Zypern während der britischen Verwaltung (1878–1960)

Britische Verwaltung

Nur langsam erholte sich Zypern wirtschaftlich, ein britischer Hoch- kommissar leitete die Geschicke im Sinne der britischen Krone. Der griechische Bevölkerungs- anteil war unzufrieden, und Erzbischof Sophronius artikulierte das Ziel; die Enosis, das heißt, die Anbindung an Griechenland. Ein politischer Gedanke, den Erzbischof Makarios später weiterführte und der bis in die jüngste Gegenwart hineingetragen wurde. 1914 annektierte England Zypern, als die Türkei auf die Seite Deutschlands und der Mittelmächte trat. 1925 erklärte England Zypern zu seiner Kronkolonie. Zunächst handelte der Gouverneur Sir Ronald Storrs durchaus fair: Er versuchte der Wirtschaft und der Kultur neue Impulse zu geben. Doch immer wieder kam es zu Unruhen, die dazu führten, dass durch eine autoritärer werdende Verwaltung seitens der Engländer die griechische Kultur und Lebensweise immer mehr den Engländern angepasst wurde. Ab 1931 kontrollierten die Engländer das Schulwesen. Im Zweiten Weltkrieg kämpften fast 30.000 Zyprioten in der britischen Armee. Daraufhin wurden die Zügel wieder etwas lockerer gelassen und Kommunalwahlen gestattet. Die Tendenz, auch widerstrebender Parteien Zyperns war eindeutig: Linke wie Rechte wünschten die Enosis, die Vereinigung mit Griechenland.

Pro Briten: Die reorganisierte Verwaltung leistete effiziente Arbeit, eine zeitgemäße Rechtsprechung schuf Rechtssicherheit, der Vetternwirtschaft wurde der Boden entzogen, ein Landkataster erstellt, das Gesundheitswesen ausgebaut.

Contra Briten: Auf der anderen Seite blieb der Wirtschaftssektor hinter der allgemeinen Entwicklung zurück, Ursache dafür waren unter anderem die ausbleibende Reform des Steuersystems, die unmäßige Abgabenbelastung des Haushalts und eine viel zu niedrige Reinvestitionsquote des erwirtschafteten Geldes – in London sah man Zypern nur unter militärstrategischen Gesichtspunkten. Die Briten rekrutierten nach dem Prinzip „Trenne und herrsche“ die Polizei und die Beamtenschaft vorwiegend aus der türkisch-zyprischen Bewölkerung, was zu Unmut bei den Griechen führte. Erzbischof Makarios, d i e Führerfigur der nächsten knapp drei Jahrzehnte, wurde 1950 zum Erzbischof gewählt – die Enosis-Bewegung erhielt durch ihn erneuten Aufschwung. Der Enosis- Gedanke stieß aber gleich mehrfach auf massiven Widerstand: „Es hat sich schon immer von selbst verstanden, dass es gewisse Gebiete im Commonwealth gibt, die aufgrund spezieller Umstände niemals eine vollständige Unabhängigkeit erwarten können“, teilte der Staatssekretär für Kolonialfragen, Hopkinson, 1954 den Zyprioten lakonisch mit. Die Briten verboten jegliche Äußerung von Enosis-Wünschen und bestraften dies sogar. Konsequenz: ein 24-stündiger Generalstreik und ein einwöchiges Nichterscheinen der Tageszeitungen. Makarios zeigte sich von dem Verbot aber unbeeindruckt. Auch die Türkei leistete Widerstand gegen die Enosis und sah sich fortan als Schutzmacht der türkischen Bevölkerungsminderheit.

Widerstandsbewegung

Die Folge des Interessenkonfliktes war die Formierung einer Widerstandsbewegung. 1955 begann die Gewaltkampagne, die von der EOKA getragen wurde. Ihr Führer war Oberst Grivas, der die Organisation bereits 1952 in Athen gegründet hatte. Nach der Suez-Krise im Jahr 1956 war Großbritannien umso entschlossener, an Zypern, dem „unsinkbaren Flugzeugträger“ festzuhalten. Das Londoner Zypernabkommen, das die Außenminister der Türkei, Griechenlands und Englands sowie Erzbischof Makarios verabschiedeten, legte 1959 die Grundlage für ein unabhängiges Zypern. Makarios wurde 1956 auf die Seychellen verbannt. Die Lage war brisant, innerhalb von nur drei Monaten ereigneten sich 80 Attentate. Makarios wird als indirekter Günstling der EOKA angesehen. 1957 wurde er aus dem Exil entlassen, durfte aber nicht nach Zypern, da die griechische Kirche zu sehr auf Seiten der revolutionären Bewegung stand.



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