangennahme des Komnenos. Richard Löwenherz nahm Amathoús ein und heiratete am 12.5.1191 Berengaria, die er sogleich zur Königin von England krönte.

Die Templer

Da der englische Monarch nicht so recht wusste, was er mit der Insel anfangen sollte, verkaufte er sie für 100.000 Dinar an die Templer. Der Templerorden, eine mächtige Organisation in der Levante und der römischen Kirche zugehörig, betrachtete Zypern hauptsächlich als eine Einnahmequelle. Die Zyprioten revoltierten gegen die harte Behandlung, die sie von Seiten der Templer erfuhren. Am Ostertag 1192 konnte diese Revolte nur unter schwerem Blutvergießen unterdrückt werden. Dazu kam die Verschuldung an den englischen König, die ein immer größeres Problem für die Templer wurde – sie wollten die unrentable Insel wieder an Richard Löwenherz verkaufen, der nahm aber Zypern nicht zurück. Als Abnehmer fand sich dann 1192 Guy de Lusignan, ein französischen Kreuzritter. Damit begann das goldene Zeitalter des mittelalterlichen Zypern – die 300 Jahre dauernde Herrschaft der Lusignans. Franz Georg Maier beschreibt in seinem Buch „Cypern“ die Lusignan-Zeit als „eine eigentümliche Mischung von französischem Rittertum und orientalischem Lebensstil, gotischer Kunst und byzantinischem Kulturerbe“.

Gotteshäuser

Heute findet man in Nordzypern viele gotische Kathedralen aus der Lusignan-Zeit, die allerdings zu Moscheen umfunktioniert wurden. Amaury de Lusignan übernahm 1194 nach dem Tode seines Bruders Guy die Nachfolgeherrschaft. Unter ihm wurde der byzantinische Charakter der Insel zurückgedrängt, die orthodoxe Kirche verboten und der römisch-katholische Glaube zur Staatsreligion erklärt. Vier römischkatholische Bistümer wurden gegründet: Pafos, Limassol, Famagusta und Nikosía. Zur Bildung einer Oberschicht des Neuen Reiches rief Guy de Lusignan zahlreiche französische Adlige ins Land, die sich zuvor in Jerusalem oder in Syrien niedergelassen hatten. Diese Siedler stützten das Reich der Lusignans. Sie wurden durch eine Bekanntmachung in Palästina, Syrien und Armenien von Guy de Lusignan auf die Insel gelockt. Er vergab Lehen an alle, die bereit waren, sich auf Zypern niederzulassen.

Eroberung Jerusalems

Wegen der Eroberung Jerusalems und Syriens durch die Sarazenen waren viele Ritter (die ihre Lehen dort verloren hatten) bereit, nach Zypern zu kommen. 1204 wurde Byzanz durch die Venezianer und Kreuzritter erobert. Die letzte Kreuzritterburg, Akkon in Syrien, ging 1291 verloren. Zypern musste in der Folgezeit viele Flüchtlinge (darunter viele Adlige, Ordensritter und Kaufleute) aufnehmen, die die Basis für einen andauernden Aufschwung bildeten – zum Beispiel florierte in der von den Johannitern gegründeten Burg Kolóssi die Seidenraupenzucht. Die Herrschaft des erst 15-jährigen Peter II leitete 1369 allmählich den Niedergang der Lusignans ein.

Eine Bagatelle

Eine Bagatelle führte im Jahr 1372, während der Krönung Peter II, in Famagusta zu einem schweren Zusammenstoß, der wohl der Anfang vom Ende war: Nach der Tradition hatte der Abgesandte von Genua das Privileg, die Zügel des königlichen Pferdes auf der rechten Seite zu halten. Provokanterweise aber versuchte der Abgesandte von Venedig die Zügel ebenfalls auf der rechten anstatt auf der linken Seite, zu ergreifen. Darüber brach ein Aufruhr aus, der mit Massenmord, Plünderung und Raub endete. Genua rächte sich an seinen Feinden und behielt Famagusta bis 1472. 1426 drangen Mamelucken aus Ägypten ein und forderten Tribut. Der letzte Lusignan-König Jakob II (1458–1474) bedrängte mit Hilfe des Sultans aus Kairo die Macht der Genuesen. Er war mit der venezianischen Patriziertochter Catarina Coronaro verheiratet, die den Thron übernahm, als ihr Mann bald nach der Hochzeit starb. Von den Venezianern wurde Catarina Coronaro 1489 gezwungen, abzudanken, neuer Herr auf Zypern wurde Venedig.



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